Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ 2.1.6. Arbeitsbedingungen Mit dem Personalabbau haben die Belastungen für die verbleibenden MitarbeiterInnen deutlich zugenommen: „Wenn 4.000 Leute das Angebot annehmen und aus dem Unternehmen ausschei- den, fehlen ihnen 8.000 Hände. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir jeden Tag Millionen von Briefen befördern. Die Arbeit ist ja nicht weniger geworden. Nur die Menschen sind weniger geworden.“ (Interview 7; siehe auch Schreiber 2001) Dabei sind die Auswirkungen höchst unterschiedlich. Im Verteilerbereich wurden bspw. durch den technologischen Fortschritt und den Einsatz neuer Maschinen massive Rationalisierungseffekte erzielt. Während erfahrene MitarbeiterInnen per Hand knapp 1000 Sendungen pro Stunde aussortieren, schaffen die neuen Sortiermaschinen im BZW bis zu 30.000 Sendungen pro Stunde. In anderen Bereichen, wie bei den ZustellerInnen, sind die Rationalisierungsmöglichkeiten dagegen sehr beschränkt. Speziell in diesen Bereichen hat man nach Ansicht der Personalvertretung die Grenze des Leistbaren erreicht. Vor allem was die Gewichtsbelastung betrifft: „Wenn ein Briefträger jetzt 500 bis 600 Abgabestellen hat, dann hat er eine recht erkleckliche Anzahl von Briefen mit sich. Wenn Sie ansehen, mit wie viel Wägel- chen die zum Teil unterwegs sind... und dann bekommen sie noch ein Rayon dazu. Dann sind Überstunden schön und gut, aber sie müssen das auch tragen können... Die Menschen transportieren zum Teil über 100 Kilogramm. Wir haben im 23. Be- zirk Rayons, wo täglich 250 Kilo Post zugestellt wird. Das muss man erst einmal bewerkstelligen. Da sind wir ganz sicher an der Grenze der Leistbarkeit. Das zei- gen auch internationale Vergleiche.“ (Interview 7) Nichtsdestotrotz plant die Generaldirektion auch im Zustellbereich weitere Einsparun- gen: Die Zahl der Zusteller soll von rund 11.000 auf 10.000 reduziert werden, wodurch die Zusteller in der selben Zeit um zehn Prozent mehr Briefe als bisher austeilen sollen.17 Im Gegensatz dazu sind in den neuen Verteilerzentren durch technische Hilfsmittel, wie bspw. automatische Hebevorrichten, Arbeitsbelastungen teilweise auch gesunken. Arbeitsunfälle: Während die absolute Zahl der Arbeitsunfälle zwischen 1996 und 2002 um fast 38 Prozent gesunken ist, bleibt aufgrund des deutlichen Beschäftigungsabbaues die Zahl der Arbeitsunfälle pro Beschäftigten dahinter zurück. Die Zahl ist von durchschnittlich 0,05 Arbeitsunfällen pro Beschäftigten in 1996 auf rund 0,04 in 2002, d.h. um ca. 25% gesunken. 17 Der Standard, 8. und 17. März 2003. 42

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