Full text: Ältere im Betrieb (1)

6Häufig zu konstatieren ist auch Angst vor Veränderungen. Diese muss ernst genommen und die Unternehmensziele müssen klar kommuniziert werden. Eine Möglichkeit der Belastungsreduktion besteht in der Verkürzung der täglichen Dienstdauer. Im Kaiser-Elisabeth-Spital in Wien wurde beispielsweise im Rahmen eines Projekts die Schicht von 12,5 Stunden auf 8 bis 10 Stunden gesenkt. Allerdings wurde diese Reduktion von den jungen PflegerInnen deswegen nicht gut angenommen, weil sie mit der Organisation des Privatlebens kollidierte. Auf einer freiwilligen Basis werden die verkürzten Dienste aber doch von etwa 20% genützt. Die Freiwilligkeit der Nachtdienste und die Wahlmöglichkeit bezüglich verkürzter Dienste bedeutet Handlungsspielraum und Anerkennung und bringt schon dadurch eine Stressminderung. Die unterschied- lichen Arbeitszeitinteressen während eines Berufslebens oder innerhalb eines Teams erfordern ein breites Angebot an möglichen Arbeitszeitformen, welches auf die Prä- ferenzen des jeweiligen Lebenszusammenhangs Rücksicht nimmt. Bei der hohen Belastung durch intensiven Kundenkontakt kann ein betriebliches Fortbildungskonzept hinsichtlich Persönlichkeitsentwicklung, Stressmanagement etc eine weitere Möglichkeit der Einflussnahme auf die Stressfaktoren darstellen. Das Hauptproblem älterer Arbeiter im Fahrzeugbau besteht in der fachlichen Unter- forderung, weil vorhandenes Wissen und Können nicht voll ausgeschöpft werden. Nicht zuletzt daraus resultiert ein Gefühl der Ersetzbarkeit und Diskriminierung, das durch den verstärkten Einsatz von Leiharbeit noch forciert wird. Hier würden sich Maßnahmen empfehlen, die das Wissen und die Erfahrung Älterer ver- stärkt zur Geltung bringen. Bei der Elektronik-/Elektrotechnikbranche handelt es sich um einen Wirtschaftsbereich, in dem der technologische Wandel am raschesten durchschlägt. Damit einher gehen permanent neue fachliche Anforderungen, denen Ältere nur begegnen können, wenn ihnen auch entsprechende Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten angeboten wer- den. Genau das ist aber in dieser Branche eine Schwachstelle: Gesetzt wird auf die Jugend! Maßnahmen könnten sich an einem Modell (Projekt LIFE) orientieren, das sich in der Voestalpine AG bewährt hat. Dort wurde die Altersgrenze für interne Karriereplanung aufgehoben und es können 2% der Arbeitszeit (33 Stunden im Jahr) für Aus- und Weiterbildung genutzt werden. Die Hauptschwierigkeit im Pharmabereich ist die hohe Arbeitsverdichtung (Stress und Zeitdruck) die dazu führt, dass selbst über 45jährige Frauen, die die intensivste Kinderbetreuungsphase mehrheitlich bereits hinter sich haben sollten, Beruf und Familie nur schlecht vereinbaren können. Weiters ist damit zu rechnen, dass es zu Burn-Outs kommen wird – oder bereits gekommen ist –, mit allen psychischen und physischen Begleiterscheinungen. Maßnahmen müssen hier vor allem auf die Arbeitsentdichtung (Überstunden) zielen. • • • StudieEinzelseiten 27.07.2006 9:00 Uhr Seite 6

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