Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Schweden durch die Zentrale gegenübersteht. Früher erhobene Forderungen nach stärkerem Einfluss der ArbeitnehmerInnen auf die alltäglichen Routinen führen zur Entscheidung der oberen Managementebenen, mittlere Managementebenen aufzulassen. Durch die Veränderungen der Kontrollmechanismen soll die Effizienz gesteigert werden. SEKO kritisiert außerdem, dass die Beschäftigten immer öfter mit Personalmangel konfrontiert sind, was zu höheren Belastungen und einer Verdichtung der Arbeit führt. Dies hat anscheinend auf Dauer auch Auswirkungen auf das Lohnniveau, da Schutz vor Lohndumping eine zentrale Forderung von SEKO darstellt. Neu eingestellte Arbeitneh- merInnen bei Posten ABerhalten seit 1995 auch weniger Urlaubstage als die schon länger im Unternehmen arbeitenden Beschäftigten (ILO 2002b). Arbeitsaufgaben werden fragmentiert und es entstehen dequalifizierte Jobs. Maßnahmen zu Höherqualifizierung werden auf Kernbelegschaften eingeschränkt. Weiters ist eine Zunahme von Zeitarbeitsverträgen festzustellen, was zur allgemeinen Zunahme der Verunsicherung und von Zukunftsängsten beiträgt. Im bezug auf die Frage steigender Gesundheitsbelastungen erwähnt ILO eine Studie des Instituts für Umweltmedizin in Stockholm, in der 3.000 Personen untersucht wurden. Die Studie analysierte die Zunahme von Angst und Unsicherheit aufgrund der Reorganisierung des Arbeitsplatzes, Mobbing und wachsenden Stress.55 Dies wurde anscheinend auch vom Unternehmen erkannt. Die Zahlen für krankheitsbe- dingte Abwesenheit der Beschäftigten steigen (CSR 2002). Aus diesem Grund sei die Gesundheitssituation untersucht worden. Auf Basis der Ergebnisse wurden 1.000 Health Action Plans erstellt und das Management erhielt Ausbildungen zu gesundheitsspezifi- schen Fragestellungen. SEKO betont, dass es etwa beim privaten Anbieter City Mail ähnliche Entwicklungen bzgl Arbeitsbelastung gibt. Die Folge dieser Entwicklungen ist eine Zunahme der Fluktuation der Beschäftigten v.a. in den Städten. Bei City Mail beträgt die Fluktuation laut SEKO etwa 60% im Jahr (SEKO 2003). Andere Quellen (The Strategia Group, ohne Jg.; Post&Telestyrelsen, 2002) kommen bezüglich der Einschätzung der Ursachen des Personalabbaus zu etwas anderen Schlussfolgerungen. Diese betonen, dass der Personalabbau nicht ursächlich mit den Liberalisierungen und Privatisierungen des Postmarktes in Schweden zu tun hat, sondern sich aus der Automation bzw. veränderten Arbeitsformen ergeben habe. Post&Telestyrelsen betont daher: „The reduction of employees is mainly due to the introduction of new techniques in all lines of business and rationalising measures in the letter network – including the introduction of highly automated sorting centres – and in the post office net. This development started long before the letter monopoly was abolished. The mechanisation has taken place within the operators’ own organisations as well as 55 Voss, M. (2001): Physical, psychosocial and organizational factors relative to sickness absence: A study based on Sweden Post; in: Occupational and Environmental Medicine (London, BMJ), No. 58, p. 171-184; zitiert in: ILO 2002a. 183

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