Full text: Vertikale und intraindustrielle Lohnstreuung in Österreich 1980-94 (85)

gewisse Polarisierung. Die Zuwachsraten vom zweiten Dezil- bis zum dritten Quartil-
gehalt befinden sich in dem schmalen Intervall von 87,2 bis 91,5% - weshalb sich der 
QDK nicht veränderte -, wobei zwischen zweitem und sechstem Dezil eine leichte 
Nivellierung eintrat, die Steigerungsrate des dritten Quartileinkommens allerdings 
gegenüber jenem des mittleren Gehalts um 2 Prozentpunkte zurückblieb. Eine starke 
Abweichung bestand nur im Hinblick auf die Wachstumsrate des ersten Dezilein-
kommens: Diese lag um 15 Prozentpunkte unter dem Anstieg des Mediangehalts. 
Der Großteil dieser Kluft öffnete sich erst in der zweiten Hälfte des Beobachtungs-
zeitraums, als die Öffnung des österreichischen Arbeitsmarktes für ausländische Ar-
beitskräfte erfolgte. Ob die deutliche Zunahme der unteren relativen Streuung auch 
auf eine gestiegene Bedeutung von Nebeneinkünften zurückgeht, kann anhand der 
vorliegenden Daten nicht entschieden werden. Bezüglich des achten und des neun-
ten Zehntelwerts ist ein Vergleich nicht möglich, da diese Dezileinkommen bei den 
männlichen Angestellten jeweils die Höchstbeitragsgrundlage übertrafen.  
Welche Quantil-Veränderungsraten ergeben sich daraus für die Verteilung der Mo-
natseinkommen der männlichen Beschäftigten insgesamt? Mit zunehmender Ein-
kommenshöhe gingen im Beobachtungszeitraum zunehmende Einkommenssteige-
rungsraten einher. Das achte Dezileinkommen wuchs um 9,4 Prozentpunkte stärker 
als das erste. Der QDK erhöhte sich um 4,7%. Diese Zunahme der vertikalen relati-
ven Streuung ist vor allem das Resultat der Verlagerung der Beschäftigung von Ar-
beitern zu Angestellten: Während die Arbeiterbeschäftigung zwischen 1980 und 1994 
leicht abnahm (-0,3%), erhöhte sich die Angestelltenbeschäftigung um 16,9% (ge-
messen jeweils anhand der Versicherungstage).15 
Bei den Arbeiterinnen stiegen die Löhne zwischen drittem und neuntem Zehntelwert 
jeweils um 90 bis 91%. Die untersten Einkommen fielen zurück, und zwar war insbe-
sondere in der Subperiode 1987-94: die Zuwachsrate des ersten Quartileinkommens 
leicht gegenüber jener des Medianlohns (3,5 Prozentpunkte von 1980 bis 1994, vgl. 
Tabelle 6), jene von erstem und zweitem Dezillohn stärker (jeweils über 8 Prozent-
punkte) zurück. Diese Vergrößerung der unteren Streuung ist wohl in erster Linie auf 
die erhebliche Zunahme der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen. (Laut Mikrozen-
sus erhöhte sich der Anteil der in Teilzeit beschäftigten Arbeiterinnen zwischen 1980 
und 1993 von 20,8 auf 28,1%.) QDK und DDK nahmen jeweils um 3,5% zu. 
Noch deutlicher wirkte sich der Teilzeiteffekt auf die untere Streuung der Gehälter 
weiblicher Angestellter aus. In dieser Beschäftigtengruppe stieg laut Mikrozensus die 
Teilzeitquote von 17,9 (1980) auf 23,2% (1993). Über die gesamte Verteilung ist eine 
Zunahme der vertikalen Gehaltsunterschiede festzustellen. Die Differenz der Ein-
kommenszuwachsraten zwischen Median und erstem Quartil betrug 9,5 Prozent-
punkte und jener zwischen Median und erstem Zehntelwert gar 15 Prozentpunkte. 
Aber auch die obere relative Streuung nahm bei den weiblichen Angestellten etwas 
zu, wenngleich deutlich weniger als die untere. Die Wachstumsrate des neunten De-
zilgehalts übertraf jene des mittleren Gehalts um 4,5 Prozentpunkte. Hierin kam die 
beträchtliche Zunahme der Zahl höher qualifizierter Frauen im Angestelltenstatus 
zum Ausdruck.  
Wegen der ausgeprägteren Vergrößerung der unteren Streuung und des Anstiegs 
der oberen Streuung zeigen die beiden Maßzahlen für die gesamte vertikale Streu-
ung bei den weiblichen Angestellten eine deutlich stärkere Zunahme als bei den Ar-
beiterinnen: Der DDK stieg um 6,5% und der QDK sogar um 10,7%. 
Für die Gesamtheit der erfassten unselbstständig beschäftigen Frauen resultiert dar-
aus ein positiver Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe und Einkommenszu-
wachs, der noch stärker ist als bei den männlichen Beschäftigten. Die Differenz zwi-
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