Full text: infobrief eu & international - Dezember 2017 (4)

Seite 2 | infobrief eu & international 4/2017
Paradise Papers: Millardenschaden für Österreich
PARADISE PAPERS OFFENBART  
MILLARDENSCHADEN FÜR ÖSTERREICH 
NEUER SKANDAL BRINGT  
ZWEIFELHAFTE STEUERPRAKTIKEN VON KONZERNEN, 
PROMIS UND REICHEN ANS TAGESLICHT
Nach wie vor gibt es viele multinationale Unternehmen,Prominente und Reiche, die über die Nut-
zung von Offshore-Konstruktionen die Zahlung von Steuern umgehen. Das zeigen Datensätze, die nun 
an die Öffentlichkeit gelangt sind und den Namen Paradise Papers tragen. Die Namen von Queen Eliz-
abeth, US-Handelsminister Ross, Popstar Bono oder des Formel 1-Weltmeisters Hamilton finden sich in 
den Unterlagen wieder. Brisant: Auch mehrere österreichische Fälle sind in den Paradise Papers doku-
mentiert. Der Schaden, der den SteuerzahlerInnen aufgrund derartiger Praktiken entsteht, ist enorm.
Neue Unterlagen zeigen Steuertricks 
von zahlreichen Promis und Konzernen
Rund 13,4 Millionen steuerlich höchst heik-
ler Dokumente wurden der Süddeutschen 
Zeitung1 zugespielt. Wie bereits im Fall der 
Panama Papers analysierten JournalistIn-
nen aus zahlreichen Ländern die Unterlagen. 
380 JournalistInnen aus 67 Ländern waren 
an den Recherchearbeiten beteiligt. In Ös-
terreich waren das Magazin Falter und der 
ORF mit der Analyse der Dokumente 2 be-
traut. Mehr als 120 PolitikerInnen aus fast 
50 Ländern finden sich in den Datensätzen 
wieder. Die Steuerstrategien von Konzernen 
wie Siemens, Bayer, Facebook, Uber oder 
Nike sind darin angeführt. 
Ein Großteil der Daten dürfte von der 
Rechtsanwaltskanzlei Appleby stammen. 
Dieses Unternehmen ist auf Offshore-Kon-
struktionen spezialisiert und hat seinen 
Sitz auf den Bermudas. Ein Teil der Daten 
stammt jedoch auch von der Treuhandfirma 
Asiacity Trust mit Sitz in Singapur sowie von 
19 weiteren Datenquellen aus Steueroasen. 
Paradise Papers-Fälle mit Österreich-Bezug
Laut dem ORF gibt es in den Paradise Pa-
pers-Akten 55 Offshore-Gesellschaften 3, 
die einen Bezug zu Österreich haben. 40 
Personen beziehungsweise 24 Unterneh-
men aus Österreich sind darin genannt. Da-
runter Banken, MilliardärInnen, Steuerbera-
terInnen und AnwältInnen. 
So hat der Rechtsanwalt Christian Haus-
maninger laut einem Bericht des Falter4 für 
einige KlientInnen Investmentfonds auf den 
Bermudas gegründet. Darunter auch ein 
Fonds mit dem Namen Alpha Prime, der für 
einige Wiener Banker, wie etwa dem ehema-
ligen Vorsitzenden der Wiener Börse Stefan 
Zapotocky, ins Leben gerufen wurde. 
Offenbar wurde diese Konstruktion lediglich 
dafür verwendet, um das Geld der Anlege-
rInnen an den nunmehr verurteilten Börsen-
makler Bernard Madoff weiterzuleiten, der 
dann für die Veranlagung dieser Mittel zu-
ständig war. Alpha Prime selbst dürfte also 
keine Investments getroffen, sondern ledig-
lich hohe Management-Gebühren verrech-
net haben. Wolfgang Flöttl, ein US-Banker 
mit österreichischen Wurzeln5 taucht eben-
falls im Paradise Papers-Datensatz auf. Er 
unterhielt in den 1990er Jahren sieben Brief-
kastenfirmen auf der Karibikinsel Aruba. Im 
Zusammenhang mit den BAWAG-Geldern, 
Von Frank Ey, 
Arbeiterkammer Wien
frank.ey@akwien.at
In den Daten-
sätzen sind 
mehr als 120 
PolitikerInnen 
aus fast 50 Län-
dern zu finden.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.