Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Schlussfolgerungen Angestellte oder ArbeiterInnen durch neue Kollektivverträge deutlich schlechter gestellt werden. Veränderungen der Arbeitsbedingungen ? Die Studien zeigen für alle Sektoren eine Steigerung der Arbeitsintensität und der Arbeitsanforderungen, da mehr Arbeit von weniger Beschäftigten zu leisten ist. Dies kann etwa durch job enlargement, die Verlagerung von Verantwortung nach unten bei gleichzeitig steigender Kontrolle durch die Zentrale (über Monitoring der Leis- tung und Kostenkontrolle), sowie durch die Erhöhung des innerbetrieblichen Konkurrenz- und Leistungsdruck etwa durch Benchmarking forciert werden. ? In einigen Bereichen führen Rationalisierungs- und Technisierungsmaßnahmen, so etwa bei der Post in der Briefsortierung, zu einer wachsenden Monotonie der Arbeit. ? Die Fallstudien zeigen auch immer wieder eine Veränderung der Berufsbilder und innerbetrieblichen Arbeitsteilung (Angriff auf traditionelle berufliche Identitäten und Identifikationsmuster mit dem Betrieb/der Dienstleistung) etwa durch die wachsende Bedeutung der Kundenorientierung und des Dienstleistungsgedankens, sowie be- triebswirtschaftlicher, managerieller und marketingorientierter Tätigkeiten. Dies kann auch einhergehen mit einer Zunahme von Beschäftigungschancen bestimmter Gruppen (etwa Frauen in kundenorientierten Bereichen) und einem innerbetrieblichen Bedeutungszuwachs der mit den genannten Tätigkeiten betrauten ArbeitnehmerInnen auf Kosten bislang dominanter Gruppen. Hierfür wäre etwa der Bedeutungsverlust von Technikern und Elektrikern in der Elektrizitätsindustrie in Großbritannien (aber anscheinend auch in Schweden) zu Gunsten kaufmännischer und betriebswirtschaftlicher Angestellter zu nennen. In einigen Bereichen kommt es zu Dequalifizierung. ? In den meisten Sektoren wird auch von einer Zunahme von Stress und oft auch krankheitsbedingter Abwesenheit berichtet. ? Stresserscheinungen sind bedingt durch den Zwang zur innerbetrieblichen Mobilität durch Konzentration und Verlagerung von Standorten. Dies stellt v.a. Frauen vor Probleme, die Frage der Folgekosten für Individuen bleibt offen (z.B. Bahnsektor in Deutschland). ? Stresserscheinungen werden auch durch permanente organisatorische Veränderungen und Restrukturierungen der Unternehmen ausgelöst. ? Auch Unsicherheitserfahrungen durch Arbeitsplatzangst, aufgrund unklarer Verant- wortlichkeiten wegen veränderter Aufgabenbereiche oder wegen der Abschaffung mittlerer Managementebenen oder durch Übernahme von Arbeitskräften durch neue Anbieter sind häufig. Auswirkungen auf die Personalpolitik ? In vielen privatisierten öffentlichen Dienstleistungsunternehmen werden Human Resource Management-Praktiken, wie etwa Organisation der Arbeit nach 189

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