Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ uns untersuchten Fallstudien hat der leistungsabhängige Anteil in manchen Fällen bis zu 25 Prozent des Entgeltes ausgemacht. Der Beschäftigungsabbau bewirkt in vielen Fällen eine steigende Arbeitsintensität und wachsenden Stress und in manchen Bereichen auch eine deutliche Zunahme von Überstunden (pro MitarbeiterIn). Anzufügen wäre hier auch noch die wachsende Unsicherheit und Konkurrenz zwischen den Beschäftigten, weil speziell in der Umstrukturierungsphase in vielen Fällen nicht klar ist, wer seinen Job wie lange behalten wird. Hierzu kommt eine zunehmende Frustration aufgrund des ständigen steigenden Druckes durch die teilweise unrealistischen Vorgaben des jeweiligen Regulators bzw. von UnternehmensberaterInnen, welche die Beschäftigten mit interna- tionalen benchmarks konfrontieren, deren Richtigkeit von den Beschäftigten nicht nachgeprüft werden kann. Darüber hinaus haben die Beschäftigten vielfach das Gefühl, sich in einer permanenten Umstrukturierungsphase befinden, in der heute etwas gesagt wird, das morgen schon nicht mehr gültig ist. Weitreichende Auswirkungen hat die Liberalisierung und die damit verbundene Auslagerung und Überführung von öffentlichen Dienstleistungen in eigenständige privatrechtliche Unternehmen auch für die industriellen Beziehungen. Nicht nur, dass anstatt des gewohnten Bundespersonalvertretungsgesetz plötzlich das Arbeitsverfassungsgesetz gilt, sondern in Einzelfällen wurden auch Personalvertretungs- und Mitbestimmungsrechte eingeengt (bspw. Post). Im Zusammenhang mit Ausgliederungen und Zusammenlegungen kommt es auch vor, dass die MitarbeiterInnen einer neu gegründeten Holding von bis zu vier verschiedenen Gewerkschaften vertreten werden. 90

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