Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Schweden Hälfte der 1980er Jahre (so etwa in Vaxholm), eine Evaluation der Auswirkungen der Privatisierung der Wasser- und Abwasserwirtschaft ergab jedoch, dass die gemeindeeigenen Betriebe effizienter und billiger arbeiteten (Gustafsson 2001). 1996 erfolgte die Gründung des Schwedischen Wasser-Entwicklungsunternehmens, dass sich im Eigentum der Schwedischen Wasser- und Abwasservereinigung (VAV), sowie den Wasser- und Abwasserbetrieben von Stockholm, Göteborg und Malmö befindet. Gustafsson erwähnt einen zweiten Versuch der Privatisierung der Wasser- und Abwas- serwirtschaft in Malmö, der jedoch durch die Niederlage der Konservativen bei den Gemeinderatswahlen nicht zustande kam. Aus ArbeitnehmerInnenperspektive ist jedoch interessant, dass bei der Ausschreibung die Belegschaft explizit aufgefordert wurde, sich mit einem Anbot zu beteiligen und dass das britische Unternehmen Anglian Waters, dass aufgrund einer versprochenen Kostenreduktion von 30% den Zuschlag erhalten sollte, eine vollständige Übernahme der bisherigen Belegschaft in Aussicht stellte. Zum ersten Joint Venture zwischen öffentlichem und privatem Sektor in der Wasser- und Abwasserwirtschaft kam es in Karlskoga. Dort wurden 49% an eine Finnische Anbieter-Gruppe, die sich zu 70% in Staatsbesitz befindet, verkauft. Trotz aller Versprechungen bezüglich einer Verbesserung der Dienstleistungserbringung führte dies zu einer Reduktion der Investitionsleistung sowie einem substanziellen Personalabbau. Die erste klassische Privatisierung eines gemeindeeigenen Wasser- und Abwasser- betriebes erfolgte in Norrköping unter sozialdemokratischer Stadtverwaltung und unter erheblichem Widerstand der Bevölkerung. Das Unternehmen ging an Sydkraft, welches sich im Besitz von EON befindet. In Nörrtalje schließlich wurden die gemeindeeigenen Wasser- und Abwasserwerke unter Zustimmung der Gewerkschaften, die nicht mehr für den öffentlichen Arbeitgeber – die konservativ kontrollierte Gemeinde - arbeiten wollten, an Vivendi verkauft. Die Gewerkschaft erhoffte sich höhere Löhne und vertraute auf die Zusage, dass Vivendi den Kollektivvertrag respektieren werde. 165

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.