Full text: Generation Zukunft (6)

Arbeit&Wirtschaft 6/201314 Schwerpunkt Null Bock auf die Arbeitswelt? Kein Job, Ausbildung abgebrochen und ohne Weiterbildung: europaweit rund acht Millionen Jugendliche haben jede Menge Zeit. E in neues Akronym für ein neues Phä- nomen? NEET: Not in Em ploy- ment, Education or Training – we- der in Beschäftigung noch in Aus- bildung oder in einer Trainingsmaß- nahme – das kann theoretisch auf Men- schen jeden Alters zutreffen. Die EU ver- wendet die Bezeichnung in der Regel aber für junge Menschen zwischen 15 und 24. In dieser Phase der Identitätsfindung, auf der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft, spielen Erwerbstätigkeit und Bildung eine wichtige Rolle. Das NEET-Dasein kann psychische Schram- men hinterlassen, die sich im späteren (Arbeits-)Leben bemerkbar machen, sie reichen von lebenslangen Einkommens- einbußen bis hin zu Depressionen. Die Nicht-Teilnahme auf dem Arbeitsmarkt bedeutet nicht nur persönliche Probleme für die Betroffenen, sondern auch Ver- geudung wertvoller Ressourcen – und Kosten: Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeits- bedingungen (Eurofound) errechnete für 2011 wirtschaftliche Einbußen von 153 Mrd. Euro in der gesamten EU.1 Rund 7,7 Mio. NEETs Erst seit wenigen Jahren erhebt Eurostat neben den üblichen Arbeitsmarktindika- toren auch den Anteil an erwerbslosen Personen, die aus verschiedensten Grün- den keine Arbeit suchen und/oder nicht verfügbar sind. Im Jahr 2012 lag die NEET-Rate bei 13,2 Prozent der EU- BürgerInnen. Damit waren hochgerech- net rund 7,7 Mio. Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren weder im Beschäfti- gungs- noch im Bildungssystem integ- riert. Dazu kommt etwa für 2011 ein NEET-Anteil von 20 Prozent bei den 25- bis 29-Jährigen (2008: 17 Prozent). In dieser Altersgruppe ist die Quote durch Kinderbetreuung u. Ä. durchwegs höher als unter Jugendlichen. Auf Platz vier Österreich hatte im Jahr 2012 mit 6,5 Prozent hinter Norwegen, Luxemburg und Island die viertniedrigste NEET- Quote unter den 15- bis 24-jährigen EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern. Der bisher höchste Wert seit 2000 wurde 2005 mit 8,3 Prozent erreicht. Am an- deren Ende der Skala finden sich Bulga- rien (21,5 Prozent), Italien (21,1 Pro- zent) und Griechenland (20,3 Prozent). Hauptgründe für das Fernbleiben vom Arbeitsmarkt bzw. Bildungssystem sind Krankheit, familiäre Betreuungs- pflichten, Resignation nach frühzei- tigem Schulabbruch oder nach nega- tiven Erlebnissen auf dem Arbeitsmarkt. Eine relativ kleine, weniger gefährdete Gruppe ist auf der Suche nach dem Traumjob oder der optimalen Ausbil- dung, es gibt zudem jene, die eine Zeit lang auf Reisen gehen, sich künstlerisch betätigen etc. Den größten und am stärksten schwankenden Anteil machen „herkömmliche“ Arbeitslose aus, wobei der Anstieg an Langzeitarbeitslosen bei jungen Menschen besonders problema- tisch ist. Österreich liegt derzeit bei 16,4 Prozent. Auch hier gibt es europa- weit große Unterschiede, so sind etwa in der Slowakei 59 Prozent und in Finnland 5,4 Prozent der arbeitslos ge- meldeten Jugendlichen schon länger als zwölf Monate ohne Job. Österreich gilt mit seinem dualen Ausbildungssystem und der Ausbil- dungsgarantie als Vorbild bei der Ver- meidung von Jugendarbeitslosigkeit, hat aber Nachholbedarf bei Maßnah- men gegen frühzeitigen Schulabbruch. Mit 8,3 Prozent Schulabbrecherinnen und -abbrechern liegt Österreich im Astrid Fadler Freie Journalistin I n f o & n e w s NEET-Risikofaktoren Niedrige Bildung: Risiko dreimal größer als für Menschen mit tertiärem Bildungs- abschluss und doppelt so hoch wie bei se- kundärer Bildung. Ähnliches gilt für den Bildungsgrad der Eltern: Im Vergleich zu Eltern mit tertiärem Bildungsabschluss ist das NEET-Risiko für Kinder mit Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss doppelt so hoch bzw. 1,5-mal höher als bei sekun- därem Bildungsabschluss. NEET-Quote unter Akademikerinnen und Akademikern: zehn Prozent im EU-Durch- schnitt; in Österreich sechs Prozent. Ar- beitslosigkeit der Eltern: NEET-Risiko um 17 Prozent erhöht. Migrationshinter- grund: plus 70 Prozent; in Österreich liegt der NEET-Anteil bei Jugendlichen mit Mi- grationshintergrund bei 18,5 Prozent ge- genüber 6,5 Prozent bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Behinderung: plus 40 Prozent. Wohnort in abgelegenen Gebieten: 1,5-faches Risiko.

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