Full text: infobrief eu & international - Dezember 2017 (4)

Seite 23 | infobrief eu & international 4/2017
Zudem steht sie auf dem Standpunkt, dass 
es der Gewerkschaft gelingen müsse, auch 
prekär Beschäftigte besser zu erreichen und 
zu organisieren.
Im Gegensatz zu seinen Vorgängern sucht 
der nunmehrige Präsident der FKTU Kim Ju-
young immerhin wieder verstärkt die Koope-
ration mit der KCTU.  
Voraussetzungen für das Gelingen 
des Vorhabens und Risiken
Es ist offensichtlich, dass eine Arbeiterkam-
mer in ein bestehendes System von indust-
riellen Beziehungen eingreifen würde; unter 
ungünstigen Rahmenbedingungen könnten 
sich daraus auch erhebliche Nachteile für 
Gewerkschaften und damit letztlich auch 
den ArbeitnehmerInnen ergeben. 
Damit AKs nach österreichischem Vorbild 
funktionieren können, müssen also eine 
Reihe an Voraussetzungen erfüllt sein. Zu 
nennen sind:
 n Starke Rolle der Gewerkschaften: Die AK 
ist funktional deren Instrument und nicht 
ein Konkurrent.
Südkorea plant die Einführung von Arbeiterkammern
Lage der südkoreanischen Gewerkschaften
In Südkorea gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn und keine flächendeckenden 
Kollektivverträge. Gewerkschaftlich ist das Land in erster Linie in Form von Be-
triebsgewerkschaften organisiert. Teilweise gibt es auch Konzerngewerkschaften 
(z.B. Hyundai). Sie bilden rund 50 Verbände nach Industriebranchen (mit wenig 
operativen Kompetenzen) und sind in aller Regel zwei nationalen Dachverbänden 
zugeordnet: 
 n der tendenziell dialogorientierten FKTU  
(Federation of Korean Trade Unions), und
 n der tendenziell kampforientierten KCTU  
(Korean Confederation of Trade Unions). 
Beide Dachverbände sind Mitglieder im IGB. Die FKTU ist traditionell regierungs-
nah und diente in Zeiten der Diktatur auch als Hebel der Machthaber. Die KCTU 
entstand in den 80er Jahren in der Illegalität und erhielt erst 1995 im Zuge der 
Demokratisierung formale rechtliche Anerkennung. Sie kann stärker als die FKTU 
in der Mobilisierung punkten. 
Insgesamt beträgt der Organisationsgrad beider Dachverbände zusammen je-
doch nur rund 10% (FKTU 6%, KCTU 4%). Während die FKTU stärker bei KMUs 
organisiert ist, sind Großunternehmen eher von der KCTU organisiert.
Das klassische Gewerkschaftsmitglied ist männlich (zu 80%) und regulär vollbe-
schäftigt. Nur 2% der prekär bzw. irregulär Beschäftigten sind gewerkschaftlich 
organisiert. Sie erhalten oft nur rund 50% des zustehenden Lohns. 
(Zahlen beruhen auf Auskünften von Prof. Lee Won-bo/Korea Labour & Society Institute, 17. 7. 2017).
        

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