Full text: infobrief eu & international - Juni 2011 (3)

2  infobrief eu & international  Ausgabe 3 | Juni 2011
   wien.arbeiterkammer.at
 
Mariann Fischer Boel, europäischen 
Agrarexportunternehmen: “Unter-
nehmen und Politik müssen enger 
zusammenarbeiten. Es ist die Politik, 
die über Handelsbarrieren verhan-
delt. Aber Sie müssen uns sagen, 
was genau wir verhandeln sollen... 
Wir müssen zusammen entscheiden, 
was wir wollen und wie wir es be-
kommen”.2
Etwa zeitgleich versprach der Direk-
tor der Generaldirektion Handel der 
EU-Kommission, David O’Sullivan, 
dem Chef von BusinessEurope, Phil-
ippe de Buck, dass “meine und Ihre 
Kollegen diskutieren, wie wir unse-
re Konsultationen und einen engen 
Informationsaustausch am besten 
organisieren können”.3 In einem 
Treffen zwischen BusinessEurope 
und KommissionsbeamtInnen wur-
de kurz darauf genauer abgespro-
chen, welchen Input die Kommission 
wünschte, welche Verhandlungstex-
te sie zugänglich machen könnte 
und wie europäische und indische 
Verbände in die Verhandlungen ein-
bezogen werden könnten.
Seitdem gab es hunderte exklusive 
Treffen zwischen Kommissionsbe-
amtInnen und VertreterInnen von 
transnationalen Konzernen sowie 
nationalen und europäischen Wirt-
schaftsverbänden. Die engsten Kon-
takte unterhält die Kommission zu 
BusinessEurope, die mindestens 
einmal monatlich zu den Verhand-
lungen mit Indien unterrichtet und 
nach ihren Interessen befragt wer-
den. Um den Druck auf die indische 
Seite zu erhöhen, fordert die Kom-
mission BusinessEurope auch direkt 
auf, aktiv zu werden. Als die indische 
Regierung Anfang 2008 ihre Konsul-
Freihandelsverhandlungen mit Indien
„ Unternehmen und 
Politik müssen enger 
zusammenarbeiten. 
Es ist die Politik, die 
über Handelsbarrie-
ren verhandelt.  
Aber Sie müssen uns 
sagen, was genau wir 
verhandeln sollen... 
Wir müssen zusam-
men entscheiden, was 
wir wollen und wie 
wir es bekommen.”  
Ex-Agrarkommissarin Mariann 
Fischer Boel während einer Konferenz 
von Agrar-Exporteuren 2007
tationen zu “sensiblen” Produkten 
begann, also Produkten, die sie in ei-
nem Abkommen mit der EU ganz oder 
teilweise von Zollsenkungen ausneh-
men wollte, schickte eine Beamtin 
der Generaldirektion Handel die Liste 
möglicher Produkte beispielsweise 
sofort an BusinessEurope.
Der politisch-industrielle Kom-
plex in Delhi n Ähnliche Prozesse 
spielen sich zwischen der EU-De-
legation in Delhi und europäischen 
Konzernen, Handelskammern und 
der European Business Group (EBG) 
ab. Letztere wurde in den 90er Jah-
ren ins Leben gerufen, um die Inte-
ressen europäischer Unternehmen in 
Indien zu fördern. Sie bringt europä-
ische Global Player zusammen, die 
auf dem indischen Markt aktiv sind, 
wie die Deutsche Bank, Airfrance, 
Alstom, Veolia und Mercedez-Benz. 
Zeitweise hatte die EBG ihr Büro in 
der EU-Delegation, der Leiter  der 
Wirtschaftsabteilung der Delegation 
ist Mitglied im EBG-Vorstand, und 
die Delegation bringt die Gruppe ins 
Spiel, wenn es darum geht, europä-
ische Unternehmen zu einer Frage 
zusammen zu bringen und Strategien 
zu entwickeln. “Wir können die EU-
Kommission in den Verhandlungen 
als unser Sprachrohr nutzen”, freute 
sich Ansgar Sickert, Hauptgeschäfts-
führer des Flughafendienstleisters 
Fraport in Indien und Mitglied der 
European Business Group in einem 
Interview.4
Daneben gibt es noch das in Delhi 
ansässige European Business and 
Technology Centre (EBTC). Es »
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„Wir können die 
EU-Kommission in 
den Verhandlungen 
als unser Sprachrohr 
nutzen.” 
Ein Mitglied der European Business 
Group in Indien
        

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