Full text: Unsere Mission: Gerechtigkeit. (5)

Arbeit&Wirtschaft 5/20134 Arbeit&Wirtschaft 10 1Historie Mission possible U nd wieder einmal steht uns das Wasser bis zum Hals. Das Jahrhun- derthochwasser nennen es die Medien, weil die Überflutungen noch schlimmer sind als 2002. Diesmal löst das Hochwasser auch eine Flut an er- schütternden Bildern und Hilfsaufrufen in den sozialen Medien aus. Viele Menschen haben ihr Hab und Gut, einige sogar ihr Leben verloren. Auch diesmal sind es be- sonders viele GewerkschafterInnen in meinem Bekanntenkreis, die sehr spontan und rasch spenden, helfen und zupacken. Nicht wenige davon sind in ihren Heimat- gemeinden bei der freiwilligen Feuerwehr, im Gemeinderat, in der Kirche engagiert. Strampeln oder untergehen Da gibt es diese Parabel mit den beiden Fröschen, die in das Milchfass fallen. Wäh- rend der eine Frosch alle Hoffnung bald aufgibt und in der Milch ertrinkt, stram- pelt der andere bis Butter entsteht, von der er ins Trockene springt. Aus solchem Holz sind viele Kolleginnen und Kollegen ge- schnitzt, die ich in meiner Tätigkeit für ÖGB, Gewerkschaften und AK kennenge- lernt habe. Mehr noch, sie hätten den an- deren Frosch ermutigt mitzustrampeln und durchzuhalten. Denn diese Menschen le- ben Solidarität, sie schauen auf andere. Nicht nur angesichts von Naturkatas- trophen, sondern auch im alltäglichen Leben und am Arbeitsplatz. Das passt nicht jedem. Herr Stronach zum Beispiel hält nicht viel von Gewerk- schaften. Schon seit seiner Rückkehr nach Österreich feindet er sie an, wollte sie in seiner Magna Charta durch Vertrauens- leute ersetzen. Sein jüngster Streich: Jetzt will er die Gewerkschaften gar abschaffen, vielleicht sogar verbieten. Fünfzig Jahre erfolgreiche Sozialpartnerschaft meint er vom Tisch wischen zu können. Nicht alle in seinem „Team“, das manchmal mehr wie ein Haufen erscheint, sind davon begeistert. Onkel Frank macht das aber nichts aus, er hat sein eigenes Demo- kratieverständnis und begibt sich auf die Suche nach Gewerkschaftsopfern. Vielleicht findet er ja welche, die es Postenschacher nennen, wenn einer Be- triebsrat und bei der freiwilligen Feuer- wehr ist, wenn eine freigestellt ist und sich in der Gemeinde engagiert. Dafür hätten die Kollegin und der Kollege wohl auch kaum Zeit, wenn sich die Gewerkschaft nicht weiter gegen die Sonntagsöffnung wehren würde. Den meisten bleiben nur die Sonntage für gemeinsame Vereins- tätigkeiten. Für Stronach ist das „sture Blockadepolitik“. „Die beste Garantie für Arbeitsplätze ist, wenn Management und Mitarbeiter gut zusammenarbeiten“, zitiert ihn die Kronen-Zeitung. Mir fällt da immer die Internationale ein: „Es rettet uns kein höh’res Wesen,/ kein Gott, kein Kaiser noch Tribun./ Uns aus dem Elend zu erlösen/ können wir nur selber tun!“ Diese Maxime gilt für GewerkschafterInnen aller Fraktionen. Und so stehen jetzt viele von ihnen im schmutzigen Wasser und räumen Schutt, andere haben spontan Geld überwiesen, wieder andere organisieren Sachspenden und ihre Verteilung. Frank Stronach hat vielleicht auch gespendet, anonym, still und bescheiden, wie es seine Art ist. Gelebte Demokratie Von 18. bis 20. Juni 2013 tagt der 18. ÖGB-Bundeskongress in Wien. Rund 500 Delegierte werden über die Schwer- punktthemen der nächsten fünf Jahre abstimmen. Menschen, deren Engage- ment, wenn es nach Stronach und anderen geht, überflüssig ist. Und doch treten sie über Fraktionen, Konfessionen und Her- kunft hinweg – nicht immer einstimmig, aber immer demokratisch – für ihre Ziele ein: Verteilungsgerechtigkeit, Chancen- gleichheit, soziale Sicherheit und Mit- bestimmung, um für all das kämpfen zu können. Denn egal was kommt, unser Wert ist Solidarität, unsere Mission: Gerechtig- keit. Glück auf! Katharina Klee Chefredakteurin Standpunkt © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm

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