Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Schweden 
4.3. Zusammenfassung: 
? Seit 1989 wurde der ÖPNV in Schweden auf lokaler Ebene über Ausschreibungsver-
fahren liberalisiert und weitgehend privatisiert. Unternehmen, die ein derartiges 
Verfahren gewinnen, erhalten für 5 Jahre eine Lizenz. 
? In der Liberalisierung und Privatisierung des ÖPNV blieben zwar die kollektiv-
vertraglichen Rahmenbedingungen bezüglich Arbeitszeit und Entgelt intakt. Der 
Ausschreibungsprozess hat jedoch zu einer erheblichen Unsicherheit im Sektor ge-
führt, da Beschäftigte nicht davon ausgehen können, dass ihr Unternehmen nach 5 
Jahren noch existiert. 
? Im ÖPNV in Schweden kam es zu einer massiven Reorganisierung der Beschäfti-
gung. So wurde Verwaltungs-, Wartungs- und Servicepersonal abgebaut. Außerdem 
verließen viele den Sektor aufgrund der sich verschlechternden Arbeitsbedingungen. 
Dies gilt v.a. für Frauen und junge Arbeitskräfte. Dies hat nach Angaben von Kom-
munal zu einem erheblichen Personalmangel geführt. 
? Im ÖPNV gibt es heute eine große Zahl von FahrerInnen, die gewissermaßen auf 
selbstständiger Tagelöhnerbasis für verschiedene Unternehmen arbeiten. Aufgrund 
des Arbeitskräftemangels scheint dies für viele eine durchaus dauerhafte Option zu 
sein. 
? Nach Kommunal bewirkte die Restrukturierung des ÖPNV im Prozess der Libe-
ralisierung und Privatisierung eine massive Intensivierung der Arbeit, was sich etwa 
in der Reduktion der Pausen- und Wendezeiten ausdrückte. Diese wurden daher auch 
zum Gegenstand von Streiks. Außerdem entwickelten sich kapazitätsorientierte 
variable Arbeitszeiten, da Fahrer von den Unternehmen mit Vorliebe in den Stoßzei-
ten eingesetzt werden. 
? Die Intensivierung der Arbeit führte zu einer Verschlechterung der gesundheitlichen 
Situation, zu Stresserscheinungen und zu einer wachsenden Unfallgefährdung. Dies 
hat auch mit dem Einsatz junger FahrerInnen zu tun, die mit wenig Erfahrung rasch 
nach Abschluss der Fahrerlizenz eigene Routen übernehmen. 
? Die Gewerkschaft konnte alles in allem ihre Position im Sektor halten, auch wenn es 
Schwierigkeiten bei der Mitgliederwerbung unter MigrantInnen und selbstständigen 
Tagelöhnern gibt. Der Gewerkschaft ist es 2003 gelungen einen Kollektivvertrag 
durchzusetzen, der die Einstufung von Beschäftigten im Lohnschema nicht mehr an 
die Zugehörigkeit zum Unternehmen sondern an die Dauer der Tätigkeit im Sektor 
bindet. 
Veränderungen der Arbeitsbedingungen im ÖPNV und Bahnsektor in Schweden 
Einen interessanten Überblick über die Wahrnehmung der Veränderung der Beschäfti-
gungsbedingungen durch ArbeitnehmerInnen in Schweden gibt die Studie von Eveline 
Ruiter und Remko Mast (2000) über Auswirkungen von Marktkräften auf Beschäftigte 
 177
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.