die schlechteste zu erreichende
Bewertung.
Für die Berechnung der Er-
schließungsaufwände werden
die Werte der „äußeren Er-
schließung“ und der „inneren
Erschließung“ abgefragt. Dar-
aus werden die Aufwände pro
Wohneinheit und Jahr ermittelt,
umverschiedengroßePlanungs-
gebiete vergleichbar zu machen.
Prinzipiell gilt natürlich: Je län-
ger die erforderlichen Leitungen
sind, desto höher sind die Er-
schließungsaufwände. Wird die
Anzahl von Wohneinheiten am
Projektgebiet erhöht, können
auch die Erschließungsauf-
wände pro Wohneinheit gesenkt
werden.
FREIRAUMQUALITÄT
Die Freiraumqualität wird
über das Vorhandensein von
Maßnahmen zur Verkehrsberu-
higung, sowie entsprechend
breite Straßenräumemit qualita-
tiver Ausgestaltung (Begrünung
etc.) ermittelt. Bei engen
Straßenräumen ist mit Beein-
trächtigung durch Beschattung
zu rechnen, Lärmquellen im
Umkreis von 150 Meter wirken
sich ebenfalls negativ auf die
Freiraumqualität aus. Durch die
Eingabe der für den Fußgänge-
rInnenverkehr besonders attrak-
tiven, kurzen Wegelängen und
der Gesamtlänge der Er-
schließung für denmotorisierten
und nicht motorisierten Verkehr
wird die Qualität des Fußgänge-
rInnennetzes bestimmt.
Für die Ermittlung des zu-
sätzlich induzierten CO2-Aus-
stoßes werden die Distanzen der
Siedlung zu wichtigen Einrich-
tungen abgefragt. Das Angebot
an öffentlichen Verkehrsmitteln
wird über die Eingabe des Inter-
valls und die Distanz zur näch-
sten Haltestelle in diese Ermitt-
lung einbezogen.
Die Parameter für Lage und
Bebauung dienen zur Beschrei-
bung der Energieverluste durch
externe Einflüsse. Über den Ge-
bäudetyp (Wärmeverluste, Bau-
masse) und die damit verbun-
dene Bebauungsform sowie die
Topographie (Wärmeverluste
durch Wind, Kuppel- oder Mul-
denlagen) und die Ausrichtung /
Orientierung eines Gebäudes
(Nutzung der Sonneneinstrah-
lung) wird der Wert für die En-
ergieeffizienz der gebauten
Struktur bestimmt.
Das Ergebnis der Prüfung ist
eine Zuordnung eines Energie-
levels, der zugleich die Energie-
kennzahl der Siedlung ist. An-
hand der ausgegebenen Energie-
zahl können verschiedene Be-
bauungsvarianten an verschie-
denen Standorten einer Ge-
meinde miteinander verglichen
werden. Die bewertete Siedlung
wird zudem einer Mustersied-
lung und einer „konventionel-
len“ Siedlung gegenüber ge-
stellt. Damit kann leicht darge-
stellt werden, wie sie sich von
einem positiven Referenzpro-
jekt bzw. einer herkömmlichen,
nicht optimierten Siedlung un-
terscheidet. Weiters werden die
erhaltenen Werte hoch gerech-
net, um aufzuzeigen, welche
Auswirkungen auf die Er-
schließungsaufwände und CO2-
Emissionen zu erwarten wären,
wenn alle vergleichbaren Bau-
landreserven, z. B . eines politi-
schen Bezirks, in der selben Art
wie die gerade bewertete Sied-
lung bebaut werden würden.
Mit Hilfe des Energieauswei-
ses für Siedlungen, der sicher-
lich als ExpertInnen-System an-
zusehen ist, kann die Gesamten-
ergieeffizienz von Siedlungen
dargestellt und verglichen wer-
den. Damit steht den politischen
EntscheidungsträgerInnen ein
Instrument zur Verfügung, das
auf plakative Weise darstellt,
welchen Einfluss unterschiedli-
che Standorte und Bebauungs-
formen einer Siedlung auf den
Energieverbrauch, den CO2-
Ausstoß und die Kosten haben
kann.
Der Energieausweis für Sied-
lungen ist als Freeware konzi-
piert (www.energieausweis-
siedlungen.at) und wird derzeit
zu einem Infrastruktur-Folge-
kostenrechner weiter ent-
wickelt. Damit soll es möglich
werden abzuschätzen, ob die
grundsätzliche Annahme: Ein
„Mehr“ an EinwohnerInnen in
einer Gemeinde führe auch zu
einem „Mehr“ an Einnahmen,
stimmt – insbesondere dann,
wenn man neben allen Kosten
für die technische Infrastruktur
auch die demografische Ent-
wicklung und die sich daraus er-
gebendenAufwände für Kinder-
gärten etc. berücksichtigt. 
www.wirtschaftundumwelt.atSEITE 12 WIRTSCHAFT & UMWELT 2/2009
POLITIK BETRIEB LEBEN
Versucht man Siedlungen
nach Gesichtspunkten der
Energie-Effizienz oder mini-
maler Erschließungskosten
zu optimieren, besteht die
Gefahr, zu unattraktiven
Straßen- und Freiräumen zu
gelangen. Bei neuen Sied-
lungen haben gerade bei
den Kosten die Grund-
stücksverkäuferInnen und
die Gemeinde das selbe In-
teresse: Möglichst wenig
Flächen als Straßen und
Wege auszuweisen. Die
GrundstückseigentümerIn-
nen wollen wenig Straßen-
flächen (kostenlos) als öf-
fentliches Gut abtreten, die
Gemeinde will wenige
Flächen herstellen und in
weiterer Folge erhalten
müssen. So ist man sehr
rasch bei einem rechtwinke-
ligen Straßensystem, mit
geringer Straßenbreite, in
dem weder Bäume ge-
pflanzt werden können,
noch Radwege oder ordent-
lich breite Gehsteige errich-
tet werden können, ganz zu
schweigen von Spiel- oder
Kommunikationsflächen.
Die Erfahrung zeigt, dass
nach relativ kurzer Zeit die
Unzufriedenheit bei den Be-
wohnerInnen rasch zu-
nimmt. Eine Verbesserung
ist dann allerdings nicht
mehr möglich. Im Gegen-
satz dazu verfolgt der Ener-
gieausweis für Siedlungen
das Ziel, die Qualität des öf-
fentlichen Raumes zu stär-
ken, damit ein Teil der Wege
entfällt, die zurückgelegt
werden, um Naherholungs-
bereiche aufzusuchen.
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E N E RG I E AU SW E I S F Ü R S I E D LUNG EN
VERBESSERTE WOHNQUALITÄT
Geschlossene Bebauung
Der Schrecken aller Häuselbauer? Viele Bei-
spiele zeigen, dass esmöglich ist, auch hier
Gebäude individuell zu errichten. Es gibt
schon Fertighäuser, die direkt an die Nach-
bargebäude angebaut werden können!
Falsch verstanden?
In Gemeinden könnenAufschließungsbeiträge
für die Errichtung der Infrastruktur eingehoben
werden. Oft werden diese nicht nach demKos-
tendeckungsprinzip berechnet, sondern als
„Gemeinde-Wohnbauförderung“ verstanden.
Störfelder
Lärm ist die am häufigsten genannte Quelle für
Störungen imWohnumfeld. Bei der Siedlungsent-
wicklung ist auf die Lärmquelle Verkehr aus über-
geordneten Straßen zu achten, so wie auf opti-
male Steuerung des selbst erzeugten Verkehrs.
        

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