Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Österreich Tabelle 4-2: Beschäftigungsentwicklung bei der Verbundgesellschaft Jahr 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 Veränderung 1996-2002 in % Anzahl der Beschäftigten* 4.644 4.435 4.162 3.747 3.387 3.053 2.827 - 39,1 Frauenanteil in Prozent 15,7 16,0 16,3 16,3 16,1 15,9 - - Teilzeitanteil in Prozent 3,6 3,7 3,9 4,0 3,7 3,8 - LeiharbeiterInnen in absoluten Zahlen 15 12 8 3 3 5 - - * Jahresdurchschnittwerte. Quelle: Verbund Geschäftsberichte 1997-2002; Verbund Strategisches Personalmanagement (HP). Dabei gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Liberalisierung des Strommarktes, dem gestiegenen Wettbewerbsdruck bzw. den Vorgaben des Strom- regulators und dem radikalen Beschäftigungsabbau. Im Verbund-Geschäftsbericht 2001 heißt es bspw. „Damit das Unternehmen im Wettbewerbsmarkt bestehen kann, waren tiefgrei- fende Veränderungen nötig, die von den Mitarbeitern akzeptiert und aktiv unter- stützt wurden. ... Der Anspruch, als Low Cost Producer zu agieren, setzt konse- quente, strategisch gesteuerte Maßnahmenpakete zur Reduktion des Personalstan- des – und –aufwandes voraus. Konzerninternes Personalclearing, Vorruhestands- modelle und sonstige sozialverträgliche Maßnahmen reduzierten den Personalstand seit 1994 um 1.961 Mitarbeiter (39 Prozent). Der Personalaufwand wurde seit 1994 um 33,8 Prozent gesenkt.“ (S. 52) Wie im obigen Zitat angesprochen, waren bisher keine betrieblichen Kündigungen notwendig. Der Beschäftigungsabbau erfolgte durch ein Bündel von Maßnahmen inklu- sive Vorruhestandsmodellen (das dritte Vorruhestandsmodell wurde gerade abgeschlos- sen), erhöhten Abfertigungen (1,5 bis zweimal so hoch wie die gesetzlich gebührenden Abfertigungen) und Prämien (zwischen 11.000 und 44.000 Euro), die es vor allem jün- geren MitarbeiterInnen schmackhaft machen sollten, freiwillig das Unternehmen zu verlassen. Laut dem Unternehmen wurde der Personalabbau „ausschließlich auf sozial- verträglichem Weg durch zum Teil österreichweite Versetzungen, Vorruhestands- übertritte und Aussteigerregelungen durchgeführt“ (Verbund Geschäftsbericht 2002:57). Ganz so freiwillig war das Ausscheiden freilich nicht in jedem Fall. Laut Betriebsrat wurde bei manchen MitarbeiterInnen „schon auch Druck gemacht“ (Interview 3) bzw. manche konnten und wollten dem erhöhten Druck nicht mehr standhalten. Ein Problem in diesem Zusammenhang sind die sehr spezifischen Tätigkeiten, welche die MitarbeiterInnen im Unternehmen erledigten: „Unsere Mitarbeiter sind spezialisierte Fachtrottel. Ein gelernter Elektriker, der seit 20 Jahren an einer Schaltplatte tätig ist, ist nicht mehr so einfach in der Lage einen Verteilerkasten zusammenzubauen.“ (Interview 3) 59

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