Full text: infobrief eu & international - Oktober 2011 (4)

16  infobrief eu & international  Ausgabe 4 | Oktober 2011 
   wien.arbeiterkammer.at
 
»
Die nächsten Schritte n Rating-
agenturen haben durch den zu frei-
giebigen Umgang mit ihren Zertifizie-
rungen die Finanzkrise mitverursacht 
und in der Folge die Staatsschulden-
krise durch intransparente Ratings 
mitunter verstärkt. Nachdem eine 
Regulierung in Europa bis Ende der 
2000er-Jahre ausblieb, gibt es nun 
in der EU seit 2009 erste Schritte 
in Richtung einer Regulierung sowie 
eine tiefer greifende Debatte. Beson-
ders zentral erscheint es, in dieser 
Debatte klarzustellen, dass Rating-
agenturen private Unternehmen sind, 
die eine Dienstleistung produzieren. 
Somit ist es essentiell, jegliche kol-
lektiven Verbindlichkeiten von diesen 
Dienstleistungen zu entfernen, also 
dafür zu sorgen, dass sich Gesetze 
und sonstige Regelwerke (Veranla-
gungsrichtlinien, etc.) nicht automa-
tisiert auf die Entscheidungen von 
Ratingagenturen stützen. Außerdem 
muss klarer werden, welche Infor-
mationen die Ratings wirklich liefern 
können und wie begrenzt ihre Aussa-
gekraft ist. Der Vorschlag der Euro-
päischen Kommission darf jedenfalls 
mit Spannung erwartet werden. 
Die Regulierung der Ratingagentu-
ren alleine reicht allerdings nicht 
aus, denn diese sind nur ein kleiner 
Teil der globalen Finanzmärkte. Die-
se gilt es in den Griff zu bekommen. 
Dazu ist vor allem die Einführung 
einer Finanztransaktionssteuer aber 
auch ganz generell die Umkehr des 
Trends zu einer immer ungleicheren 
Vermögens- und Einkommensvertei-
lung sowie die Bekämpfung der Ent-
koppelung der Finanzmärkte von den 
realen Märkten notwendig. 
Valerie Bösch n
valerie.boesch@gmail.at
Michael Heiling n AK Wien
michael.heiling@akwien.at 
Nachdem eine  
Regulierung in Europa 
bis Ende der 2000er-
Jahre ausblieb, gibt  
es nun in der EU seit  
2009 erste Schritte in 
Richtung einer Regulie-
rung sowie eine tiefer 
greifende Debatte.
Ratings in der Krise
  1)  McGraw-Hill gibt unter anderem  
BusinessWeek und AviationWeek heraus.
  2)  Insofern wäre festzuhalten, dass die –  
in der Debatte auch von manchen Seiten 
geforderte – private europäische Rating-
agentur bereits existiert, da sich eine der 
großen drei Agenturen in europäischem 
(nämlich: französischem) Mehrheitsbesitz 
befindet.
  3)  Standard & Poor‘s sowie Fitch verwenden 
zB für ein Prime-Rating (mit einem Aus-
fallsrisiko von nahe Null) die kategorische 
Bezeichnung AAA und für den Junk-Status 
(der mit einem Zahlungsausfall gleichzu-
setzten ist) die Ratingkategorie D bzw. 
DDD. Die Systematisierung von Moody’s 
weicht hier geringfügig ab, hier stellt AAA 
das beste und C das schlechteste Rating 
dar. 
  4)  Standard & Poor’s antwortete auf eine 
Anfrage des britischen House of Lords 
im Jahr 2011 wörtlich: „Some sovereign 
ratings are issued at the request of the 
sovereigns themselves which, we belie-
ve, see them as useful tools to enable 
them to access capital markets. In those 
circumstances, they are paid for by the 
sovereigns themselves. Other sovereign 
ratings, including for example the US, the 
UK and a number of other European so-
vereigns, are unsolicited. In those cases, 
S&P's ratings are issued without charge”.
  5)  Laut einem Artikel der Wochenzeitschrift 
„Trend“ vom August 2011 zahlt die Repu-
blik Österreich jährlich in etwa 500.000 
Euro für ihre Ratings.
  6)  Capital Requirements Directive; umgesetzt 
durch die Richtlinien 2006/48/EG und 
2006/49/EG, derzeit liegt dem EU-Ge-
setzgeber ein Kommissionsvorschlag zur 
Änderung der Richtlinie bzw. zur Einfüh-
rung einer Verordnung vor.
  7)  Bei Fitch sind dies zB „macroeconomic 
policies, performance and prospects, 
structural features of the economy, public 
finances, external finances”.
  8)  Grätner/Griesbach/Jung (2011)
  9)  In den USA gab es immerhin bereits seit 
den 70er Jahren ein geregeltes Registrie-
rungs- und Genehmigungsverfahren für 
Ratingagenturen.
10)  In der betreffenden Mitteilung der 
Kommission über Ratingagenturen 
(2006/59/02) heißt es wörtlich: „Die 
Kommission ist zuversichtlich, dass diese 
Richtlinien in Kombination mit der Selbst-
regulierung der Rating-Agenturen auf der 
Grundlage des neuen IOSCO-Kodexes die 
Bedenken des Europäischen Parlaments 
weitgehend ausräumen können.“
11)  Verordnung 1060/2009 des europäischen 
Parlaments und des Rates vom 16. Sep-
tember 2009 über Ratingagenturen. 
12)  Entschließung des Europäischen Parla-
ments Nr. 2010/2302 vom 8. Juni 2011 zu 
den Zukunftsperspektiven der Ratingagen-
turen.
13)  So argumentieren beispielsweise Becker/
Milbourn (2011) oder Bolton/Freixas/Sha-
piro (2010).
14)  Die Bundesarbeitskammer stellte damals 
in ihrem Beitrag zur Konsultation fest: „As 
a matter of principle, any a priori exclusive 
reliance on external ratings should be 
prohibited. Reference to external rating 
should be declared unacceptable and 
insufficient as justification of investment 
decisions made by corporate executives.”
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.