Full text: Gender budgeting in Europa (99)

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satzes in die theoretisch-feministische Diskussion; einer Analyse der Möglichkeiten aber auch 
Grenzen von GB-Analysen; einem Ausloten des GB im Hinblick auf die Funktion eines neuen femi-
nistischen Politikansatzes. Darüber hinaus wurden zum ersten Mal für Österreich Bundesbudget-
ausgaben einer Gender Budgeting-Analyse unterzogen: die Bildungsausgaben, die Förderungen 
von expliziten Frauenorganisationen und die Ausgaben für die aktive Arbeitsmarktpolitik wurden auf 
ihre direkten und indirekten Wirkungen hin untersucht. Im letzten Teil des Buches sind Ansatzpunk-
te erarbeitet, wie in Österreich das Gender Budgeting auf den Weg zu bringen ist.  
II Zielgruppe: Die Zielgruppe des Buches sind interessierte Frauen und Männer aus Verwaltung, 
Wissenschaft, Politik und Praxis. Ihnen wird sowohl eine Einführung in die Thematik gegeben, die 
politische Notwendigkeit des Ansatzes vor Augen geführt und erste Schritte in Richtung Gender 
Budgeting gegeben. Jedenfalls ist das Buch eine Aufforderung an politische Entscheidungsträge-
rInnen, sich aktiv um die Geldflüsse im jeweiligen politischen Kontext zu kümmern und Gender 
Budgeting als Instrument der aktiven Einmischung und Mitgestaltung zu verstehen.  
III Analyseergebnisse: Neben den exemplarischen Analysen (Bildungsausgaben etc.) wird im 
Buch folgendes gezeigt:  
? Budgets sind keine neutralen Werkzeuge sondern Budgets sind in Zahlen gegossene 
Gesellschaftspolitik. Dadurch ist die Mit- bzw. Umgestaltung öffentlicher Budgets zentra-
ler Bestandteil von Gleichstellungspolitik.  
? Gender Budgeting ist keine technische Übung des Zahlensammelns und Auswertens. 
Gender Budgeting braucht klare gesellschaftspolitische Zielsetzungen um als emanzipa-
torisches Instrument eingesetzt werden zu können.  
? Gesellschaftliche Veränderungen brauchen aber nicht nur andere Schwerpunktsetzun-
gen im Budget sonder auch andere – demokratische – Budgeterstellungsprozesse.  
? Gesellschaftspolitische Veränderungen im Sinne einer verteilungsgerechteren Gesell-
schaft (Verteilung von Ressourcen, Zeit, Macht, Verantwortung, Chancen) sind mit einer 
Neudefinition der Aufgabenerfüllung durch die Öffentliche Hand verbunden. Eine Reduk-
tion an öffentlichen Gütern und Dienstleistungen, führt zu einer Mehrbelastung der Leis-
tungserstellung im Haushaltskontext (unbezahlte Reproduktionsarbeit zu lasten von 
Frauen).  
? Zivilgesellschaftliche Gender Budgeting Initiativen zielen auf eine Neupositionierung der 
Staatsaufgaben und damit der Staateinnahmen und Staatsausgabenseite ab. Dies geht 
einher mit einer Transformation des Staates im Sinne einer stärkeren demokratischen 
Mitgestaltung von Frauen unter anderem bei der Zielsetzung und Strukturierung von 
Staatseinnahmen und der Verwendung von Staatsausgaben, sowie beim Zugang zu - 
und der Kontrolle von öffentlichen Budgets. 
IV. Einschätzung  
? Das Buch bietet eine Einführung und Hinführung zum Thema Gender Budgeting, seinen 
Möglichkeiten und Grenzen und seiner makroökonomischen Einbettung.  
? Weiters enthält es wichtige theoretische Grundlagen. Es zeigt auf, dass es aus feministi-
scher Sicht eine Erweiterung des ökonomischen Denkens auf jene Zusammenhänge 
braucht, die nicht über bezahlte Märkte stattfinden. Es braucht eine Integration jener Be-
reiche, die als Rahmenbedingung bzw. Voraussetzung für unser marktwirtschaftliches 
System dienen.  
? Im Buch sind auch die Grenzen von Gender Budgeting aufgezeigt, Grenzen der gesell-
schaftlichen Veränderungen über Gender-Budgets. Ausgehend von der These, dass 
Staatenbildung ein Produkt der Kriegsführung ist (Michalitsch, 2001), stoßen institutio-
        

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