Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ Ziel der Reduktion der Arbeitskosten zuwiderlaufen, was auf Ungereimtheiten bei der Produktivitätsbestimmung in manchen Sektoren (etwa nach Kopfzahl) verweist. ? In vielen Bereichen versuchen die Unternehmensführungen eine Reduktion von betriebsspezifischen Regelungen für zusätzliche arbeitsfreie Zeit zu erreichen (be- triebsspezifische Urlaubsregelungen, zusätzliche freie Tage). Dies ist etwa bei der Bahn in Schweden feststellbar, wo die bereits länger Beschäftigten z.B. Anspruch auf 36 Urlaubstage und Pensionierung im 60. Lebensjahr hatten, während „NeueinsteigerInnen“ Urlaubs- und Pensionsrechte nach den allgemeinen arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen erhalten. ? Betriebs- bzw. sektorspezifische Pensionsregelungen werden sukzessive abgebaut, was auf eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit hinausläuft. ? Auch die Verlängerung der Betriebszeiten (zur Verbesserung des Dienstleistungs- angebotes) trägt zur Veränderung der Arbeitszeit der Beschäftigten bei. Aufgrund veränderter Anforderungen und Rahmenbedingungen in den verschiedenen Sektoren (z.B. im Postsektor) müssen neue Schichten/Schichtsysteme eingeführt werden. ? Wesentliche Dimensionen der Flexibilisierung des täglichen Arbeitseinsatzes sind in der Verlängerung des (Maximal-)Arbeitstages, aber auch in betriebsbedingten, kapa- zitätsorientierten Verkürzungen (mit dem Ziel der Minimierung von Zeiten, für die die Kundschaft nicht zahlt) der täglichen Arbeitszeit zu sehen. Dies findet sich be- sonders in jenen Bereichen, die zu bestimmten Tageszeiten besonders hohe Kunden- nachfrage aufweisen, wie etwa beim öffentlichen Verkehr oder beim Schalterdienst der Post. ? Zur Unterstützung eines „effektiven“ Personaleinsatzes und einer Reduktion der sogenannten „unproduktiven“ Stunden, für die keine Kundschaft bezahlt, werden Computerprogramme zur Planung und Steuerung des Arbeitskräfteeinsatzes eingeführt. Flexibilisierung und Individualisierung der Beschäftigungsverhältnisse ? Einheitliche Arbeits- und Vertragsverhältnisse werden im Zuge der Liberalisierung und Privatisierung zunehmend in Frage gestellt. Kollektivverträge werden dezentrali- siert und in einigen Fällen (insbesondere in Großbritannien) ist sogar von einem Übergang zu leistungsbezogenen, individualisierten Arbeitsverträgen auszugehen. ? Wesentliches Element der Flexibilisierung der Personaleinsatzes ist die Verwendung prekärer und atypischer Beschäftigungsverhältnisse. Dazu zählen v.a. Teilzeitkräfte, Zeitverträge, Leiharbeit, neue Selbstständige und geringfügige Beschäftigung. ? Durch Auslagerung von Aufgaben und Abteilungen, werden Betriebe geschaffen, die außerhalb kollektivvertraglicher Regelungen stehen. ? Die Segmentation und Fragmentierung in den verschiedenen Sektoren wird dadurch verstärkt, dass es in einigen Bereichen gelang (etwa bei der Post und Bahn in Deutschland und bei Teilen der kommunalen Dienste in Österreich) für die pragmati- sierten Bediensteten eine sogenannte Besitzstandswahrung durchzusetzen, während 188

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