Full text: Haben wir eine Wahl? (10)

Arbeit&Wirtschaft 10/201246 Man kann nicht alles wissen
Adler, Viktor: österreichischer Politiker (1852–
1918), ursprünglich als Armenarzt tätig, vereinte 
er 1889 die unterschiedlichen Strömungen der 
 Arbeiterbewegung durch die Gründung der Sozial-
demokratischen Arbeiterpartei. Sein Bestreben war, 
die Radikalen einzubinden, um Revolten und blu-
tige Auseinandersetzungen auf dem Weg von der 
Monarchie zur Demokratie zu verhindern. Wenige 
Wochen vor seinem Tod wurde der bereits schwer 
herzkranke Adler Außenminister und trat für den 
Anschluss Deutschösterreichs an das Deutsche 
Reich ein. (Seite 26)
Alert, engl., sprich elört: Einsatz(bereitschaft), 
Alarm (Seite 24)
Böhm, Johann: österreichischer Gewerkschafts-
funktionär und SP-Politiker (1886–1959), 1927–30 
Gemeinderat, danach bis 1934 Nationalrat. Böhm 
war 1945 einer der Gründer des überparteilichen 
ÖGB, dessen Präsident er bis 1959 war. Außerdem 
war er einer der Hauptinitiatoren der Sozialpartner-
schaft. (Seite 14)
British National Party: rechtsextreme Partei in 
Großbritannien, gegründet 1982 durch Abspaltung 
von der National Front. Schwerpunkt ihres Partei-
programms ist die Forderung nach Rückführung 
aller nicht-weißen Immigranten in ihre Heimat-
länder. (Seite 34)
Crouch, Colin: britischer Politikwissenschaftler 
und Soziologe, geb. 1944. Er wurde international 
bekannt mit seinem Werk „Postdemokratie“, in dem 
er unter anderem Wahlen mehr als von Wirtschafts-
bossen mit Unterstützung von PR-Experten veran-
staltete Shows denn als echte Willenskund gebung 
der Bevölkerungsmehrheit bezeichnete. (Seite 19)
Euripides: antiker griechischer Dichter (485–406 
v. Chr.). Er integrierte in seine Tragödien die Ideen 
der damaligen griechischen Aufklärung; Werke: 
Medea, Andromache, Elektra, Iphigenie in Aulis etc. 
(Seite 18)
Fiske, John: britischer Medien- und Kulturwissen-
schafter, geb. 1939, der sich besonders mit den 
Bereichen Fernsehen und Populärkultur beschäf-
tigte. (Seite 18)
Frankfurter Schule: Bezeichnung für eine Gruppe 
von Wissenschaftern, die an die Theorien von Freud, 
Hegel und Marx anknüpfte und deren Zentrum das 
1924 eröffnete Institut für Sozialforschung (IfS) 
an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in 
Frankfurt/Main war. Berühmte Mitglieder waren 
u. a. Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Erich 
Fromm, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal. Später 
war die Frankfurter Schule für die 68er-Bewegung 
von großer Bedeutung. (Seite 18)
Hanson, Pauline: australische Unternehmerin und 
(Ex-)Politikerin, geb. 1954, war 1997 Mitbegründe-
rin der rechtspopulistischen und rassistischen One 
Nation Party. 1998 gewann die Partei auf Anhieb 
mehr als 22 Prozent der Stimmen in Queensland. 
Nach dieser Legislaturperiode kandidierte Hanson 
mehrmals, wurde aber nicht wiedergewählt. 2011, 
nach der letzten erfolglosen Kandidatur, zog sie sich 
aus der Politik zurück. (Seite 35)
Ingelen: 1907 von Ing. Ludwig Neumann in Wien 
gegründetes Unternehmen, 1921 Gründung der 
Ersten Österr. Porzellanfabrik in Frauenthal (Stei-
ermark), ab 1924 Erzeugung von Radiobestandtei-
len und Detektoren, ab 1956 einer der bedeutend-
sten Portablehersteller in Österreich. 1966 wurde 
Ingelen vom ITT-Konzern übernommen, der eine Zeit 
lang einen Teil der Produktpalette noch unter altem 
Namen in Österreich produzierte. (Seite 14)
Kienzl, Heinz: österreichischer Gewerkschafter und 
Bankmanager, geb. 1922. Nach seinem Welthan-
delsstudium war er mehr als 20 Jahre lang für den 
ÖGB tätig, danach Generaldirektor und von 1988 
bis 1993 Erster Vizepräsident der Oesterreichischen 
Nationalbank. Bekannt wurde Kienzl vor allem 
durch sein Engagement für Zwentendorf und die 
friedliche Nutzung der Kernkraft. (Seite 14)
Manchester-Kapitalismus: (abwertende) Bezeich-
nung für die Zeit der industriellen Revolution in 
England ab Mitte des 18. Jahrhunderts, die durch 
Ausbeutung der ArbeiterInnen gekennzeichnet war. 
(Seite 19)
Olah, Franz: österreichischer Politiker (1910–
2009), während des NS-Regimes von 1938–45 in 
verschiedenen KZs interniert; 1950 verstärkte er – 
um gegen etwaige kommunistische Bedrohungen 
gerüstet zu sein – mit Unterstützung des CIA die 
bereits 1947 gegründete, geheime paramilitärische 
Organisation „Österreichischer Wander-, Sport- 
und Geselligkeitsverein“. Sie wurde Anfang der 
1960er-Jahre aufgelöst. 1959–63 war Olah ÖGB-
Präsident; 1959 gab er der Kronen Zeitung mit 
Gewerkschaftsgeldern geheime finanzielle Start-
hilfe, um ein SP-freundliches Massenblatt zu er-
möglichen. Später verwendete er Gewerkschafts-
gelder zur Unterstützung der FPÖ unter Friedrich 
Peter. 1963 war Olah nur sieben Monate lang In-
nenminister. Nach dem Ausschluss aus der SPÖ 
gründete Olah 1965 die rechtspopulistische Demo-
kratische Fortschrittliche Partei (DFP). 1969 wurde 
er wegen Veruntreuung zu einer einjährigen Haft-
strafe verurteilt. (Seite 14)
Paritätische Kommission für Preis- und Lohnfra-
gen: 1957 ursprünglich als zeitlich begrenztes, 
informelles System der freiwilligen Zusammenar-
beit von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden 
und Regierung eingesetzt, war die Paritätische 
Kommission lange Zeit ein zentrales Instrument der 
Sozialpartnerschaft. Durch Marktöffnungen und 
den EU-Beitritt hat sie an Bedeutung verloren, vor 
allem im Bereich der Preise wurde seit 1994 keine 
Regelung mehr getroffen. (Seite 14)
Raab, Julius: österreichischer Politiker (1891–
1964), 1945 Mitbegründer der ÖVP, als Bundes-
kanzler (1953–61) der großen Koalition erreichte 
er u. a. die sowjetische Zustimmung zum Staats-
vertrag. (Seite 14)
Ryan, Paul: US-Politiker, geb. 1970, seit 1999 re-
publikanischer Kongressabgeordneter, gilt als einer 
der einflussreichsten Finanz- und Wirtschaftspoli-
tiker in seiner Partei; Vizepräsidentschaftskandidat 
von Mitt Romney. (Seite 35)
Soziokratie: Organisationsform, durch die Organi-
sationen verschiedenster Größe – von der Familie 
bis zum Staat – konsequent Selbstbestimmung 
umsetzen können. Der Begriff entstand schon im 
19. Jahrhundert, die ursprüngliche Idee wurde Mit-
te des 20. Jahrhunderts von dem niederländischen 
Reformpädagogen Kees Boeke aktualisiert und 
weiterentwickelt. Ziel ist der sogenannte Konsent, 
bei dem Entscheidungen erst dann möglich sind, 
wenn niemand mehr einen begründeten/ernst-
haften Einwand dagegen hat. In größeren Gruppen 
ist diese Art der Entscheidungsfindung nur mit 
Delegierten möglich. (Seite 31)
Stream: Datenstrom, kontinuierliche Übertragung 
von Daten (Seite 24)
Tea Party: Die Tea-Party-Bewegung ist eine US-
amerikanische populistische Protestbewegung mit 
rechtslibertären Zügen. Ihre Anhänger setzen sich 
aus Mitgliedern der Christian Right, Neokonserva-
tiven und Libertären zusammen. Die Bewegung hat 
2009 als Reaktion auf Bankenrettungsversuche 
und Konjunkturpakete in Zusammenhang mit der 
Finanzkrise damit begonnen, ihre AnhängerInnen 
gegen die Steuerpolitik und andere Maßnahmen der 
Bundesregierung in Washington zu mobilisieren. 
Der Name der Bewegung bezieht sich auf die Boston 
Tea Party von 1773, wo symbolisch als Indianer ver-
kleidete Bostoner als Akt des Widerstandes gegen 
die britische Kolonialpolitik Teelieferungen der 
 britischen East India Company ins Meer warfen. 
(Seite 35)
Theben: altägyptische Stadt in Oberägypten, die 
sich um 2000 vor Christus zur Hauptstadt entwi-
ckelte. Noch vor Christi Geburt wurde die Stadt 
zerstört. Theben mit seinen Ausgrabungen und 
Tempelanlagen steht heute auf der UNESCO-Liste 
des Weltkulturerbes. (Seite 18)
United Kingdom Independence Party (UKIP): 1993 
gegründete, rechtspopulistische britische Partei, 
deren Hauptziel der EU-Austritt ist. Im Herbst 2010 
gründeten Mitglieder der UKIP gemeinsam mit der 
FPÖ und weiteren Parteien aus sechs Ländern die 
Europäische Allianz für Freiheit (EAF). Die EAF wur-
de im Februar 2011 vom Europaparlament als 
 Politische Partei auf europäischer Ebene aner-
kannt. (Seite 34)
Voronin, Vladimir: moldauischer Politiker, geb. 
1941, 1991 Vorsitzender der Kommunistischen 
 Partei der Republik Moldau (PCRM), 2001–2009 
Staatspräsident. (Seite 38)
        

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