Full text: Lieber reich als arm (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/201346 Man kann nicht alles wissen Abramowitsch, Roman Arkadjewitsch: russischer Geschäftsmann und Oligarch, geb. 1966; schon als Student der Ingenieurwissenschaften gründete er sein erstes Unternehmen. In den 1990er-Jahren bau- te Ambramowitsch ein weit verzweigtes Firmenimpe- rium auf. Lange galt er als wichtigster Oligarch von Wladimir Putin, 2000 bis 2008 war er Gouverneur der Region Tschukotka. Obwohl er durch die Finanzkrise (vorübergehend) einen großen Teil seines Vermögens verloren hatte, zählt Ambramowitsch zu den reichsten Männern weltweit. (Seite 12) Barnier, Michel: französischer Politiker, geb. 1951, 2004/05 Außenminister, 2007–2009 Minister für Landwirtschaft und Fischerei, seit Februar 2010 ist der konservativ-neo-gaullistische Politiker EU- Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen. (Seite 44) Boettke, Peter: US-Wirtschaftswissenschaftler, geb. 1960, er ist Anhänger der sogenannten österreichi- schen Schule, die u. a. auf den Ideen von Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek und Eugen von Böhm-Bawerk beruht. (Seite 21) Bourdieu, Pierre: französischer Soziologe (1930– 2002), beschäftigte sich vor allem mit Kultursoziolo- gie. Nach Bourdieu gibt es für die menschliche Freiheit viele Begrenzungen, unter anderem durch unbewuss- te verinnerlichte Faktoren, Illusionen, durch sozioöko- nomische Strukturen, historische Gegebenheiten, Geschlecht, Nationalität und Weltanschauung. Inner- halb seiner Grenzen hat jeder Mensch einen individu- ellen Handlungsspielraum, der umso größer ist, je komplexer die Gesellschaft organisiert ist. (Seite 25) depriviert: unter einem Mangel leidend (Seite 23) disguise englisch, sprich disgeis: verkleiden (Seite 38) diskursiv: (von Begriff zu Begriff) methodisch fort- schreitend, im Gegensatz zu intuitiv (Seite 19) diversifizieren: vielfältig erweitern (Seite 25) Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss: gegründet 1957, beratendes Organ, in dem Arbeit- geber, Gewerkschaften, Landwirte, Verbraucher und andere Interessensgruppen vertreten sind. (Seite 45) Europäisches Primärrecht: zentrale Rechtsquelle des Europarechts im engeren Sinne, das aus den zwischen den Mitgliedsstaaten geschlossenen Ver- trägen inklusive Beitrittsverträgen besteht. (Seite 45) Friedrich August von Hayek Institut: 1993 gegrün- dete Forschungseinrichtung mit Sitz in Wien. In Koo- peration mit dem Wissenschaftsministerium sponsert das Institut Gastprofessoren aus aller Welt, die im Sinne der österreichischen Schule an österreichischen Universitäten lehren. (Seite 20) Friedrich-Ebert-Stiftung (FES): 1925 als politisches Vermächtnis des ersten demokratisch gewählten so- zialdemokratischen deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert gegründet. 1933 wurde sie vom NS- Regime verboten, 1947 wiederbegründet. Sie ist heute in über 100 Ländern aktiv. Ziele: politische Erneue- rung der sozialen Demokratie, Stärkung der politi- schen Teilhabe und des gesellschaftlichen Zusam- menhalts, Vertiefung des Dialogs zwischen Gewerk- schaften und Politik etc. (Seite 18) Gesundheitsreform: Die von Bund, Ländern und Sozialversicherung ausgehandelte Reform wurde Mit- te Jänner im Ministerrat beschlossen. Ziel ist, dass die öffentlichen Gesundheitsausgaben in Zukunft höchstens um 3,6 Prozent jährlich (d. h. nicht höher als das Wirtschaftswachstum) steigen sollen. Die Spitäler sollen entlastet, Behandlungen vermehrt ambulant oder in Tageskliniken durchgeführt werden. (Seite 33) Gramsci, Antonio: italienischer Schriftsteller, Jour- nalist, Politiker und Philosoph (1891–1937), Mitbe- gründer der Kommunistischen Partei Italiens. 1926, nachdem nach einem Mordversuch an Mussolini sämtliche Oppositionsparteien verboten wurden, wur- de auch Gramcsi verhaftet. Die dort entstandenen „Gefängnishefte“ gelten als bedeutendes Werk der marxistischen Philosophie. (Seite 21) Hayek, Friedrich August von: österreichischer Öko- nom und Sozialphilosoph (1899–1992), wichtigster Vertreter des Neoliberalismus. 1974 erhielt er ge- meinsam mit Gunnar Myrdal den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für die Pionierarbeit auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und ihre Analysen des Zusammenhangs zwischen ökono- mischen, sozialen und institutionellen Phänomenen. (Seite 19) Hegemonie: Vormachtstellung (Seite 20) IHS (Institut für höhere Studien): 1963 gegründetes unabhängiges Non-Profit-Institut in Wien, das vor allem in den Bereichen Ökonomie, Politik und Sozio- logie forscht. (Seite 21) implizit: mit gemeint, aber nicht ausdrücklich gesagt (Seite 18) Keynes, John Maynard: britischer Ökonom, Politiker und Mathematiker (1883–1946); seine zentrale The- orie war, dass das marktwirtschaftliche System auch bei flexiblen Preisen und Löhnen nicht automatisch zur Vollbeschäftigung tendiert, was bedeute, dass der Staat zeitweise regulierend eingreifen müsse (Keynesianismus mit Wohlfahrtsstaat, gelenkter Volkswirtschaft etc.) Seine Theorien dominierten bis Mitte der 1970er-Jahre in den meisten westeuro- päischen Staaten. (Seite 20) Kompositum: hier: zusammengesetztes Hauptwort (Seite 18) LGBT: Akronym für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans- gender (Seite 40) Mont Pelerin Society (MPS), französisch, sprich Mo pelereu: 1947 gegründeter Zusammenschluss libe- raler Intellektueller, die Initiative dazu ging von Fried- rich August von Hayek aus, der 1947 rund 35 dem Liberalismus nahe stehende Wissenschaftler an den Genfer See (am Fuße des Mont P?lerin) eingeladen hatte, um über die Zukunft liberalen Gedankenguts nach dem Zweiten Weltkrieg zu diskutieren. Heute hat die Society rund 500 Mitglieder und ist weltweit ver- netzt. (Seite 20) Oligarchie: gesetzlose Herrschaft von Reichen, die nur an ihrem eigenen Vorteil interessiert sind (Seite 40) Philanthrop: Menschenfreund (Seite 10) Placet/Plazet: Zustimmung, Einwilligung (Seite 21) Private Equity: von Privaten oder Institutionen bereit- gestelltes Eigenkapital, mit dem Beteiligungsgesell- schaften (Private-Equity-Gesellschaften) Unterneh- mensanteile für einen begrenzten Zeitraum erwerben, um rasch Rendite zu erwirtschaften. (Seite 13) Rühle-Bericht: Von der Grünen Europa-Abgeordneten Heide Rühle im Jahr 2009 verfasster „Bericht über Neue Entwicklungen im öffentlichen Auftragswesen“. Die darin enthaltenen Forderungen wurden im Juni 2010 vom Europaparlament verabschiedet. Der Be- richt kritisierte, dass nicht nur die angestrebte Vereinfachung des Auftragswesens nicht erreicht worden war, sondern Rechtsprobleme und -unsicher- heiten sogar zugenommen hatten. (Seite 45) Sachs, Jeffrey: US-Ökonom, geb. 1954, seit 2002 Sonderberater der Development Millennium Goals von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Sachs engagiert sich unter anderem für einen weitgehenden Schul- denerlass für extrem arme Staaten und die Finanz- transaktionssteuer. (Seite 10) Sen, Amartya: indischer Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph, geb. 1933; beschäftigt sich vor allem mit den Themen Armut und Wohlfahrtsökonomie. Auf Sens Vorschläge geht die Einrichtung des Human Development Index zurück, den das Entwicklungspro- gramm der Vereinten Nationen seit 1990 regelmäßig herausgibt. 1998 erhielt er den Nobelpreis für Wirt- schaftswissenschaften. Werke: Die Idee der Gerech- tigkeit, Die Identitätsfalle: Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt, Development as Freedom etc. (Seite 22) Slumdog Millionaire: In dem 2009 mit acht Oscars ausgezeichneten Film erzählt der aus den Slums von Mumbai stammende Jamal der Polizei, wie es dazu kam, dass er ohne zu betrügen auch die schwierigsten Fragen einer Quizshow beantworten konnte. Vorlage für den Film war der Roman „Rupien! Rupien!“ des indischen Autors und Politikers Vikas Swarup. (Seite 39) Smith, Vernon: US-Wirtschaftswissenschaftler, geb. 1927; einer der bedeutendsten Vertreter der experi- mentellen Kapitalmarktforschung. 2002 erhielt er gemeinsam mit Daniel Kahneman den Wirtschafts- nobelpreis. (Seite 21) Terra incognita: unerforschtes (Wissens-)Gebiet (Seite 38) Winter, Max: österreichischer Reporter, Schriftsteller und Politiker (1870–1937), gilt als Schöpfer der Sozialreportage im deutschsprachigen Raum. Winter bekleidete mehrere hohe politische Ämter, ein beson- deres Anliegen war ihm aber die Sozialpolitik, u. a. war er bis 1930 Obmann der Kinderfreunde. 1934 emigrierte Winter in die USA. (Seite 38)

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