Full text: Geht uns die Luft aus? (2)

Soziales
humane Arbeitsbedingungen, 
gesellschaftliche Verantwortung
Ökonomie
langfristige 
wirtschaftliche 
Unternehmens-
sicherung
Ökologie
Ressourcen-
schonung
positive Wechsel-
wirkungen
(„win-win“) Nachhaltigkeit
Jetzt auch Online: www.wirtschaftundumwelt.at 2/200328 • Wirtschaft & Umwelt
Unternehmensabschluss entnommen wer-
den, sind durch externe Prüfer verifiziert
worden. Zum Teil werden diese Angaben in
den Nachhaltigkeitsberichten gesondert be-
stätigt. Dennoch: Ob der Bericht tatsächlich
auch ein nachhaltiges Engagement des Un-
ternehmens abbildet, kann daraus noch nicht
abgeleitet werden, hierzu fehlen nach wie
vor hinreichende Maßstäbe. Entsprechend
ist im IÖW/imug-Leitfaden zu lesen, dass
Glaubwürdigkeit vielmehr aus Offenheit re-
sultiere, was die Nennung von Schwachstel-
len und die Auseinandersetzung mit kriti-
schen Positionen beinhalte. Leider kommt
dies oft zu kurz. Ferner wird empfohlen,
Glaubwürdigkeit über Stellungnahmen ex-
terner „Stakeholder“ oder des Betriebsrates
zu vermitteln. Entsprechende Begleitworte
sind zu finden und zu begrüßen, aber auch sie
geben allenfalls Hinweise und keine Gewiss-
heiten. 
Bei den in den Nachhaltigkeitsberichten
dargestellten Sachverhalten und Zahlen fällt
auf, dass sie sich trotz oder wegen der Viel-
falt der Themen häufig nur auf wenige An-
gaben beschränken. Das größere Problem
liegt jedoch in den zu knappen Erläuterun-
gen. Beispielsweise werden flexible Arbeits-
zeiten als positiv für die Beschäftigten und
das Unternehmen dargestellt, ausgeführt
werden die angewendeten Modelle aber
kaum. Es wird auch nicht auf die diesbezüg-
lichen Schwierigkeiten und Konflikte einge-
gangen, zum Beispiel Überstunden. Hier
bleiben die meisten Berichte deutlich hinter
den Vorgaben zurück. So hat die GRI in
ihrem Leitfaden über die nicht immer zu fin-
dende Darstellung des Frauenanteils an
Führungskräften beispielsweise auch den
Punkt „Rechtsstreit wegen Diskriminie-
rung“ aufgelistet. Zu solchen und zu den
vielfältigen anderen innerbetrieblichen Kon-
fliktfällen schweigen sich die Berichte aus.
Ebenso selten sind – im sozialen Bereich –
fundierte Prozessangaben aufgeführt, also
Daten und Analysen über alte Ziele, ihre
Zielerreichung und Gründe der Nichterrei-
chung sowie neue Ziele und neue Maßnah-
men. Im sozialen Bereich kommen diese 
Berichte deshalb kaum über eine grobe 
Ist-Beschreibung hinaus. Im Umweltteil 
ist dies weit weniger der Fall, was auf die 
eingeführten Umweltmanagementsysteme
zurückzuführen ist. Zugleich werden aber
 Betrieb
NACHHALTIGKEITSBERICHT
auch die Schwächen der Umweltberichte
übernommen. So etwa die oftmals kritisierte
Ausblendung von Problemen, die über spe-
zifische Umweltverbesserungen des Unter-
nehmens hinausgehen, zum Beispiel extre-
me Zunahme des Flugverkehrs trotz Ver-
brauchsreduktion pro Passagier. Ebenso ver-
hält es sich mit übergreifenden Themen so-
zialer Gerechtigkeit, die für Nachhaltigkeit
elementar sind. Das Zurückfallen vieler
Nachhaltigkeitsberichte hinter die schon un-
verbindlichen Vorgaben betrifft insbesonde-
re auch die Integration der Nachhaltigkeits-
dimensionen. Meist sind nur nebeneinander-
gestellte Angaben in den drei Nachhaltig-
keitsfeldern zu finden. Den Versuch, die
Wechselwirkungen der Dimensionen - ins-
besondere widersprüchliche Verknüpfungen
- darzustellen, sucht man meist vergebens. In
der Integration läge aber der spezifische
Fortschritt von Nachhaltigkeitsberichten, da
die Einzeldaten zum größten Teil bereits aus
anderen Berichten bekannt sind. 
Resümierend kann man die nun vorlie-genden Berichte somit nur als Auftaktund Suchprozess verstehen. Damit
durch sie der Ansatz kontinuierlicher Verbes-
serung auf alle drei Dimensionen der Nach-
haltigkeit übertragen wird, bedarf es erhebli-
cher Anstrengungen. Sonst besteht die Ge-
fahr, dass die Berichte zu einem aufgeklärten
Unternehmensprospekt verkommen. In diese
Richtung weist schon ihre uneinheitliche Be-
zeichnung. Dass es sich um einen Nachhal-
tigkeitsbericht handelt, wird oftmals erst auf
den zweiten Blick klar; die Überschrift „Um-
weltbericht“ war hier eindeutiger. Für ihr An-
sehen und ihre Verbreitung wird dies wenig
hilfreich sein. Es ist auch hinderlich, dass vie-
le dieser Reports nur über das Internet zu be-
ziehen sind, auch wenn dort zum Teil weiter-
führende Informationen zu erhalten sind.
Überdies besteht ein grundsätzliches Pro-
blem: Haben bisher schon viele Unterneh-
men einen Umweltbericht vorgelegt, ver-
bleibt deren Anteil an allen Unternehmen
dennoch im Promillebereich. Aufgrund des
Aufwands und der Themenbreite ist davon
auszugehen, dass Nachhaltigkeitsberichte
noch seltener vorgelegt werden. Solange kei-
ne verbindliche und inhaltlich präzisierte Be-
richtspflicht existiert – die EU könnte dies für
alle Unternehmen ab 500 Beschäftigte regeln
–, werden sie vor allem für Großunternehmen
und internationale Konzerne wegen Aktien-
wert und Öffentlichkeit sowie für nachhaltig-
keitsbewegte Vorreiterunternehmen eine
höchst unterschiedliche Rolle spielen. Die
übergroße Mehrheit der Unternehmen wird
das Instrument nicht nutzen. 
DIE DREI DIMENSIONEN
QUELLE:WISSENSCHAFTSZENTRUM BERLIN FÜR SOZIALFORSCHUNG
        

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