Full text: infobrief eu & international - Dezember 2017 (4)

Seite 22 | infobrief eu & international 4/2017
 n Regularisierung in der Privatwirtschaft: Es 
sollen generell prekäre Beschäftigungs-
formen zurückgedrängt werden.
 n Verkürzung Arbeitszeit: Die derzeit 2.200 
Stunden/Jahr sollen auf 1.800 Stunden/
Jahr reduziert werden.
 n Gewerkschaftsrechte und Arbeitnehmer-
mitbestimmung stärken: Unter anderem 
sollen einschlägige ILO-Übereinkommen 
ratifiziert werden. Dies entspricht auch 
einer langjährigen Forderung der EU auf 
Basis des Nachhaltigkeitskapitels im 
Handelsabkommen EU-Südkorea. Hier 
haben ÖGB und AK stets kritisiert, dass 
die Ratifikation eine Vorbedingung für den 
Abschluss des Handelsabkommens hätte 
sein müssen. Um die Bedeutung dieser 
Forderung vor dem Hintergrund der auto-
ritären südkoreanischen Menschenrechts-
standards zu untermauern, ist nur daran 
zu erinnern, dass seit 2015 der Präsident 
des Gewerkschaftsdachverbandes KCTU 
Han Sang-gyun mit weiteren AktivistInnen 
der KCTU nach einem Zwischenfall bei 
einer politischen Kundgebung inhaftiert 
ist. Ihnen wird die Tötung eines Demons-
tranten durch Wasserwerfer der Polizei(!) 
zur Last gelegt. Die Polizei wurde bis dato 
nicht belangt.
 n Einführung von Arbeiterkammern: Bis 
2022 (Ende der Amtszeit des Präsidenten 
Moon Jae-in) soll das Vorhaben verwirk-
licht werden, Arbeiterkammern nach 
österreichischem Vorbild einzuführen. 
Erwartungen an eine koreanische AK
Die treibenden Kräfte zur Einführung einer AK 
in Korea sind die FKTU (s. Kasten S. 23) und 
Teile der Minjoo-Partei. Erklärtes Ziel ist es, 
eine Arbeitnehmerorganisation zu schaffen, 
an die sich alle Beschäftigten wenden können. 
Folgende Argumente werden dazu vor-
gebracht:
 n Hohe Zahl und gleichzeitig geringer 
gewerkschaftlicher Organisationsgrad der 
irregulär bzw. prekär Beschäftigten.
 n Unorganisierte ArbeitnehmerInnen besser 
schützen.
 n Verstärkung des Trends durch Digitalisie-
rung bzw. Industrie 4.0.
 n Geringe Durchsetzung der Kollektiv-
verträge (die überwiegend betrieblich 
abgeschlossen werden), insbesondere im 
Niedriglohnsektor.
 n Rechtsberatung und gemeinsame Bil-
dungsprojekte sollten von AK gemacht 
werden (und insoweit Gewerkschaften 
entlasten). 
 n Weniger Arbeitskämpfe auf der Straße 
und mehr Lösungen im Dialog.  
Versinnbildlicht wird die koreanische AK im 
Idealfall als gemeinsames Dach der Gewerk-
schaftsbewegung.
Gegen die AK spricht sich jedoch die KCTU 
(s. Kasten S. 23) aus. Sie misstraut (auch auf 
Grundlage der koreanischen Gegebenhei-
ten) tendenziell institutionalisierten Dialogfo-
ren. Bezeichnenderweise hat sich die KCTU 
auch aus der im Zuge der Asienkrise Ende 
der 90er Jahre eingerichteten Korea Tripartite 
Commission (Forum von ArbeitnehmerInnen, 
Unternehmen und Regierung) weitgehend 
zurückgezogen. Die KCTU bringt hierfür ab-
seits grundsätzlicher Erwägungen auch das 
faktisch bestehende Machtungleichgewicht 
als Hindernis für einen Dialog auf Augen-
höhe ins Treffen. 
Südkorea plant die Einführung von Arbeiterkammern
Im Idealfall 
wäre die kore-
anische AK das 
gemeinsame 
selbstverwal-
tete Dach der 
Gewerkschafts-
bewegung.
        

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