Full text: Europa der Generationen (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2012 35Schwerpunkt
und BeitragszahlerInnen im gleichen 
Ausmaß verschlechtern wird (müssen). 
Hier werden aber Äpfel mit Birnen ver-
mengt, was sich mit dem in der AK Wien 
entwickelten „Abhängigkeitsquoten-
Rechner“ sehr gut darstellen lässt (siehe 
Türk/Wöss in A&W 10/2011). 
Einer der verbreitetsten Fehler ist die 
Gleichsetzung von „im Erwerbsalter“ 
und „erwerbstätig“. Circa ein Drittel der 
Menschen im Erwerbsalter sind derzeit 
in Österreich nicht in Erwerbsarbeit. Das 
allein macht schon klar, dass der Anstieg 
der Pensionsquote (Verhältnis Pensionis-
tInnen/BeitragszahlerInnen) mit mehr 
und besseren Arbeitsplätzen massiv ge-
dämpft und damit ein Gutteil des demo-
grafisch bedingten Kostenanstiegs abge-
fangen werden könnte. 
Perspektiven der Alterssicherung 
Wie alle anderen sozialstaatlichen Rege-
lungen muss selbstverständlich auch die 
gesetzliche Pensionsversicherung den neu-
en Herausforderungen entsprechend wei-
terentwickelt werden. Sehr vieles ist bereits 
geschehen, anderes ist noch zu tun, z. B. 
die bessere soziale Abfederung unterbro-
chener Erwerbsverläufe zur Verbesserung 
des Leistungsniveaus vor allem bei vielen 
Frauen. Hauptsächlich muss aber auf den 
wirtschaftlichen Rahmen für eine gute Al-
terssicherung geachtet werden. Es geht da-
bei um Abbau der Arbeitslosigkeit, besse-
re Arbeitschancen für die Jugend, leichtere 
Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bes-
seren Gesundheitsschutz und wirksamere 
Invaliditäts-Prävention, Schaffung alterns-
gerechter Arbeitsplätze, faire Verteilung 
des erarbeiteten Wohlstands etc. 
Deutlich besser als oft behauptet sind 
die Finanzierungsperspektiven der öffent-
lichen Alterssicherung. Die Langzeitpro-
jektionen machen deutlich, wie überzogen 
viele Darstellungen sind. In der Tabelle 
„Vorausschätzung der öffentlichen Pensi-
onsausgaben in Österreich“ finden sich 
die aktuellsten Gesamtrechnungen.
Die Werte zeigen, dass in der gesetz-
lichen Pensionsversicherung mit einem 
beträchtlichen Anstieg, parallel dazu aber 
bei den Beamtenpensionen mit einem 
deutlichen Rückgang des erforderlichen 
BIP-Anteils gerechnet wird. Die Kosten-
verschiebung zwischen Pensionsversiche-
rung und Beamtenversorgung ergibt sich 
vor allem aus den vielen Ausgliederungen 
aus dem öffentlichen Dienst und aus der 
reduzierten Zahl der Pragmatisierungen. 
Eine beträchtliche Kostensenkung bei der 
Beamtenversorgung entsteht darüber hi-
naus durch die langfristige Absenkung des 
Niveaus der Beamtenpensionen auf 
ASVG-Niveau. 
Zu beachten ist, dass diese Prognose-
rechnungen unter der Annahme erstellt 
wurden, dass in den kommenden Jahren 
und Jahrzehnten keine Rechtsänderungen 
vorgenommen werden (Leistungsrecht, 
gesetzliches Pensionsalter, Beitragssätze 
etc. unverändert). Einkalkuliert ist ledig-
lich das Wirksamwerden bereits beschlos-
sener Rechtsänderungen wie z. B. Anhe-
bung des „Regelpensionsalters“ der Frauen 
von 60 auf 65 ab dem Jahr 2023. 
Weiters zu berücksichtigen ist, dass die 
Abschätzung der Kostenentwicklung auf 
Basis sehr vorsichtiger (pessimistischer) 
Wirtschafts- und Arbeitsmarktannahmen 
durchgeführt wurde. So liegt z. B. die von 
der österreichischen Regierung für das 
Jahr 2020 angepeilte Beschäftigungsquo-
te höher als die in den Ausgabenprogno-
sen angenommene Beschäftigungsquote 
für das Jahr 2050! 
Pensionsansprüche finanzierbar
Eine nüchterne und unvoreingenom-
mene Betrachtung zeigt, dass die immer 
wieder auftauchende Behauptung der 
künftigen Unfinanzierbarkeit der gesetz-
lichen Pensionsansprüche keine sachliche 
Fundierung aufweist. 
Klar ist, dass eine hochwertige Alters-
sicherung viel Geld kostet und dass bei 
einem massiv steigenden Altenanteil an 
der Gesamtbevölkerung in Zukunft mit 
einem etwas höheren BIP-Anteil gerech-
net werden muss. Wer die neuerdings in 
Mode geratene „Generationengerechtig-
keit“ ernst nimmt, wird zu keinem ande-
ren Ergebnis kommen können. Die Per-
spektiven der öffentlichen Alterssiche-
rung in Österreich sind jedenfalls deutlich 
besser, als uns viele weismachen wollen. 
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an den Autor
josef.woess@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
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Sehr häufig wird aus dem steigenden Altenan-
teil abgeleitet, dass sich das Verhältnis zwi-
schen PensionistInnen und Beitragszahle-
rInnen im gleichen Ausmaß verschlechtern 
wird (müssen). Hier werden aber Äpfel mit 
 Birnen vermengt, was sich mit dem in der AK 
Wien entwickelten „Abhängigkeitsquoten-
Rechner“ sehr gut darstellen lässt.
        

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