Full text: Lieber reich als arm (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/201326 Schwerpunkt
Viele haben wenig, wenige haben viel
Fast 90 Prozent der Menschen in Österreich sind der Meinung,  
dass die Ungleichheit bei Einkommens- und Vermögensverteilung zu groß ist. 
E
ine Mehrheit sieht die österrei-
chische Gesellschaft heute als eine 
„Pyramide“ – viele Menschen un-
ten, wenige an der Spitze. Dabei 
würde sich eine ebenso große Mehrheit 
eine breite Mittel- und obere Mittel-
schicht wünschen. Die Gesellschaft ist 
ungleicher, als es der Großteil der Men-
schen für richtig hält (ISSP 2009).
Viel stärker als die Einkommen sind 
dabei die Vermögen in Österreich un-
gleich verteilt. Der private Vermögens-
besitz ist in den Händen einiger weni-
ger, die untere Hälfte verfügt über 
nahezu kein Vermögen. Es gibt – im 
Gegensatz zu den Einkommen – beim 
Vermögen nur eine schmale Mittel-
schicht. Das zeigen die Daten aus einer 
groß angelegten Erhebung, die, koordi-
niert durch die Europäische Zentral-
bank, in allen Euro-Staaten durchge-
führt wurde. In Österreich wurde sie 
von der Oesterreichischen Nationalbank 
2010 vorgenommen.
Bruttovermögen privater Haushalte
Das Bruttovermögen der privaten Haus-
halte ist in Österreich mit etwa 1.063 
Mrd. Euro über dreieinhalb Mal so groß 
wie das Bruttoinlandsprodukt. Im Ver-
gleich zu den Staatsschulden ist das Ver-
mögen privater Haushalte sogar mehr als 
fünf Mal so groß. 
Dieses Vermögen ist aber extrem un-
gleich verteilt („Die Verteilung des Brut-
tovermögens österreichischer Haus-
halte“ siehe Seite 28). Die reichsten fünf 
Prozent aller Haushalte verfügen über 
45 Prozent des Bruttovermögens. Knapp 
190.000 Haushalte besitzen somit zu-
sammen fast 500 Mrd. Euro, beinahe 
die Hälfte des gesamten privaten Ver-
mögens. Jeder dieser Haushalte nennt 
mindestens eine knappe Million Euro 
sein Eigen, im Durchschnitt sind es be-
achtliche 2,6 Mio. Euro. 
15 Prozent vermögende Haushalte
Neben diesen reichsten fünf Prozent gibt 
es noch 15 Prozent vermögende Haus-
halte. Das sind Haushalte, deren Ver-
mögen zwischen 330.000 und 980.000 
Euro liegt. Diese 15 Prozent vereinen 
beinahe 30 Prozent des Bruttovermögens 
auf sich. Somit besitzen die obersten 
20 Prozent aller privaten Haushalte 
 Österreichs drei Viertel des gesamten 
Bruttovermögens.
Die restlichen 80 Prozent der Haus-
halte teilen sich das verbliebene Vermö-
gensviertel („Die Verteilung des Brutto-
vermögens österreichischer Haushalte“ 
siehe Seite 28). Davon entfällt der 
Löwen anteil des Vermögens auf Haus-
halte der „oberen Mitte“, die im Durch-
schnitt über ca. 200.000 Euro verfügen. 
Sie halten über 20 Prozent des Gesamt-
vermögens. Für die vermögensärmere 
Hälfte (50 Prozent) aller privaten Haus-
halte verbleiben somit weniger als vier 
Prozent des gesamten Bruttovermögens, 
rund 40 Mrd. Euro. Im Durchschnitt 
haben diese Haushalte ein Bruttover-
mögen von 22.000 Euro. Die untersten 
25 Prozent der österreichischen Haus-
halte halten nur noch ein Vermögen von 
unter 11.000 Euro.
Die Vermögenskonzentration ist 
aber aller Wahrscheinlichkeit nach noch 
extremer als in der Studie dargestellt. 
Denn bei der Erhebung der Oesterrei-
chischen Nationalbank ist kein einziger 
Milliardärshaushalt erfasst worden. Ver-
mögende Haushalte lehnen eine Teil-
nahme an Untersuchungen zu Einkom-
men und Vermögen häufiger ab, 
verweigern öfter Antworten und unter-
Autorinnen: 
Christa Schlager und Miriam Rehm
Abteilung Wirtschaftswissenschaft und 
Statistik der AK Wien
L e s e t I p p s
Andreasch, Michael; Fessler, Pirmin; 
Mooslechner, Peter; Schürz, Martin 
(2012):  
Fakten zur Vermögensverteilung in Öster-
reich, in: Bundesministerium für Arbeit, 
Soziales und Konsumentenschutz, Sozial-
bericht 2011–2012, S. 249-267.
Eurostat (2012):  
The taxation of property in the EU, in: 
 Taxation trends in the European Union,  
S. 45–54.
Fessler, Pirmin; Mooslechner, Peter; 
Schürz, Martin (2012):  
Household Finance and Consumption 
 Survey des Eurosystems 2010. Erste 
 Ergebnisse für Österreich, in: Geldpolitik 
& Wirtschaft (Q3/12), S. 26–67. Online 
verfügbar unter tinyurl.com/b9wkndv, 
 zuletzt geprüft am 30. Oktober 2012.
International Social Survey Programme 
(2009):  
Social Inequality IV. Daten online verfüg-
bar unter tinyurl.com/a8ar35c,  zuletzt 
geprüft am 27. Dezember 2012.
        

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