Full text: Agrotreibstoffe - Lösung oder Problem? (183)

A G R O T R E I B S T O F F E  –  L Ö S U N G  O D E R  P R O B L E M ?  
16    I n f o r m a t i o n e n  z u r  U m w e l t p o l i t i k  
Brainbows, 2007; Thrän et al., 2006; EEA, 2006; Henze und Zeddies, 2007; Kletzan et al., 
2008). Gemäß dieser Studien können zwischen 2010 und 2020 Flächen im Umfang von 
79.000 bis 817.700 Hektar mobilisiert werden. Die höchste Einschätzung nehmen Thrän et 
al. (2006) vor, deren Ergebnis vor allem durch starke Steigerungen der Flächenproduktivi-
tät und Änderung der Fruchtfolge in Richtung Masseerträge zu erklären ist. In den Szenari-
en von Brainbows (2007) ist berücksichtigt, dass aufgrund der hohen Kosten die Ausdeh-
nung der Biomasseproduktion auf Grünlandflächen nur sehr schwer möglich ist. Weiters 
wurde berücksichtigt, dass die landwirtschaftliche Fläche insgesamt abnehmen dürfte. 
Verglichen mit dem Ausmaß der derzeit genutzten Flächen, sind die ausgewiesenen Po-
tentiale im Umfang bis zu 456.000 Hektar aber ebenfalls beträchtlich. Gemäß EEA (2006) 
können in Österreich maximal 266.000 Hektar zusätzliche Fläche für die Produktion von 
Energie auf Basis landwirtschaftlicher Biomasse mobilisiert werden. Alle Studien gehen 
davon aus, dass die Verpflichtung zur Stilllegung von Flächen als agrarpolitische Maßnah-
me abgeschafft wird. Dies entspricht der Zielstellung der Gemeinsamen Agrarpolitik im 
Rahmen der aktuell behandelten "Gesundheitsüberprüfung" der Reform des Jahres 2003. 
Werden neben der vermehrten Nutzung der Flächen für die Produktion von Biomasse zu 
energetischen Zwecken auch die Potentiale bisher nicht genutzter Biomasse (z. B. Stroh) 
mobilisiert oder die Verluste verringert (z. B. energetische Nutzung von Schlachtabfällen), 
so können gemäß Schätzungen der Task-Force "Potential Landwirtschaft" 80 PJ an Ener-
gie aus der Landwirtschaft bis zum Jahr 2020 verfügbar gemacht werden (BMLFUW, 
2007). Der Anteil für den Transport (also Dieselersatztreibstoff auf Pflanzenbasis und 
Ethanol aus Getreide, Mais und Zuckerrübe) beträgt etwa ein Viertel (19 PJ), der überwie-
gende Rest des Potentials stammt von Energiepflanzen (40 PJ) und Stroh (17,5 PJ), wobei 
angenommen wird, dass hievon ein Viertel thermisch verwertet werden kann. 
In der Studie von Kletzan et al. (2008) wird das ökonomische Potential des zusätzlichen 
Biomasseaufkommens in der österreichischen Land- und Forstwirtschaft analysiert. Die 
Autoren zeigen, dass das prinzipiell technisch vorhandene Potential nicht zur Gänze bzw. 
nur unter erheblichem finanziellen Aufwand genutzt werden kann. Dafür sind in erster Linie 
die Opportunitätskosten verantwortlich, da alternative Nutzungen und Bewirtschaftungsin-
tensitäten eingeschränkt werden müssen, um Ausweitungen der energetischen Nutzung zu 
ermöglichen. Sie zeigen auch sehr deutlich, dass es zu einer Verschärfung von Zielkonflik-
ten – zwischen der Versorgungssicherheit von Lebens- und Futtermittel und Energie sowie 
der Umweltbeeinträchtigungen und den Naturschutz – kommen kann. 
 
Schlussfolgerungen 
Bereits heute wird eine bedeutende Menge Energie aus Biomasse gewonnen. Die wich-
tigsten Verwertungsketten sind die thermische Nutzung von Holz, die Stromproduktion in 
Biogasanlagen auf der Basis von Mais- und Grassilagen und Gülle, sowie die Nutzung von 
ölhältigen und stärkehältigen Körnern zur Produktion von Treibstoffen aus biogenen Roh-
stoffen. Um den Einsatz von biogenen Rohstoffen in der Produktion von Strom und Treib-
        

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