Full text: Geht uns die Luft aus? (2)

DIE LUFTEINHALTUNGwar schon relativ früh
ein Thema. Schlechte Luftqualität in Städ-
ten erregt seit dem 16. Jahrhundert die
Gemüter. Ende des 19. Jahrhunderts wurde
erkannt, dass „der Rauch“ auch die Vegeta-
tion schädigen kann. Wenig später haben
deutsche Abgeordnete - noch zu Kaisers
Zeiten - Maßnahmen gegen die auf den
noch nicht asphaltierten Landstraßen über-
mäßig staubenden Autos gefordert. In den
1920er Jahren wurden erste Versuche unter-
nommen, die Emissionen zu regulieren. Spätestens nach den großen
Smog-Katastrophen, die in den 1950er Jahren tausende Tote gefor-
dert haben, wurden wirksame Maßnahmen ergriffen. Diese wurden
mit der Diskussion um das Waldsterben in den 1970er Jahren noch
deutlich intensiviert.
Das alles hat Wirkung gezeigt: bei
den Grenzwerten und bei den Menschen.
Grenzwerte wurden festgelegt, geändert,
manchmal überschritten, aber mit zunehmen-
den Maßnahmen auch eingehalten. Viele Men-
schen haben sich aufgrund der Unmittelbarkeit
der Belastungen sehr für Luftreinhaltung und
Umweltschutz engagiert, den Prozess kritisch
verfolgt und im letzen Jahrzehnt das Problem
als gelöst gesehen. Nach dem Motto: „Der
Wald grünt wieder und an Smogalarm kann
ich mich gar nicht mehr erinnern“. Lediglich
internationale Themen wie die Auswirkungen
der Treibhausgasemissionen waren auf der Tagesordnung. 
Fast alles scheint himmelblau zu sein, wären da nicht zwei
Störenfriede, die nicht in das allgemeine Schema passen und zuneh-
mend auch Probleme bereiten: den Partikeln und der Belastung
durch bodennahes Ozon. Beim Ozon ist die Entstehung sehr kom-
plex, während die Partikel mitunter eine sehr simple Entstehungsge-
schichte haben. Aber vielleicht könnte man diesen Belastungen bei-
kommen, wenn man die Gemeinsamkeiten von Ozon- und Partikel-
belastung sucht: Beide verdanken ihre Entstehung in einem großen
Ausmaß dem Verkehr. – Diese Erkenntnis trägt aber eine bittere Bot-
schaft in sich:  Angesichts der momentan vorherrschenden Verkehrs-
politik, müssen wir uns auf noch intimere Bekanntschaft mit Ozon
und Partikeln einstellen. T. Ritt
IMPRESSUM:
Medieninhaber, Herausgeber: Bundes-
arbeitskammer, Prinz-Eugen-Str. 20-22,
1041 Wien, Tel. (0 1) 501 65 DW; Redak-
tion: Mag. Thomas Ritt (Leitung, DW
2629), Dr. Wilfried Leisch (Redakteur);
Mitarbeit: Robert Poth; Sekretariat: Friede-
rike Bodinger (DW 2698); Grafische Kon-
zeption: Jakob Fielhauer; Photograph: Er-
win Schuh, www. photoschuh. com; Lay-
out und Titelblatt: Haderer Design; Cover-
fotos: Schuh, Mauritius; Infografik: Hade-
rer Design; Druck: MANZ 1050 Wien. Die
in Wirtschaft & Umwelt veröffentlichten
Artikel geben nicht notwendigerweise die
Meinung der Bundesarbeitskammer wie-
der.  ISSN 1028-4664; 
E-mail: wirtschaft.umwelt@akwien.at
2/2003 Wirtschaft & Umwelt   •   3Jetzt auch Online: www.wirtschaftundumwelt.at
EDITORIAL 
STÖRENFRIEDE
Viel wurde zur He-
bung der Luftqualität
in den letzten Jahr-
zehnten getan. Selbst
Linz bewegte sich in
Richtung Luftkurort.
Doch neben Klima-
wandel stören zuneh-
mend die Belastungen
aus Staub und Ozon
den Umweltfrieden.
 Vorspann
UMWELTPOLITIK Seite 10
STILLE
WASSER?
Wasserbereitstellung, Abfallbe-
seitugng, Postzustellung, öffent-
licher Personentransport auf der
Schiene und auf der Straße. Das
alles funktioniert – bei aller Kri-
tik - noch gut, halbwegs um-
weltfreundlich und zu vertretba-
ren Preisen. Noch. Reißen we-
gen GATS bald die Stricke der
öffentlichen Versorgung? Für
Wirtschaft und Politik ist GATS
willkommener Anlass für weite-
re Liberalisierungs- und Privati-
sierungsschritte im Bereich der
Daseinsvorsorge. Wie steht es
um die Auswirkungen auf
Mensch und Umwelt?
THOMAS RITT
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