Full text: infobrief eu & international - Dezember 2013 (5)

28  infobrief eu & international  Ausgabe 5 | Dezember 2013 
   wien.arbeiterkammer.at
 
die Wahl ins Regierungsamt vorzube-
reiten. Gleichzeitig ist bekannt, dass 
Think Tanks ein zentrale Rolle bei der 
Verbreitung neoliberaler Ideen und 
Politikkonzepte spielten.5 Sowohl der 
britische Parteichef, David Cameron, 
als auch der ehemalige ODS Chef 
in Tschechien, Vaclav Claus, kennen 
zweifelsohne den Wert der Think 
Tanks für die Politik. Vaclav Claus 
nutzt deren Kanäle z.B. zur Kritik der 
Klimawandelpolitik. 
Das Netzwerk n Zum Zeitpunkt un-
serer Untersuchung (Frühjahr 2013) 
hatte die NDF dreiundzwanzig Part-
ner-Think-Tanks. Dem europäischen 
Durchschnitt folgend handelt es 
sich dabei um verhältnismäßig klei-
ne Organisationen (im Falle der NDF 
durchschnittlich 8,3 Angestellte), die 
sich insbesondere auch dadurch aus-
zeichnen, dass sie wenig transparent 
sind. Lediglich ein Think Tank - die 
Brüsseler NDF selbst - macht detail-
lierte Angaben zum Budget.
In einem ersten Schritt interessierten 
wir uns daher für die Biographien der 
MitarbeiterInnen und ein so entste-
hendes Netzwerk aus "interlocking 
directorates". Sozialwissenschaftliche 
Netzwerkforschung konnte zeigen, 
dass Aufsichtsräte wenn sie in meh-
reren Unternehmen tätig sind dazu 
tendieren ähnliche Managementkon-
zepte in diesen umzusetzen und da-
durch zu einer Angleichung der Unter-
nehmenskultur beitragen. Personelle 
Verbindungen zwischen Think Tanks 
lassen folglich erwarten, dass auf die-
ser Basis eine Koordination möglich 
wird, die den Transfer von Ideen und 
Politikkonzepten ermöglicht. Mögli-
cherweise ist der Einfluss von solchen 
hoch vernetzten Personen bei Think 
Tanks sogar größer als in Unterneh-
men, weil diese meist klein sind, über 
wenig Ressourcen verfügen und von 
einzelnen Personen stark beeinflusst 
werden können. Zudem spielen bei 
Think Tanks im Gegensatz zu Unter-
nehmen (wissenschaftliche) Beiräte 
mit direktem Einfluss auf die For-
schungsprogramme eine große Rolle. 
Berlin und Wien dominieren n 
Ein erster Blick auf ein solches NDF-
Netzwerk (Grafik II) zeigt deutlich 
die Dominanz des österreichischen 
Hayek Institutes und des deutschen 
„Instituts für unternehmerische Frei-
heit“ (vormals Berlin Manhattan Ins-
titut). Zentral in der Netzwerkmitte 
stehend haben sie als einzige Ins-
titute Verbindungen zu jeweils acht 
anderen Denkfabriken. Vergleicht 
man das mit der Karte der europä-
ischen Parlamentsfraktion ECR fällt 
auf, dass sowohl Österreich als auch 
Deutschland bislang keine Mitglieder 
des Europäischen Parlaments (MEPs) 
in der Fraktion haben. Das gilt auch 
noch für weitere zentrale Institute 
wie z.B. das rumänische „Center for 
Institutional Analysis and Develop-
ment“ oder (zum Zeitpunkt unserer 
Untersuchung) für das kroatische 
„Adriatic Institute for Public Policy“. 
Von den vierundzwanzig Instituten 
(dreiundzwanzig Mitglieder plus das 
NDF selbst) sind zwölf miteinander 
verbunden und neun bilden einen 
stärker vernetzten inneren Kern.
Wir haben es also mit einer europä-
ischen Parteistiftung zu tun, die den 
Fokus ihres Think-Tank-Netzwerkes 
in Ländern legt in denen die Partei 
keine Wählerbasis hat. Wenn wir uns 
erinnern, dass die Stiftungen ge-
gründet wurden um die Kommunika-
tion mit den BürgerInnen – also den 
WählerInnen – zu verbessern, ist 
das ein erstaunliches Ergebnis. Auch 
wenn man die Bedeutung der euro-
päischen Stiftungen und ihrer Think 
Tank Netzwerke nicht überbewerten 
darf, scheint es als ob die AECR ihre 
Stiftung verwendet um die Fühler in 
unbekanntes Terrain auszustrecken.
Hayek in der Schweiz n Ein ge-
nauerer Blick auf die Personen im 
Netzwerk zeigt zweierlei. Zum einen 
wird die NDF von einigen wenigen 
zentralen Figuren zusammengehal-
ten: lediglich neunzehn Personen ha-
ben Verbindungen zu zwei oder mehr 
Think Tanks. Der Trierer Philosophie-
professor Hardy Bouillon aber, seines 
Europa und seine Think Tanks
Wir haben es mit 
einer europäischen 
Parteistiftung zu tun, 
die den Fokus ihres 
Think-Tank-Netzwerkes 
in Ländern legt, 
in denen die Partei 
keine Wählerbasis hat. 
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Grafik I:  
Verteilung NDF Think 
Tanks und AECR MEPs.
1,2,3,4:  
   Anzahl der Think Tanks im Land
*  Think Tank scheint Tätigkeit  
eingestellt zu haben
Keine ECR MEPs im EU-Parlament
ECR MEPs im EU-Parlament
Zeichens Forschungskoordinator der 
NDF, bekleidet sogar Positionen in 
fünf Think Tanks des Netzwerkes.
Zum anderen ist unter den neunzehn 
wichtigsten Personen die Mont P?le-
rin Society sehr beliebt: zumindest 
elf sind Mitglied in dieser 1947 von 
Friedrich August von Hayek und 38 
MitstreiterInnen in der Schweiz ge-
gründete Organisation. Die Mont P?-
lerin Society kann als Sammelbecken 
(neo)liberaler AkademikerInnen (da-
runter viele Wirtschaftswissenschaft-
lerInnen) bezeichnet werden. Unter 
ihnen befinden sich alleine acht Wirt-
schaftsnobelpreisträgerInnen. Leider 
gibt es nur sehr wenige von der So-
ciety selbst veröffentlichte Informa-
tionen. Die letzten verfügbaren Mit-
gliederlisten sind von 1989, weshalb 
im Kreise der NDF Think Tank Part-
ner vermutlich noch weitere Mont
        

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