Full text: Lieber reich als arm (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/2013 43Schwerpunkt
tum! Derartige Vorfälle zeigen, wie fern 
das Ziel der menschenwürdigen Arbeit 
trotz verheißungsvoller Zahlen noch ist.
Die Sorge um die Umwelt
Großes Sorgenkind ist der Klimaver-
brauch einzelner Länder. Jetzt, wo etwa 
China, Indien, Brasilien etc. aufholen und 
immer mehr Energie verbrauchen, ist die 
Angst vor einer Klimakatastrophe groß. 
Wie soll mit den noch vorhandenen Res-
sourcen umgegangen werden und wie 
kann der Energiebedarf reduziert werden? 
Führender Bösewicht bei den Top 15 
Treibhaussündern ist China, gefolgt von 
den USA, Indien, Russland, Japan 
Deutschland, Südkorea, Kanada, Iran, 
Großbritannien, Saudi-Arabien, Mexiko, 
Indonesien, Italien und Brasilien. Wenn 
man aber den Pro-Kopf-Ausstoß betrach-
tet, schaut es schon ganz anders aus: 
Schwellenländer wie China oder Indien 
sind in dieser Liste weiter hinten angesie-
delt. Geführt wird hier das Ranking von 
Katar, Kuwait, Trinidad und Tobago.
CO2-Emissionen waren in den letz-
ten Jahrzehnten eng mit dem Wachstum 
des Nationaleinkommens in Ländern 
wie China, Indien, Brasilien etc. ver-
bunden. Die Entwicklung erfolgt zulas-
ten der Umwelt und saubere Luft wird 
in vielen Großstädten zunehmend zum 
Luxusgut, wie gerade jüngst über Peking 
in den Medien zu lesen war. Die Smog-
Belastung erreichte eine Dimension, die 
über das menschlich verträgliche Maß 
hinausging.
Die Zerstörung der Umwelt trifft 
die ärmsten Haushalte besonders hart. 
Exis tenzgrundlagen werden vor allem 
in Entwicklungsländern zum Beispiel 
durch die Rodung der Wälder und die 
damit einhergehende Arten- und Boden-
zerstörung und Gewässerverschmutzung 
vernichtet. Laut dem Bericht der Verein-
ten Nationen 2011 ist Mangel ernährung 
zur Hälfte auf Umweltfaktoren zurück-
zuführen.
Die Wälder spielen im Kohlenstoff-
kreislauf eine wichtige Rolle. Der globa-
le Waldverlust beträgt jährlich gut fünf 
Mio. Hektar. Kompensiert werden diese 
Regenwald-Rodungen – vor allem in 
Südamerika und Afrika – durch Auffors-
tungsprogramme in China, Indien und 
Vietnam. Asien konnte somit in den 
letzten zehn Jahren einen Nettozuge-
winn an Wäldern von jährlich 2,2 Mio. 
Hektar verzeichnen. 
Statistiken reichen nicht aus
Ein Land wie China trägt statistisch zur 
Verringerung der weltweiten Armut, zur 
Verlangsamung des Waldverlusts, zur 
rückläufigen Erwerbsarmut etc. bei. Aber 
im Grunde genommen reicht es nicht, 
sich lediglich weltweite Statistiken anzu-
sehen. Wenn ein Bericht sagt, das Ziel der 
Verminderung der extremen Armut wird 
höchstwahrscheinlich erreicht, ist genau 
hinzuschauen. Sind es nur die aufstreben-
den Wirtschaftsmächte, die es innerhalb 
weniger Jahre geschafft haben, hunderte 
Millionen aus der Armut zu befreien, oder 
spielen auch Afrikas Länder südlich der 
Sahara bei diesen Zahlen eine Rolle?
Und trotz der positiven Zahlen 
 Chinas ist zu bedenken, dass dort zwar 
der Mittelstand wächst, die Schere zwi-
schen Arm und Reich aber gleichzei - 
tig auseinandergeht. Obwohl sich das 
Brutto inlandsprodukt pro Kopf in gut 
30 Jahren nach Kaufkraft mehr als 
 ver dreißigfacht hat, landet die zweit-
stärkste Wirtschaftsmacht der Welt 
 damit im Jahr 2011 lediglich auf 
dem 93. Platz und gut jede/r zehnte 
Chinesin/Chinese im Land lebt weiter-
hin unterhalb der Armutsgrenze.
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an die Autorin
eva.prenninger@oegb.at
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Und trotz der positiven Zahlen  Chinas ist zu 
 bedenken, dass dort zwar der Mittelstand  
wächst, die Schere zwischen Arm und Reich 
aber gleichzeitig auseinandergeht.
I n f o & n e w s
Im September 2000 verabschiedeten 189 
Länder auf einem Gipfel der Vereinten Na-
tionen in New York die Millenniumserklä-
rung. Sie umfasst acht Entwicklungsziele 
für das Jahr 2015: 
 » Den Anteil der Weltbevölkerung, der 
 unter extremer Armut und Hunger leidet, 
halbieren.
 » Allen Kindern soll eine Grundbildung 
 ermöglicht werden.
 » Die Gleichstellung der Geschlechter 
und die Stärkung der Rolle der Frauen.
 » Die Senkung der Kindersterblichkeit.
 » Die Verbesserung der Gesundheitsver-
sorgung der Mütter.
 » HIV/Aids, Malaria und andere schwere 
Krankheiten bekämpfen.
 » Die ökologische Nachhaltigkeit sichern.
 » Eine weltweite Entwicklungspartner-
schaft aufbauen.
        

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