Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ ? In den meisten Bereichen (so etwa bei der Deutschen und Österreichischen Bahn, bei der Deutschen Post und bei österreichischen Elektrizitätsversorgern) werden auch die Ausbildungsstellen für Lehrlinge massiv gekürzt. Dies scheint auf lange Sicht eine der besonders problematischen Folgen der Liberalisierung zu sein: Früher erfüllte die Lehrlingsausbildung in öffentlichen Dienstleistungen wie den Eisenbahnen, die über den unmittelbaren Eigenbedarf hinaus ging, immer auch eine gesamtwirtschaftliche Funktion. ? Die Auslagerung von Unternehmensteilen und Aufgaben stellt eine weitere Form des Personalabbaus bei ehemaligen Monopolunternehmen dar. Dies führt in der Regel zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im nunmehr selbstständig am Markt operierenden Unternehmen. ? In Ländern mit starker sozialpartnerschaftlicher Tradition werden redundante Ar- beitskräfte in betriebseigene Arbeitsvermittlungs- und Ausbildungsinstitutionen „zwischengeparkt“. Diese Organisationen dienen zur Reorganisation des inneren Arbeitsmarktes und zur Verbesserung der innerbetrieblichen ‚Ressourcenallokation’, aber in Verbindung mit Weiterbildungsmaßnahmen werden redundante Arbeitskräfte auch für den externen Arbeitsmarkt geschult. Die Zuweisung zu solchen betriebsin- ternen Arbeitsvermittlungsorganisationen stellt aber auch eine Sackgasse dar, wo Beschäftigte, die nicht gekündigt werden können, ihrer Dienstverpflichtung nachkommen, ohne wirklich etwas Produktives zu leisten. Beschäftigte empfinden diese Situation in der Regel als extrem frustrierend. ? Der Beschäftigungszuwachs bei neuen Anbietern kann in der Regel den Personalab- bau beim ehemaligen Monopolisten nicht kompensieren. Darüber hinaus sind auch die Dauerhaftigkeit und die Qualität der Beschäftigungsverhältnisse zu bezweifeln. Reduktion der Arbeitskosten durch Reduktion des Einkommens und Veränderun- gen in den Entgeltstrukturen ? In vielen Sektoren sind Maßnahmen zur Reduktion der Arbeitskosten zentrale Be- standteile der Unternehmensstrategien. ? Unmittelbare Kürzungen des Grundlohnes kommen zwar selten vor, sind aber trotzdem nicht auszuschließen. So wurde etwa in privatisierten britischen Busunter- nehmen den Beschäftigten für die Akzeptanz der neuen Lohnschemata, die unter anderem Lohnkürzungen vorsahen, Abfindungen (sogenannte ‚bribes’, Bestechun- gen) bezahlt. Ein anderes Beispiel dafür wären Änderungskündigungen, aber auch Änderungen im Hinblick auf den senioritätsbedingten Lohnanstieg (z.B. Abschaffung von Biennalsprüngen) sowie die Reduktion von Lohnkategorien. Schaffung neuer Lohnkategorien durch Einführung neuer Arbeitsplatzbeschreibungen können sich langfristig ebenfalls als Lohnkürzungen auswirken. ? Auch die Kürzungen von Zulagen und Prämien, innerbetrieblichen Sozialleistungen (Krankengeld) und Betriebspensionen durch Kündigung von entsprechenden Be- triebsvereinbarungen sind beliebte Maßnahmen zur Reduktion der Arbeitskosten. 186

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.