Full text: infobrief eu & international - Juni 2011 (3)

20  infobrief eu & international  Ausgabe 3 | Juni 2011
   wien.arbeiterkammer.at
 
»
Einfluss der Finanzmärkte auf Rohstoffpreise
Angebot und Nachfrage? n Der 
Weizenpreis ist stark gestiegen, ein 
Barrel Öl der Marke Brent ist so teu-
er wie schon lange nicht mehr, der 
Kupferpreis befindet sich in astrono-
mischen Höhen – kaum eine Woche 
vergeht, in der die Wirtschaftsteile 
der Tageszeitungen nicht von diesen 
Entwicklungen berichten. Die Fra-
ge nach den Ursachen für die stei-
genden Rohstoffpreise ist vermeint-
lich schnell beantwortet. Weizen sei 
aufgrund von Hamsterkäufen der 
nordafrikanischen Regierungen und 
Ernteausfällen teurer geworden, der 
Ölpreis sei aufgrund der Auseinan-
dersetzungen in Libyen und wegen 
des sinkenden Brent-Vorkommens1 
gestiegen; und schließlich reiche ein 
Blick auf die politische Lage in der 
Elfenbeinküste  aus, um den teuren 
Kakao zu erklären, so der Tenor vie-
ler WirtschaftsanalystInnen. Dass 
dieser Erklärungsansatz viel zu kurz 
greift zeigt sich, wenn man die Preis-
entwicklung im Langzeitvergleich 
und die Funktionsweise des Handels 
mit Rohstoffderivaten betrachtet. 
 
Der Rohstoffindex des Hamburgi-
schen Weltwirtschaftsinstituts zeigt, 
dass es im letzten Jahrzehnt zwei 
Preisspitzen gab. Die erste Spitze gab 
es Mitte 2008. Zeitgleich mit dem Zu-
sammenbruch von Lehman Brothers 
begann eine Talfahrt, die mit Beginn 
des Jahres 2009 endete. Seither stei-
gen die Rohstoffpreise wieder steil an 
und befinden sich mittlerweile wieder 
nahe der 2008er Hausse. Auch wenn 
es Verschiebungen in der Angebots- 
(z.B. Getreide für Treibstoffgewin-
nung) und Nachfragestruktur (z.B. 
geändertes Konsumverhalten in den 
Schwellenländern) gibt, sind diese 
Faktoren bei Weitem nicht ausrei-
chend um derartige Preisausschläge 
zu verantworten.
Effiziente Finanzmärkte? n Der 
Ausbruch der Finanzkrise, das seit-
her herrschende geringe Vertrauen 
in Finanzprodukte, Gegenparteien 
und den Immobilienmarkt, sowie 
die niedrigen Zinsen führten dazu, 
dass sich große FinanzinvestorInnen 
auf die Suche nach neuen, lukrati-
ven Anlageformen begaben. Fündig 
wurden sie auf den Rohstoffbörsen, 
wo eine konstante Nachfrage und 
potenzielle Knappheit des Angebots 
hohe und sichere Renditen verspre-
chen. Um ihr Risiko zu minimieren, 
investieren institutionelle Investo-
rInnen, wie etwa Pensionsfonds, 
nicht in einzelne Rohstoffe, sondern 
streuen ihr Kapital. Der Anstieg des 
Spekulationsvolumens ist dabei be-
achtlich: Ein Unterausschuss des 
Ursachen sprunghafter Preisanstiege  
Wie Finanzmärkte die  
Rohstoffpreise beeinflussen
Die Preisrallye an den Rohstoffbörsen der letzten Monate ließ erneut  
die Debatte um die Ursachen sprunghafter Preisanstiege bei Weizen, Öl und  
Co aufflammen. Vieles deutet darauf hin, dass knappes Angebot und eine  
höhere Nachfrage als Erklärungsmuster nur begrenzt taugen. Vielmehr treiben  
Spekulationen in großem Stil die Preise in die Höhe.  Maria Maltschnig
Auch wenn es 
Verschiebungen in 
der Angebots- und 
Nachfragestruktur 
gibt, sind diese 
Faktoren bei Weitem 
nicht ausreichend 
um derartige 
Preisausschläge zu 
verantworten.
HWWI-Rohstoffpreisindex für den Euroraum (EUR-Basis) 
Gesamtindex 2000 100
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HWWI-Rohstoffpreisindex für den Euroraum (EUR-Basis) 
Gesamtindex ohne Energierohstoffe 2000 100
Entwicklung der  
Rohstoffpreise
        

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