Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Schweden 
4.2.3. Atypische Beschäftigungsformen im ÖPNV in Schweden 
Aufgrund des Mangels an Personal im Sektor ist eine neue atypische Beschäftigungs-
form entstanden, die Kommunal mit „stundenweise beschäftigt“ beschreibt. Dabei 
handelt es sich um BusfahrerInnen auf selbstständiger bzw. auf ‚Tagelöhner’-Basis, die 
z.B. je nach Bedarf Wochenendschichten übernehmen. Diese haben, so Kommunal, eine 
annähernd gleiche sozialrechtliche Absicherung wie angestellte BusfahrerInnen, 
erhalten aber z.B. kein Krankengeld. Viele Beschäftigte dieser Kategorie arbeiten 
bereits seit 10 bis 15 Jahren mit solchen Verträgen. Diese Beschäftigungsform wird von 
Kommunal kritisiert, da sie schlecht für die Arbeitsverhältnisse ist. BusfahrerInnen, die 
in diesen Beschäftigungsformen arbeiten, sind aufgrund des Arbeitskräftemangels in 
einer relativ guten Position gegenüber den Unternehmen. Sie können ihren Schicht- und 
Arbeitsplan nach ihren Bedürfnissen ausrichten. Das heißt, sie blockieren mitunter, wie 
Kommunal beklagt, gute Routen und vorteilhafte Schichtzeiten. Angestellten Busfahre-
rInnen ist dies nicht möglich, da sie in ihrer Arbeit weisungsgebunden sind. Die 
Flexibilisierung des Personaleinsatzes drückt sich auch in der Beschäftigung von 
LeiharbeiterInnen und in deren Entlohnung aus. Die schwedische Transportarbeiter-
gewerkschaft schloss 1997 (EIRO 1997) einen Vertrag bezüglich der Entlohnung von 
LeiharbeiterInnen. Dem gemäß muss sich deren Entlohnung nach dem im Unternehmen 
üblichen Durchschnitt des Entgelts für ArbeiterInnen richten. Vorher betrug das 
Lohnniveau 50% der jeweiligen Entgeltbedingungen. 
4.2.4. Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen 
Die vorliegenden Materialien und Information zeigen, dass die Auswirkungen auf die 
Beschäftigten sich v.a. in der Veränderung der Arbeitsbedingungen abzeichnen. Kom-
munal beschreibt die Arbeitsverhältnisse vor der Liberalisierung als gute und sichere 
Beschäftigung mittlerer Qualifikation, die Aussicht auf einen lebenslangen Arbeitsplatz 
bot. Dies erleichterte insbesondere Frauen und alleinerziehenden Eltern die Arbeit im 
ÖPNV. 
Zwar hebt Kommunal hervor, dass man im ÖPNV in Schweden bezüglich der Ent-
wicklung der Löhne oder der Kollektivverträge nicht von ‚Social Dumping’ sprechen 
könne. Auch sei es nicht zu einer Verlängerung der Arbeitszeiten gekommen. Durch die 
regelmäßige Notwendigkeit der Unternehmen sich an den Ausschreibungsprozessen zu 
beteiligen, da Lizenzen im ÖPNV nur für 5 Jahre erteilt werden, sei aber die Unsicher-
heit im Sektor extrem gewachsen. Die Beschäftigten können nicht davon ausgehen, dass 
ihr Unternehmen nach 5 Jahren immer noch existiert. Außerdem sei es um die Ent-
lohnung und die Einhaltung der Arbeitszeitregelungen in den kleinen Unternehmen 
schlecht bestellt. 
Kommunal betont, dass die Arbeit erheblich intensiviert worden sei. Dies betrifft 
Fragen der Arbeitszeit, da die Intensivierung der Arbeit nicht zuletzt über Änderungen 
der Pausenregelungen und die Reduktion der Wende- und Wartungszeiten erreicht 
wurde. Beklagt wird weiters der Verlust von Kommunikations- und Konsulta-
 175
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.