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Full text: Moderne Zeiten (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/2013 43Schwerpunkt technisch erfassbare Größe variiert jedoch nach Höhe der jeweiligen Umlaufbahn: So kann in der höhergelegenen geostati- onären Bahn (Geostationary Earth Orbit, GEO) in rund 36.000 Kilometern Höhe Müll erst ab einer Größe von etwa 50 Zentimetern geortet werden. Den mit 77 Prozent größten Anteil an Space Debris beherbergen die niedrigen Umlaufbahnen unterhalb von 2.000 Kilometern Höhe (Low Earth Orbit, LEO). Die Dichte an Weltraummüll ist just dort am höchsten, wo die meisten Raumfahrtaktivitäten stattfinden: im Bereich von 750 bis 800 Kilometern Höhe. Geschwindigkeiten bis 56.000 km/h Alles, was gegenwärtig als Weltraummüll beschrieben wird, ist völlig unkontrollier- bar, da es sich um nicht mehr steuerbare Teile handelt. Problematisch ist auch der Umstand, dass die Müllfragmente Jahre, Jahrzehnte oder länger im Orbit verblei- ben. Weltraummüll stellt – und hier ist sich die internationale Gemeinschaft aus- nahmsweise einig – ein sehr hohes Risiko dar. Denn Space Debris kann auf vielfäl- tige Weise äußerst kostspielige Schäden anrichten. Vor allem sind noch operieren- de Satelliten von Müllfragmenten be- droht, da diese durch Kollisionen beschä- digt oder zerstört werden können. Wenn Satelliten und Fragmente daher bei Ge- schwindigkeiten zwischen null und 14 Kilometern pro Sekunde kollidieren, ent- stehen laut den physikalischen Gesetzen bei jeder Kollision in etwa 100 neue Frag- mente, die wiederum groß genug sind, um weitere Satelliten zu zerstören. Ein Sicherheitsrisiko stellen aber auch Kolli- sionen mit bemannten Raumfahrzeugen oder Raumstationen dar. Die Internatio- nal Space Station (ISS) muss beinahe schon routinemäßig Ausweichmanöver durchführen. Vor allem die Geschwindig- keit, mit der sich Space Debris bewegt, ist gefährlich, da manche Müllteilchen mitunter Geschwindigkeiten bis zu 56.000 km/h erreichen. So genügen oft schon kleinste Lackabsplitterungen für enorme Schäden. Aber auch auf der Erd- oberfläche können Schäden entstehen, wenn Müll wieder in die Erdatmosphäre eintritt. Zahlreiche Studien und Simula- tionsrechnungen belegen den verheeren- den Zustand: Ein Fortschreiten der aktu- ellen Situation könnte dazu führen, dass, gleich einer Kettenreaktion, die Zahl klei- ner Teile massiv steigt, sodass der Start von Satelliten womöglich gänzlich ver- hindert würde (Kessler Syndrom). Appli- kationen, die im Interesse der gesamten Menschheit im Weltraum eingesetzt sind und unsere Komforttechnologie erst er- möglichen, sind deshalb ernstlich be- droht. Das Level derzeit stattfindender Weltraumaktivität ist jedenfalls nicht mehr langfristig haltbar, sofern nicht in absehbarer Zeit einheitliche Entschär- fungsmaßnahmen durchgeführt werden. Unverbindliche Richtlinien Bemühungen gibt es auf unterschiedli- chen Ebenen: So werden einerseits tech- nische Strategien erarbeitet, die als prä- ventive Maßnahme auf Vorbeugung und Vermeidung abzielen, andererseits wer- den auch Formen der Müllbeseitigung entwickelt (Laser, Roboter, Segel etc.). Die Kosten, die damit verbunden sind, spielen in der Praxis aber eine nicht un- bedeutende Rolle. Außerdem widmen sich die Staaten im Rahmen der Verein- ten Nationen (United Nations Commitee on the Peaceful Uses of Outer Space, COPUOS) diesem Thema nicht mehr ausschließlich auf der technisch-wissen- schaftlichen Ebene, sondern, wenngleich auch nur sehr behutsam, auch auf recht- licher Ebene. Bisher existieren nur unver- bindliche Richtlinien als Empfehlung für die Mitgliedsstaaten, die ebenso primär auf vorsorgende Maßnahmen abzielen. Eine Reihe von internationalen Initiati- ven und Kooperationen auf diesem Ge- biet verdeutlicht aber die Brisanz des The- mas. So ist beispielsweise auch die Euro- päische Union gegenwärtig bemüht, einen International Code of Conduct for Outer Space Activities auf internationaler Ebene zu verhandeln. Da die Raumfahr- tindustrie weltweit stetig expandiert, ist das pressierende Problem Space Debris zweifelsohne eines der großen Sicher- heitsthemen für die Anforderungen der modernen Weltraumaktivität, welchem verstärkt auch auf rechtlicher Ebene be- gegnet werden sollte. Internet: Mehr Informationen zu Weltraummüll finden Sie auf der Website von European Space Agency: tinyurl.com/d5dn4mf Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin nina.ehrensberger@chello.at oder die Redaktion aw@oegb.at Vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich Space Debris bewegt, ist gefährlich, da manche Müllteilchen mitunter Geschwindigkeiten bis zu 56.000 km/h erreichen. So genügen oft schon kleinste Lackabsplitterungen für enorme Schäden. Aber auch auf der Erdoberfläche können Schäden entstehen, wenn Müll wieder in die Erdatmosphäre eintritt. © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm
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