Full text: Vertikale und intraindustrielle Lohnstreuung in Österreich 1980-94 (85)

Tabelle 6: Veränderungsraten der Quantile der Verteilungen der Monatsein-
kommen 1980-94 (in Prozent) 
 1980-87, 1980 = 100 1987-94, 1987 = 100 
 1.Dezil Q1 Median Q3 9.Dezil 1.Dezil Q1 Median Q3 9.Dezil
Gesamt 139,35 138,92 139,15 138,42 140,65 131,61 136,44 136,60 137,56 138,23
Männl. Beschäftigte 135,75 136,50 136,74 138,11 138,61 132,78 134,93 135,19 136,75 nb
Weibl. Beschäftigte 139,31 140,98 141,96 144,89 144,87 134,21 136,17 138,79 140,62 142,47
Arbeiter 135,92 135,47 135,30 134,49 134,57 134,56 134,76 133,97 133,75 134,19
Männl. Angestellte 136,79 138,56 139,49 138,22 nb 128,43 136,08 136,64 136,44 nb
Arbeiterinnen 139,10 140,92 139,85 141,18 141,40 131,80 133,31 136,86 135,45 135,36
Weibl. Angestellte 135,75 138,49 142,40 143,24 142,63 133,09 134,26 137,33 138,91 140,27
 
 1980-94, 1980 = 100 
 1.Dezil Q1 Median Q3 9.Dezil
Gesamt 183,40 189,55 190,07 190,42 194,43
Männl. Beschäftigte 180,25 184,18 184,86 188,87 nb
Weibl. Beschäftigte 186,96 191,97 197,02 203,75 206,40
Arbeiter 182,89 182,56 181,26 179,88 180,58
Männl. Angestellte 175,68 188,55 190,60 188,58 nb
Arbeiterinnen 183,33 187,86 191,40 191,23 191,40
Weibl. Angestellte 180,67 185,93 195,56 198,97 200,06
 
Die konstatierte geringfügige Abnahme der unteren Streuung bei den Arbeiterlöhnen 
ist angesichts der Arbeitsmarktbedingungen Ende der achtziger und Anfang der 
neunziger Jahre überaus bemerkenswert. Sie ist vor allem als Ergebnis von drei 
wichtigen Einflussfaktoren anzusehen:8 Die Ostöffnung (Faktor 1) und die verstärkte 
Zulassung ausländischer Arbeitskräfte (Faktor 2) begünstigten ein Zurückbleiben der 
Löhne niedrig qualifizierter Arbeiter. Der sehr starke Zustrom billiger Arbeitskräfte aus 
Ost- und Südosteuropa, v. a. in den Jahren 1989-91, drückte direkt auf das Lohnni-
veau in den unteren Qualifikationssegmenten. Und die österreichischen Niedriglohn-
branchen waren aufgrund der Ostöffnung einem verschärften Konkurrenzdruck aus 
den betreffenden Ländern ausgesetzt. Diesen die vertikale Lohnstreuung verstär-
kenden Einflüssen trat der ÖGB ab Februar 1990 mit seiner Mindestlohnkampagne 
(Faktor 3) entgegen. 
Folgende Regelungen in den Kollektivverträgen unterstützten ein Aufholen der unter-
sten Lohnkategorien: Erstens wurden für die Mindestlöhne regelmäßig stärkere Er-
höhungen als für die Ist-Löhne vereinbart. Zweitens wies ein Teil der Kollektivver-
tragsabschlüsse abgestufte prozentuelle Mindestlohnerhöhungen auf, welche die 
Niedriglohngruppen leicht begünstigten.9 Drittens enthielten einige Kollektivverträge 
Anhebungen der Mindestlöhne um für alle ArbeitnehmerInnen gleiche Absolutbeträ-
ge, wobei diese teilweise ergänzend zu einer prozentuellen Erhöhung hinzutraten.10 
Ein vierter Aspekt der gewerkschaftlichen Lohnpolitik war in diesem Zusammenhang 
von besonderer Bedeutung: Ab der Lohnrunde 1989/90 versuchten die Fachgewerk-
schaften, die Forderung nach einem Mindestlohn von öS 10.000 auf dem Wege der 
Kollektivvertragsverhandlungen durchzusetzen (überproportionale Anhebung der un-
tersten Lohngruppen bzw. Abschaffung derselben). Bis Ende 1992 war dieses Ziel in 
fast allen Industriebranchen und in einigen wichtigen Bereichen des Dienstleistungs-
sektors, so im Handel und im Fremdenverkehr, bereits verwirklicht.  
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