Full text: Der Wert der Arbeit (11)

Arbeit&Wirtschaft 11/2010 Gesellschaftspolitik
45
©
 M
ar
ku
s 
Za
hr
ad
ni
k
Staaten, die die Bedürfnisse des österrei-
chischen Arbeitsmarkts erfüllen, zur Ver-
fügung stehen soll.
Chancen durch Zuwanderung
Als zweite Gruppe, die Anspruch auf die 
Card hat, sollen nach Vorstellung der So-
zialpartner Qualifizierte bzw. Facharbeiter 
Innenaus Drittstaaten zuwandern dürfen. 
Durch Zuwanderung ergeben sich vielfäl-
tige Chancen. 
Höher qualifizierte Zuwanderung 
steigert das Wirtschaftswachstum und 
damit den Wohlstand in Österreich. 
 Migration kurbelt den Export an, Zuge-
wanderte leisten in ihrem Zielland einen 
wesentlichen Beitrag zur Exportsteige-
rung. ZuwandererInnen verfügen über 
andere Sichtweisen und Erfahrungen, 
Betriebe können dieses Potenzial nutzen. 
MigrantInnen sind eine wichtige Kraft 
im Wirtschaftsleben: In Wien hat bereits 
ein Drittel der UnternehmerInnen 
 Migrationshintergrund, zum Teil sind 
MigrantInnen selbst ArbeitgeberInnen 
und haben dadurch weitere Arbeitsplätze 
in Österreich geschaffen. 
Über diese Gruppen und die als Sai-
sonarbeiterInnen beschäftigten Menschen 
hinaus, soll es nach Vorstellung der Sozi-
alpartner keine zusätzliche Immigration 
aus Drittstaaten geben, sagte AK-Präsident 
Herbert Tumpel bei der Paketpräsentation 
in Bad Ischl.
Es geht aber nicht nur um den Neu-
zuzug, sondern vor allem auch um Inte-
gration. Ein umfassendes Migrations- und 
Integrationskonzept, das Menschen von 
Beginn an Unterstützung und Begleitung 
anbietet, und die möglichst weitgehende 
Nutzung der Potenziale von Personen mit 
Migrationshintergrund sind mitentschei-
dend für die weitere soziale und ökono-
mische Entwicklung Österreichs. Die So-
zialpartner konzentrieren sich vor allem 
auf die strukturelle Integration in den Be-
reichen Bildung, Arbeit, Recht, Wohnen, 
soziale Sicherung, Partizipation. Das heißt 
konkret, dass das Bildungssystem so um-
gebaut werden muss, dass die Chancen der 
Menschen mit Migrationshintergrund er-
höht werden – also Durchlässigkeit, Chan-
cengleichheit, Barrierenabbau. Das Erler-
nen der deutschen Sprache ist Grundvo-
raussetzung für den Arbeitsmarkt einstieg. 
Die vom AMS sowie im Rahmen der In-
tegrationsvereinbarung angebotenen 
Deutschkurse sollten Arbeitsmarktbezug 
haben. 
Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen 
sollen stärker auf die Bedürfnisse von Per-
sonen mit Migrationshintergrund zuge-
schnitten werden, ihre spezifische Aus-
gangslage auf dem heimischen Arbeits-
markt sollte in den operativen Zielen des 
AMS berücksichtigt werden. Jene beruf-
lichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die 
im Ausland erworben wurden, müssen in 
Österreich besser verwertbar und aner-
kannt werden.
Zukunftsorientiertes Bildungssystem
Bei der »Rot-Weiß-Rot-Card«, die ab 2012 
geplant ist, ist es dem ÖGB besonders 
wichtig, dass es nicht nur ein kriterien-, 
sondern ein bedarfsgeleitetes System der 
Zuwanderung geben soll. »Der Bedarf 
muss sich nach dem Arbeitsmarkt richten 
und wird von den Sozialpartnern gemein-
sam festgelegt«, so Foglar. 
Die Sozialpartner machen sich aber 
natürlich auch dann Gedanken über 
 Zukunftsthemen, wenn sie nicht von der 
 Regierung dazu aufgefordert werden. 
Zum Abschluss des Sozialpartnerdialogs 
plädierten sie dafür, dass die Bundes-
regierung mit ihnen gemeinsam kon -
krete Vorschläge für ein ganzheitliches, 
vernetztes und zukunfts orientiertes Bil-
dungssystem erarbeitet und rasch um-
setzt.
 »Nach der Erstellung des Budgets 2011 
muss es zu  Beginn des kommenden Jahres 
rasch darum gehen, sich mit den wesent-
lichen  Zukunftsfragen zu befassen«, appel-
lierten die Sozialpartner-Präsidenten: »Um 
die wichtigen Herausforderungen der 
kommenden Jahre meistern zu können, 
brauchen wir vor allem ein ganzheitliches, 
zukunftsorientiertes Bildungssystem, das 
Kindergärten, Schule, Universitäten, 
Fachhochschulen und lebenslanges Lernen 
 (Erwachsenenbildung) umfasst.«
W e b l i n k
Bad Ischler Dialog 2010 – »Wachstum – 
Beschäftigung – Integration«:
www.sozialpartner.at
k o n t a k t
Schreiben Sie Ihre Meinung  
an den Autor
florian.kraeftner@oegb.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Die sogenannte Rot-Weiß-Rot-Card soll 
 höchstqualifizierten Personen bzw.  
AkademikerInnen aus Nicht-EU-Staaten  
zur Verfügung stehen, die die Bedürfnisse  
des österreichischen Arbeitsmarkts erfüllen.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.