Full text: Bildungsschranken aktiv überwinden

107 befindliche Vater einer Gesprächspartnerin, in seinem Leben eine gravierende Fehlentscheidung getroffen zu haben. Als Jugendlicher habe er die Möglichkeit gehabt, bei einer Mineralölfirma eine Lehre zu machen. Er hat dieses Angebot abgelehnt, weil er damals Geld verdienen wollte. Er kommt aus einer Familie mit sieben Geschwistern und wollte sich so schnell wie möglich finanziell unabhängig machen und hat daher als Hilfsarbeiter angefangen zu arbeiten, was er Zeit seines Lebens geblieben ist. Er beneidet einen Kollegen, mit dem er in die Volksschule gegangen ist und der, im Gegensatz zu ihm, nicht in die Hauptschule wechselte, sondern in der Volksschule geblieben ist, weil er nicht der beste Schüler war. Dieser Schulfreund hat jedoch nach der Schulpflicht weiter die Handelsschule besucht, arbeitete danach in einer Bank und hat es mit zusätzlichen Ausbildungen geschafft, Bankdirektor zu werden. Eine gute Ausbildung schafft bessere Chancen. Das war gestern so, ist heute so und wird, ohne hier eine gewagte Prognose abgeben zu müssen, auch morgen so sein. Einem 20jährigen Flüchtling, der vor fünf Jahren nach Österreich gelangte, ist dieser Zusammenhang voll bewusst. Er freut sich eine Lehrstelle gefunden zu haben und bereitet sich auf die Prüfungen in der Berufsschule gewissenhaft vor. Die Ausbildung gefällt ihm in der Praxis und Theorie. 2012 wird er die Ausbildung abgeschlossen haben. „Meine Freunde“, so erzählt er, „machen keine Berufsausbildung, sie übernehmen Gelegenheitsarbeiten und verdienen dabei oft über eintausend € im Monat. Ich verdiene nur 240 €, aber das ist mir lieber, weil es für mich wichtig ist, eine gute Basis zu schaffen. Ich lebe alleine hier in Österreich, habe keine Familie, die mich unterstützt.“ Mit Gelegenheitsarbeiten könnte dieser junge Mann kurzfristig mehr Geld verdienen, ihm ist aber die berufliche Ausbildung sehr wichtig, weil er weiß, damit längerfristig bessere Möglichkeiten am Arbeitsmarkt zu haben. Alle von mir befragten Lehrlinge stellen ihre jeweilige Berufsausbildung an die erste Stelle, obwohl nicht wenige darüber klagen, mit einer niedrigen Lehrlingsentschädigung das Auslangen finden zu müssen.

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