Full text: Bittere Ernte (3)

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ÖkoBusinessPlanWien I
Angebot für alleWienerUnternehmen, umökologi-
sches, nachhaltigesWirtschaften zu fördern: professio-
nelle, geförderteBeratung,Rechtssicherheit, Öffent-
lichkeitsarbeit. Ziel: Reduktion vonAbfall,Wasser, Roh-
stoffen, Energie unddamitBetriebskosten.
ÖkoBusinessPlanWien II
Seit 1998haben680WienerBetriebe teilgenommenund
mehr als 10.000Umweltprojekte durchgeführt. Einge-
spartwurdenu.a. 47,1MillionenEuroBetriebskostenoder
Energie von60.000Haushalten imJahr.
www.oekobusinessplan.wien.at
SEITE 28 WIRTSCHAFT & UMWELT 3/2010 www.wirtschaftundumwelt.at
POLITIK BETRIEB LEBEN
Plans begeistert werden. Die
Agenda Wien Landstraße be-
suchte diese Unternehmen und
erstellte einen kurzen Steck-
brief und eine Fotodokumenta-
tion. Diesewurden auf derWeb-
site „Welt(en)reisen“ veröffent-
licht und über Newsletter und
Einladungskarten beworben.
Beim dritten „Runden Tisch“
im Februar 2010 wurde auch das
Projekt „Mingo Migrant Enter-
prises“ des Wiener Arbeitneh-
merInnen Förderungsfonds
(WAFF) vorgestellt. Es folgte die
Präsentation des ÖkoBusi-
nessPlan der MA22 beim Busi-
ness-Frühstück von Mingo Mi-
grant Enterprises im März 2010.
Seit Projektbeginn gelang es,
dass im 3. Bezirk drei bis
fünfUnternehmerInnenmitMig-
rationshintergrund am Öko-
BusinessPlan teilnehmen! Auch
inanderenWienerBezirken, z.B.
in Gumpendorf oder Favoriten,
haben sichmigrantischeBetriebe
zur Beratung bereit gefunden.
ERFAHRUNGEN
In Wien Landstraße wurden
sechs migrantische Unterneh-
men besucht bzw. beraten, weiß
Sandra Herschkowitz vom dor-
tigen LA 21 Agendabüro:
Schnitzel LANDMANN, Grill-
haus SAFAT, Aroma FITBAR,
Aroma Macchiato, Reisebüro
AKIN, Farbenstudio Bekter,
Supermarkt GÜVENIR oder
die Pizzeria LIVORNO.
Aber auch in anderen Bezir-
ken hat ÖkoBusinessPlan Wien
Berater Norbert Fischer Firmen
mit Migrationshintergrund an-
gesprochen und beraten, so den
Installationsbetrieb KÖSE oder
die Fahrschule EASY DRI-
VERS.Das Spektrumder Reak-
tionen reichte seinen Beobach-
tungen nach von Begeisterung
und Mitmachen bis zu großer
Vorsicht, z.B. beim Unter-
schreiben von Formularen. Teil-
weise gab es Sprach-, Schreib-
und wahrscheinlich auch Lese-
probleme. Freundlichkeit der
Interessierten sei immer gege-
ben gewesen. Einige dürften die
Hoffnung gehabt haben, durch
das Mitmachen beim Magistrat
andere Vorteile erwirken zu
können.Oft sei es schwierig, für
die Beratung im Betrieb Zeit zu
finden, weil diemeist allein ver-
antwortlichen Inhaber überlas-
tet sind, manche auf 98 Wo-
chenstunden kommen.
Jede Bürokratie ist ein Prob-
lem. Beratungsberichte sind
zumTeil zu schwierig und müs-
sen mündlich „übersetzt“ wer-
den. Der Mentalität zuträglich
wäre manchmal ein „Hand-
schlagvertrag“. Diese Erfah-
rung deckt sich auchmit der von
Clement Itamah von der Fach-
abteilung Integration und Di-
versität der StadtWien (MA17):
Die Gründung eines Unterneh-
mens ist für viele häufig die
letzte Alternative. Im Heimat-
land bestehen oft keine Rege-
lungen zur Unternehmensgrün-
dung, Steuern werden nicht ein-
gehoben etc. Das funktionie-
rende österreichische System ist
für viele UnternehmerInnen mit
Migrationshintergrund neu.
Die Betriebe, so Berater Fi-
scher, sind durchwegs sehr spar-
sam und achten auf den Ener-
gieverbrauch. Da es meist junge
Betriebe waren, ist auch die
technische Ausstattung gut bis
sehr gut. Sie sind meist gut in-
formiert und haben günstige
Handwerker. Geld für Neuin-
vestitionen gibt es nur im Aus-
nahmefall. Und trotz aller „Hür-
den“ fühlen sich die angespro-
chenen Betriebe meist aufge-
wertet und ernst genommen.
AUSBLICK
Nelin Tunc, ehemalige
Marktmanagerin vomBrunnen-
viertel/Brunnenmarkt in Wien
Ottakring, berichtet, dass viele
MigrantInnen sich Informatio-
nen zur Betriebsgründung vor
allem bei Verwandten und be-
kannten Geschäftleuten statt bei
offiziellen Beratungsstellen ho-
len. Um migrantische Ge-
schäftsleute zu aktivieren,
braucht es viel Kommunikation
und eine gute Vertrauensbasis.
Auch die MA 22 hat die Er-
fahrung gemacht, dass das
Misstrauen alteingesessener
undmigrantischerUnternehme-
rInnen oft groß ist. Viele glau-
ben erst nach einem Jahr bzw.
nach dem eigenen Erleben, dass
Einsparungen möglich sind.
Daher seien Best-Practice-Bei-
spiele und das Aufzeigen kon-
kreter Einsparungsmöglichkei-
ten von großer Bedeutung. 
AKT I ONSPROGRAMM
LOKALEAGENDA21
Ausgangspunkt für die „Lokale Agenda“war die UNO-Welt-
gipfelkonferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Ja-
neiro 1992. Dort wurde unter dem Begriff „Agenda 21“ ein
Aktionsprogramm zur Sicherstellung einer gemeinsamen
und zukunftsbeständigen Entwicklung für das 21. Jahrhun-
dert vonRegierungsvertreternaus 180Staatenunterzeich-
net. Darin werden die Regierungen aufgefordert, nationale
Programme im Sinne der Zukunftsbeständigkeit und Nach-
haltigkeit unter intensiver Einbeziehung der Öffentlichkeit
zu entwerfen. 1996unterzeichnete derWienerBürgermeis-
ter Michael Häupl die „Charta von Aalborg”, womit Wien
sich zur Umsetzung von Lokalen Agenda 21-Prozessen ver-
pflichtet. Die Lokale Agenda 21 hat zum Ziel, dass Städte
und Gemeinden gemeinsam mit den BürgerInnen Pro-
gramme und Projekte für eine zukunftsbeständige und
nachhaltige Entwicklung erarbeiten. LokaleAgenda21-Pro-
zesse setzen bei der Herstellung des notwendigen gesell-
schaftlichen Konsenses auf eine neue Beteiligungskultur,
die einen qualitativen Schritt weiter geht als bisherige Ver-
fahren der BürgerInnenbeteiligung. An die Stellemehr oder
weniger formaler Beteiligung von planungsbetroffenen
BürgerInnen tritt somit im Rahmen von Agenda-Prozessen
deren aktive Einbindung in die Entwicklung von Projekten.
www.agenda-wien3.at
        

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