Full text: Nachhaltiger Tourismus (3)

3/200422 •   Wirtschaft & Umwelt www.wirtschaftundumwelt.at
SCHWERPUNKT
mus-Satellitenkonto vorgenommen: Dabei
werden auch indirekte Effekte und ein wei-
terer Begriff von Tourismus mit berücksich-
tigt. Die direkte Wertschöpfung beträgt nach
dieser Berechnung rund sieben Prozent des
BIP. Zählt man die indirekte Wertschöpfung
hinzu, so kommt man auf neun Prozent des
BIP. Und werden auch noch die Freizeitaus-
gaben hinzugerechnet, so beträgt der Anteil
etwa 16 Prozent.
Was die Seite der Beschäftigerbetriebe
betrifft, so ist Österreich durch eine kleinbe-
triebliche Struktur gekennzeichnet. Von al-
len unselbständig Beschäftigten arbeiten 94
Prozent in Betrieben mit weniger als zehn
Beschäftigten, das sind rund 90 Prozent aller
Betriebe.
Was für die einen Freizeitvergnügen be-
deutet, ist für die anderen harte Arbeit. In
Österreich sind etwa 150.000 Personen im
Jahresdurchschnitt im Beherbergungs- und
Gaststättenwesen beschäftigt. Damit ist die
Beschäftigung im Tourismus in den letzten
Jahren – konkret seit 1995 – zwar gestiegen,
allerdings geringer als im Dienstleistungs-
sektor insgesamt. Der überwiegende Teil der
Beschäftigten sind Frauen und junge Men-
schen. Der Tourismus weist darüber hinaus
auch einen hohen Anteil nicht-österreichi-
scher StaatsbürgerInnen und einen großen
Anteil geringfügig Beschäftigter auf (siehe
Tabelle Seite 22).
Diese Beschäftigten sehen sich am Ar-
beitsmarkt mit ganz speziellen Bedingungen
konfrontiert. Durch die Abhängigkeit von
der Tourismussaison gibt es wenig durch-
gängige Beschäftigungsverhältnisse: Auf
Stoßzeiten folgen oftmals lange Ruhepha-
sen, die Beschäftigten müssen sich auf kur-
ze bzw. beschränkte Beschäftigungsdauer
einstellen. Rund ein Viertel eines Jahres 
entfällt auf Arbeitslosigkeit bzw. Nicht-
Erwerbstätigkeit. Wobei ein Drittel dann zu
dem Arbeitgeber zurückkehren, den sie zu-
vor hatten. Dieses Saisonmuster ist auch für
die öffentliche Hand, konkret das Arbeits-
marktservice bzw. die Arbeitslosenversiche-
rung, eine spezielle Herausforderung, macht
doch eine Vermittlung in der Zeit der Ruhe-
phasen häufig wenig Sinn bzw. ist auch in
den „Sauregurken-Zeiten“ sehr schwierig.
Rund 60 Prozent der „RückkehrerInnen“
zum alten Dienstgeber werden während ih-
rer Unterbrechung als arbeitslos gemeldet.
Trotzdem muss festgehalten werden, dass es
eine große Zahl an Personen gibt, die im Tou-
rismus beschäftigt sind und nach einem
Dienstverhältnis – aufgrund der kurzen Be-
schäftigungsdauer – keinen Anspruch auf
Arbeitslosengeld erwerben konnten.
Was die Arbeitslosigkeit betrifft, so ist
diese mit 17,3 Prozent im Jahr 2003 sehr
hoch und liegt deutlich über der Gesamtar-
beitslosenquote auf Registerbasis von sieben
Prozent. Deutlich mehr als die Hälfte der Ar-
beitslosen in absoluten Zahlen sind Frauen,
rund die Hälfte hat keine über den Pflicht-
schulabschluss hinausgehende Ausbildung. 
Eine genaue Untersuchung der Arbeiter-
kammer hat durch eine personenbezogene
Datenauswertung gezeigt, dass es sich um 
eine Branche mit hoher Fluktuation und we-
nig Kontinuität handelt. Die Betrachtung
von Verbleibsverläufen der Beschäftigten in
der Branche zeigt, dass fast die Hälfte der im
Jahr 1995 Beschäftigten im Jahr 2001 nicht
mehr im Tourismus beschäftigt ist. Im
Durchschnitt aller Branchen reduziert sich
das Beschäftigungsvolumen erst nach mehr
als zehn Jahren um die Hälfte. 
Auch die konkreten Arbeitsbedingungen
im Tourismus unterscheiden sich deutlich
von jenen in anderen Branchen. Dies ist an
verschiedenen Faktoren, allen voran dem
Einkommen und der Arbeitszeit, deutlich zu
sehen. Darüber hinaus sind es aber noch die
spezifischen gesundheitlichen Belastungen
am Arbeitsplatz, die gerade in Kombination
mit den Arbeitszeiten langfristig Probleme
QUELLE: DATEN 1995-2003: TOURISMUS IN ÖSTERREICH 2003: 37, DATEN 2003: AK WIEN
QUELLE: ARBEITSBEDINGUNGEN IM HOTEL- UND GASTGEWERBE– EINE BRANCHE IM WANDEL? AK WIEN, 2004
BESCHÄFTIGUNGUNGSSTRUKTUR
WEIBLICHE GASTFREUNDSCHAFT
Anteil an der Gesamtbeschäftigung im Beherbergungs- und Gaststättenwesen in Prozent
Jahr Frauen Ausländer/innen Geringfügige
1995 59,5 27,6 8,7
1996 59,9 27,5 9,4
1997 60,4 26,7 10,2
1998 61,1 26,5 10,1
1999 61,3 26,7 11,0
2000 61,6 27,3 11,3
2001 61,5 28,1 11,4
2002 61,2 29,1 11,8
2003 61,0 30,5 12,0
TOURISMUSBERUFE
DIE HÄUFIGSTEN BELASTUNGEN
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