Full text: Generation Zukunft (6)

Arbeit&Wirtschaft 6/2013 15Schwerpunkt unteren Drittel, also schlechter als etwa bei den NEET-Jugendlichen insgesamt. Die Soziologin Bernadette Allinger plä- diert dafür, die Konsequenzen fürs Schulschwänzen, das oft am Anfang ei- ner Schulabbrecher-Karriere steht, nicht allein den Eltern anzulasten: „In den Niederlanden etwa werden Schu- len, deren Drop-out-Rate gesunken ist, mit Prämien belohnt. In Luxemburg gibt es seit 2005 so genannte Mosaik- klassen, in denen SchülerInnen, bei de- nen das Risiko eines Schulabbruchs besteht, individuell betreut, beraten und gefördert werden.“2 Jugendcoaching In vielen Staaten Europas gibt es Pro- gramme zur Berufsorientierung und für einen leichteren Einstieg in den Beruf. In Österreich bietet etwa das Netzwerk berufliche Assistenz (NEBA) unter an- derem Jugendcoaching für 15- bis 25-Jährige an, bei denen ein Schulab- bruch droht oder die Probleme beim Übergang ins Berufsleben haben. In en- ger Zusammenarbeit mit der Schule und den Eltern erhalten die Jugendlichen individuelle Unterstützung, z. B. durch Lehrstellenrecherche im Internet, Er- stellen von Bewerbungsunterlagen, Test- trainings, Üben von Vorstellungsgesprä- chen etc. In Kooperation mit verschie- denen Organisationen werden von NEBA außerdem Berufsausbildungs- und Arbeitsassistenz sowie Jobcoaching angeboten. Junge Menschen leiden nach einiger Zeit als NEET mit großer Wahrschein- lichkeit nicht nur an Geldmangel. Die Gefahr sozialer Ausgrenzung ist relativ groß. Ähnlich wie bei Langzeitarbeitslo- sen kommt es häufiger als bei Erwerbs- tätigen zu Antriebslosigkeit, Depressi- onen, Alkohol- und Drogenmissbrauch etc. Das Vertrauen in den Staat, in Insti- tutionen und in andere Menschen sinkt. Obwohl sie theoretisch ausrei- chend Zeit haben, engagieren sich NEET-Jugendliche seltener als ihre Al- tersgenossinnen und -genossen in poli- tischen, sozialen und zivilen Organisati- onen. Das Vertrauen in die Zukunft und in die eigenen Fähigkeiten schrumpft. „Der typische NEET ist ein junger Mensch, der angesichts der gro- ßen Bedeutung von Individualität und Expertise in unserer Zeit alle Hoffnung auf eine Arbeit verliert und in einen Zu- stand der Starre fällt. Im Grunde ihres Herzens wollen fast alle NEET arbei- ten. Was sie daher am meisten brau- chen, ist nicht Wissen und Informatio- nen über Arbeit, sondern reale Erfahrungen in Bezug auf die Freude und die Spannungen im Umgang mit anderen Menschen“, formulierte der ja- panische NEET-Experte Yuji Genda schon 2004, noch vor der Krise. Gegenmaßnahmen Wie kann die NEET-Quote gesenkt wer- den? Es gilt, sowohl frühzeitigen Schul- abbruch zu verhindern als auch den Übergang in die Arbeitswelt zu erleich- tern. Außerdem: Eine gezielte Arbeits- marktpolitik wirkt sich deutlich günsti- ger aus als Wirtschaftswachstum an sich. Hohe Mindestlöhne, so Eurofound, er- schweren für Jugendliche vermutlich eher den Einstieg ins Arbeitsleben. Den- nis Tamesberger von der AK OÖ und Koautor der Studie „Junge Menschen ohne (Berufs-)Ausbildung“: „Einen wichtigen Beitrag für mehr Chancen- gleichheit und zum Abbau von Bildungs- barrieren können Ganztagsschulen leis- ten. Außerdem wäre ein flächendecken- des Case Management für Risiko-SchülerInnen nötig.“3 Jobgarantie für junge Menschen Das alles kostet Geld. Anfang des Jahres haben die EU-Arbeitsminister beschlos- sen, sechs Mrd. Euro in eine Jobgarantie für junge Menschen zu inves tieren. Je- der/Jede EuropäerIn unter 25 Jahren soll innerhalb von vier Monaten, nachdem er/sie eine Stelle verloren oder eine Aus- bildung beendet hat, ein Angebot für ei- nen Arbeits-, Ausbildungs- oder Prakti- kumsplatz bekommen. Vorbild dafür war u. a. Österreich. Internet: Netzwerk berufliche Assistenz: www.neba.at Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin afadler@aon.at oder die Redaktion aw@oegb.at 1 Eurofound (2012), NEETs – Young people not in employment, ed- ucation or training: Characteristics, costs and policy responses in Europe 2 FORBA-Trendreport 1/2013 3 J. Bacher, D. Tamesberger, Junge Menschen ohne (Berufs-)Aus- bildung, 2011 © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm Die EU verwendet die Bezeichnung NEET in der Regel für junge Menschen zwischen 15 und 24. In dieser Phase der Identitätsfindung, auf der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft, spielen Erwerbs- tätigkeit und Bildung eine wichtige Rolle. Das NEET- Dasein kann psychische Schrammen hinterlassen, die sich im späteren (Arbeits-)Leben bemerkbar machen, sie reichen von lebenslangen Einkommens- einbußen bis hin zu Depressionen.

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