Full text: infobrief eu & international - Juni 2016 (3)

32  infobrief eu & international  Ausgabe 3 | Juni 2016 
   wien.arbeiterkammer.at
 
Rohstoffsektor: EU-Verordnung zu Konfliktmineralien
Wertschöpfungsketten 
sind im Elektronik sektor 
besonders komplex. Ein 
Smartphone enthält 
etwa bis zu 50  
verschiedene Metalle.
Steigende Nachfrage nach Roh-
stoffen und komplexe Wert-
schöpfungsketten n Die Nachfrage 
nach mineralischen Rohstoffen hat in 
den letzten beiden Jahrzehnten stark 
zugenommen. Gründe sind das star-
ke Wachstum der Schwellenländer 
sowie technologische Innovationen 
in verschiedenen Wirtschaftszwei-
gen. Wertschöpfungsketten sind in 
diesem Bereich besonders komplex. 
Ein Smartphone enthält etwa bis zu 
50 verschiedene Metalle. Der Abbau 
von Rohstoffen erfolgt nur allzu oft 
unter sehr problematischen ökologi-
schen und sozialen Bedingungen. In 
vielen Ländern werden mineralische 
Rohstoffe von KleinschürferInnen 
abgebaut und über oft intransparen-
te Wege an Unternehmen verkauft. 
Rohstoffe spielen häufig eine wich-
tige Rolle bei der Eskalation von 
Konflikten. Laut dem Heidelberger 
Institut für Internationale Konflikt-
forschung gab es allein im Jahr 2014 
96 mit Rohstoffen in Zusammenhang 
stehende Konflikte, 60% davon wa-
ren gewalttätig.1 40% aller Bürger-
kriege der letzten 60 Jahre hatten 
einen Rohstoffbezug.2 Korruption ist 
laut internationalen Indizes wie dem 
Corruption Perception Index (CPI) 
von Transparency International in 
rohstoffreichen Ländern besonders 
verbreitet; die extraktive Industrie 
wird als einer der korruptesten Be-
reiche der internationalen Wirtschaft 
gesehen.3 
In den letzten Jahren ist das öffent-
liche Bewusstsein für die Verantwor-
tung von Unternehmen für die Ge-
staltung ihrer Lieferkette gestiegen. 
Auf internationaler Ebene sind in den 
letzten Jahren zahlreiche – öffentli-
che und private – Regulierungen und 
Initiativen ins Leben gerufen worden, 
die zum Ziel haben, die Governance 
im Rohstoffsektor zu verbessern. Der 
Großteil dieser Initiativen fokussiert 
auf die Erhöhung von Transparenz 
und Rechenschaftspflicht – einer-
seits in Bezug auf Zahlungsflüsse 
zwischen Staaten und Unternehmen, 
wie etwa die Extractive Industries 
Transparency Initiative, andererseits 
hinsichtlich der Lieferkette und der 
Herkunft der Rohstoffe. Initiativen in 
diesem Bereich zielen aktuell insbe-
sondere darauf ab, dass Unterneh-
men durch ihre Rohstoffbeschaffung 
keine Konflikte fördern, also keine 
„Konfliktmineralien“ beziehen.
OECD­Leitlinien n 2011 verab-
schiedete die OECD „Leitlinien für 
Sorgfaltspflichten für Lieferketten 
von mineralischen Rohstoffen aus 
konfliktbetroffenen und stark gefähr-
deten Gebieten“. Im Zentrum dieser 
Leitlinien steht das Prinzip der „due 
diligence“, der angemessenen Sorg-
faltspflichten von Unternehmen. Je 
nach Größe müssen Unternehmen 
demnach Maßnahmen treffen, um 
Risiken entlang ihrer Wertschöp-
fungskette zu identifizieren und da-
rauf zu reagieren.
Regionale und nationale Refor-
men n Den wichtigsten Rahmen für 
regionale und nationale Reformen 
bietet die “International Conference 
on the Great Lakes Region” (ICGLR). 
2006 ist als Teil der ICGLR die “Re-
gional Initiative against the Illegal 
Exploitation of Natural Resources” 
(RINR) gegründet worden, um die 
Finanzierung von bewaffneten Kon-
flikten durch Rohstoffeinnahmen 
„No blood in my cell phone“ – Anfang der 2000er-Jahre führten Kampagnenslogans wie 
dieser einer bis dahin recht uninformierten Öffentlichkeit die Zusammenhänge zwischen 
Rohstoffen in beliebten Elektronikprodukten und gewaltsamen Konflikten vor Augen.  
40% aller Bürgerkriege der letzten 60 Jahre hatten laut Vereinten Nationen einen Rohstoffbezug.  
In der Zwischenzeit ist eine Reihe von Regulierungen zu „Konfliktmineralien“ verabschiedet worden.  
In den letzten beiden Jahren wurde auf EU-Ebene eine Verordnung zu diesem Thema verhandelt.  
Am 15. Juni 2016 wurde eine Einigung zwischen Ministerrat und EU-Parlament präsentiert. Sie lässt 
viele Fragen offen.    Karin Küblböck
EU-Verordnung zu Konfliktmineralien
Der weite Weg hin zu  
höherer Rechenschaftspflicht  
im Rohstoffsektor
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Wissen
        

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