Volltext: Ältere im Betrieb (1)

7Abschließend noch kurz zu zwei branchenübergreifenden Problemschwerpunkten: Die Zunahme von Stress und Zeitdruck ist das bestimmende Merkmal des Erwerbslebens geworden, selbst wenn es je nach Tätigkeitsfeld und Branche Unterschiede gibt. Noch lässt sich nicht genau sagen, was die langfristigen Auswirkungen dieser Belastungen sein werden. Eines jedoch lässt sich sehr wohl schon feststellen: Immer häufiger müssen Menschen auf- grund von psychischen Erkrankungen in Invaliditätspension gehen. Es ist anzunehmen, dass dieser Trend bei der derzeitigen Dynamik der Arbeitswelt anhalten wird. Das zweite Problemfeld ist der Kostendruck, der auf Älteren lastet, vor allem, wenn sie sich leicht ersetzbar wähnen (Fahrzeugbau, Elektro-/Elektronik, Bauwesen). Gegenwärtig gibt es Bestrebungen, durch eine Abflachung der Lohnkurve und eine Lohnnebenkostensenkung die Beschäftigung Älterer attraktiver zu machen. Nicht verschwiegen werden soll allerdings, dass es gerade beim letzteren Punkt zu paradoxen Effekten kommen kann. Nach einer Modell- rechung des Wirtschaftsforschungsinstituts hätte eine Lohnnebenkostensenkung für Ältere (keine Arbeitslosenversicherungsbeiträge usw.) zwar einen mittleren Beschäftigungseffekt von 800 bis 1.800 zusätzlichen Beschäftigten, der Einnahmeentfall für die Sozialtöpfe würde allerdings nach Berechungen der Arbeiterkammer 153 Mio. Euro betragen. Umgelegt auf den Beschäftigungseffekt müssten damit dreimal so viele Mittel eingesetzt werden wie üblicherweise für eine Arbeitskraft in Österreich aufgewendet werden! Auch lassen die bisherigen Erfahrungen mit „flachen Lohnkurven“ nicht gerade hohe Beschäftigungsimpulse erwarten: Ältere Arbeiter im Bauwesen unterliegen bereits derartigen Einkommensentwicklungen. Trotzdem sind ihre Beschäftigungschancen nicht besser als jene von älteren Angestellten. Wie kann nun die Beschäftigungsquote Älterer in Österreich merklich angehoben werden? Orientiert an dem Erfolgsmodell von Finnland empfiehlt es sich zunächst einmal, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wo überhaupt die Problemschwerpunkte liegen. Dazu kann die vorliegende Studie einen wichtigen Beitrag liefern. Zweitens sollten konkrete Maßnahmen eines betriebsbezogenen Altersmanagements, bezogen auf Arbeitszeit, Gesundheit, Tätigkeitsprofile, Qualifizierung u.ä. Modelle liefern, die unter Umständen auf andere Bereiche übertragbar sind und gegebenenfalls auf Gesetzes- und Kollektivvertragsebene ihren Niederschlag finden könnten. Denn die Rahmenbedingungen sind zu unterschiedlich, als dass sich „am Reißbrett“ eine umfassend zufrieden stellende Beschäftigungspolitik für Ältere entwickeln ließe. Eine signifikante Verbesserung der Beschäftigungschancen Älterer ist aber untrennbar mit der allgemeinen Arbeitsmarktpolitik verbunden. Nur dann gehen die positiven Maßnahmen- Effekte für die eine Gruppe nicht zu Lasten einer anderen, zum Beispiel der Jüngeren. Eine aktive Arbeitsmarktpolitik für Ältere muss daher eingebettet sein in eine beschäftigungs- fördernde und -schaffende Gesamtpolitik sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene. StudieEinzelseiten 27.07.2006 9:00 Uhr Seite 7

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