Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

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„Unser Ziel war es nicht Gewinn zu machen. Wir wollten auch niemandem ein Ge-
schäft wegnehmen. Wir waren so etwas wie die Feuerwehr in der Wasserversor-
gung.“ (Interview 14) 
Dieses Ziel hat sich laut Betriebsrat mit der Übernahme durch die EVN deutlich 
geändert. Jetzt besteht ein klarer Auftrag, Gewinne zu machen. Die Gewinnorientierung 
wirkt sich insofern auf die Arbeitsbedingungen aus, als der Druck auf die MitarbeiterIn-
nen tendenziell zunehme (wobei der Betriebsrat betont, dass es noch zu früh wäre, um 
eindeutige Auswirkungen der Übernahme nachweisen zu können). Zwar gibt es bis jetzt 
keine Personalkürzungen, das Tätigkeitsfeld der Beschäftigen hätte sich aber deutlich 
erweitert. Während die NÖSIWAG die Wasserversorgung bis zur jeweiligen Gemeinde 
sicherstellte, wird in neuen Projekten in der Regel bereits die Belieferung der 
EndverbraucherInnen übernommen. Darüber hinaus denkt das Unternehmen auch 
daran, bei bestehenden Lieferverhältnissen die Belieferung auf die 
EndverbraucherInnen auszuweiten. In einer Selbstdarstellung des Unternehmens heißt 
es dazu: 
„Das neue Geschäftsfeld bringt erhebliches Potenzial. Die europäische Wasser-
wirtschaft befindet sich derzeit in einem Strukturwandel. In besonderem Maß gilt 
das auch für die bislang sehr kleinräumige orientierte österreichische Wasserwirt-
schaft. Die strategische Ausrichtung von evn wasser umfasst hier den schrittweisen 
Einstieg in die Direktversorgung von Konsumenten, die Aufnahme von Aktivitäten 
im regionalen Abwassergeschäft sowie eine Ausweitung ihrer Tätigkeit in das be-
nachbarte Ausland.“40
Um dieses Ziel zu erreichen, hat die EVN im Sommer 2003 die deutsche Wassertechnik 
GmbH (WTE) übernommen (die Übernahme muss aber noch vom Kartellgericht bestä-
tigt werden).41
In einer ähnlichen Weise hat die Energie AG Oberösterreich (die ihrerseits an der WDL 
und an der Salzburg AG beteiligt ist) 2000 das Landeswasserversorgungsunternehmen 
AG (LWU) vom Land Oberösterreich übernommen (Energie AG OÖ Geschäftsbericht 
2000/2001:48). Auch die Energie AG befindet sich zu mehr als 50 Prozent im Besitz 
des Landes Oberösterreich. Betroffen waren davon sechs Landesbedienstete, die zur 
Verwendung der OÖ Energie überlassen wurden. An der Beschäftigungszahl hat die 
Übernahme nichts geändert. 
                                                 
40  Siehe EVN Website: www.evn.at/evninfo/framset2.html. 
41  EVN-Pressemitteilung 2. 7. 2003. 
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