Full text: infobrief eu & international - Oktober 2016 (4)

3  infobrief eu & international   Ausgabe 4 | Oktober 2016 
   wien.arbeiterkammer.at
 
in der EU und -0,009% in Österreich) 
kommen kann. 
Unsicherheit bei Modellergebnis-
sen n Die Auswirkungen von CETA 
auf die EU und Österreich aus dem 
ÖFSE Global Trade Model werden 
– wie bei allen Handelsmodellen – 
maßgeblich durch Parameterwerte 
bestimmt. Diese beruhen auf Schät-
zungen und sind daher immer mit 
gewissen Unsicherheiten verbunden. 
Bei CETA gilt dies vor allem für die 
Einbeziehung von NTMs, da vorab 
unklar ist, wie hoch die Handelskos-
ten durch unterschiedliche Regulie-
rungen und Standards wirklich sind, 
und um wieviel diese Kosten wirklich 
gesenkt werden können. Es ist daher 
umso wichtiger zu analysieren, wie 
sich Ergebnisse ändern sobald diese 
Parameter variiert werden.
Eine Sensitivitätsanalyse von wich-
tigen Parametern und der NTM-Kos-
tenreduktionen ergibt z.B. für Öster-
reich eine mögliche Schwankung von 
BIP-Veränderungen zwischen -0,01% 
und +0,015%. Damit ergeben sich 
auch bei Beschäftigungseffekten eine 
Schwankungsbreite von +/- 300 Voll-
zeitstellen aus NTM Veränderungen. 
In Kombination mit den leicht posi-
tiven Effekten aus Zollsenkungen für 
Österreich (+325 Jobs), ist somit eine 
Bandbreite der Beschäftigungseffekte 
von nahezu Null bis knapp 600 Voll-
zeitstellen möglich. Zudem sind für 
alle Sektoren Verluste je nach NTM-
Veränderungen möglich. Politisch be-
deutet dies, dass es entscheidend ist, 
wie und welche Standards und Nor-
men angepasst werden. Nicht jede 
Veränderung führt automatisch zu 
positiven BIP-Veränderungen, insbe-
sondere wenn man die Grenzen von 
Handelsmodellen berücksichtigt. 
Die Grenzen von Handelsmodellen 
n Unterschiede in nationalen Stan-
dards und Regulierungen werden in 
allen Handelsmodellen als Kosten und 
Hemmnis für internationalen Handel 
angesehen. Nationale Standards sind 
jedoch das Ergebnis eines Verhand-
lungsprozesses zwischen verschiede-
nen gesellschaftlichen Gruppen wie 
z.B. ArbeitnehmeInnen, Unterneh-
men, KonsumentInnen oder staatli-
chen Institutionen, welche bestimmte 
öffentliche Ziele wie z.B. den Schutz 
der öffentlichen Gesundheit zum Ziel 
haben. Dieser gesellschaftliche Nutzen 
von Regulierung kann derzeit noch 
nicht methodisch sinnvoll in den Mo-
dellen erfasst werden. Ebenso fehlen 
mögliche soziale und ökologische Kos-
ten durch Absenkung von Standards. 
Somit sind auch die oben genann-
CETA: wenig bis kein Wachstum,  
dafür aber viele Unsicherheiten
Modellergebnisse sind 
abhängig von unsiche-
ren Parametern, daher 
ist eine Sensitivitäts-
analyse nötig. 
»
»
ten CETA Ergebnisse aus dem ÖFSE 
Modell als ‚best-case‘ Szenario zu 
interpretieren, da nur die Reduktion 
ökonomischer Handelskosten, aber 
umgekehrt nicht der entgangene 
Nutzen durch allfällige Deregulierun-
gen, insbesondere  von sozialen und 
ökologischen Bestimmungen, erfasst 
werden. Im Endergebnis stehen also 
minimale wirtschaftliche Erträge aus 
CETA für die EU und Österreich  einer 
Reihe von Risiken gegenüber. Es ist 
daher unwahrscheinlich dass CETA 
zu dem großen Erfolg wird, den sich 
viele im Moment versprechen. 
Bernhard Tröster n Österreichische 
Forschungsstiftung für Internationale 
Entwicklung (ÖFSE), Wien
b.troester@oefse.at
1)  https://wien.arbeiterkammer.at/ser-
vice/studien/eu/Assess_CETA.html 
(zuletzt abgerufen 03.10.2016).
2)  Joint Study European Commission and 
Government of Canada (2008).
3)  Kirkpatrick, C. et al. (2011).
4)  Vgl. Raza et al. (2014) ASSESS_TTIP, 
http://guengl.eu/uploads/plenary-
focus-pdf/ASSESS_TTIP.pdf (zu-
letzt abgerufen 03.10.2016).  
5)  Vgl. Raza et al. (2016): Modelling the 
impacts of trade on employment and 
development: A structuralist CGE-
model for the analysis of TTIP and 
other trade agreements ÖFSE WP57.
Nachlesen
Die Studie Assess CETA  
ist abrufbar unter: 
https://wien.arbeiterkammer.at/
service/studien/eu/Assess_CETA.
html 
 VERKAUFTE 
DEMOKRATIE
September 2016
WIE DIE REGELN ZUM SCHUTZ VON INVESTOREN IN 
CETA ZU EINEM BOOM VON INVESTORENKLAGEN 
GEGEN KANADA UND DIE EU FÜHREN KÖNNTEN
CETA
DEMOKRA
TIE
Eine weitere aktuelle Pu-
blikation der AK – CETA: 
Verkaufte Demokratie 
– ist abrufbar unter: 
https://wien.arbeiter-
kammer.at/service/stu-
dien/eu/Ceta_Verkauf-
te_Demokratie.html
        

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