Full text: Ein Dach über dem Kopf (8)

11Arbeit&Wirtschaft 8/2013
mäßes Mobiliar. Das Programm bestand aus 
77 Einzelstücken, die von zehn Firmen mit 
450 Arbeitern erzeugt wurden. 1969 stieg 
Wien aus der Aktion aus und 1976 wurde 
der Trägerverein aufgelöst: Die meisten 
 ArbeitnehmerInnen konnten sich mittler-
weile eine teurere und vor allem repräsen-
tativere Einrichtung leisten als die bewusst 
einfach gehaltenen SW-Produkte.
Wie schon der Name andeutet, wurde „So-
ziale Wohnkultur“ auch als volksbildne-
risches Projekt verstanden, vor allem im 
Kampf gegen falsch verstandene „Reprä-
sentativität“: Der Mensch selbst soll der 
Mittelpunkt werden; alles andere, die 
Möbelstücke und das Drum und Dran, 
soll ihm dienen, soll der Rahmen für 
seinen Lebenslauf sein. Alles soll auf 
den Bewohner selbst bezogen sein, auf 
ihn abgestimmt sein und nicht auf die 
Durch den Bombenkrieg waren allein in 
Wien 87.000 Wohnungen ganz zerstört und 
weitere 100.000 beschädigt, die Einrich-
tungen oft nicht mehr verwendbar. Um die 
ärgste Not zu lindern, zog die Stadt Wien 
unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im 
Rahmen eines „sozialen Schnellbaupro-
gramms“ neue Wohnhausanlagen hoch, in 
denen drei Wohnungstypen zur Verfügung 
standen: Ein Wohnraum mit Kochnische 
auf 25 m2, eine Variante mit zusätzlichem 
Schlafzimmer auf 48 m2 sowie die noch 
um ein Kinderzimmer erweiterte größte 
 Variante auf 56 m2. 
Um den Bewohnerinnen und Bewohnern, die 
ja kaum Geld hatten, die Einrichtung zu er-
leichtern und gleichzeitig Arbeitsplätze in 
der Möbelproduktion zu schaffen, wurde 
nach 1950 die Aktion „Soziale Wohnkultur“ 
gestartet, zunächst noch in Kooperation mit 
Arbeiterkammer und Handelskammer (heu-
te: Wirtschaftskammer), dann von der Ge-
werkschaft der Bau- und Holzarbeiter im 
Namen des ÖGB und der Stadt Wien allein 
getragen. Die Aktion konnte an Projekte aus 
der demokratischen Vorkriegszeit anknüp-
fen, wie etwa an jenes des 1928 in Frankfurt 
gegründeten CIAM (Internationaler Kongress 
der modernen Architektur) zur Wohnung 
für das Existenzminimum. Wien stellte 
zehn Millionen Schilling zur Verfügung, die 
Arbeiterbank (heute: BAWAG) unterstützte 
mit güns tigen Kreditbedingungen. 
Die Serienproduktion begann 1954 und das 
SW-Logo wurde schon bald in ganz Öster-
reich zum Markenzeichen für preisgüns tiges 
und gleichzeitig qualitätvolles und zeitge-
Soziale Wohnkultur
1954 bis 1976 koordinierte die Gewerkschaft Bau-Holz für den ÖGB die 
SW-Aktion. Das Ziel: gutes Wohnen auch für kleine Brieftaschen.
Vortäuschung von Wohlhabenheit. We-
niger modern waren die Vorstellungen über 
die Rolle der Frau: Die Wohnung sei für sie 
nicht nur der Schauplatz des häuslichen 
Lebens, sondern vorwiegend der Ort 
 ihrer Tätigkeit und ihrer Arbeitsleistung 
für Familie und Staat. Gerade deshalb 
habe sie aber Anspruch auf eine Erleichte-
rung der Haushaltsarbeit. Eines der ersten 
in Serie erzeugten SW-Produkte war dem-
gemäß die „Wiener Küche“, ein von Franz 
Schuster auf Basis der berühmten „Frank-
furter Küche“ der österreichischen Archi-
tektin Grete Schütte-Lihotzky weiterent-
wickeltes Modell, das sich auch für die 
 kleinen Kochnischen der Wiener Gemeinde-
wohnungen eignete.
Zusammengestellt und kommentiert von 
Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at
Historie
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Die Kataloge der SW-Aktion gaben auch Tipps, wie man sich mit den modernen Möbeln 
einrichten kann. Leuchtende Farben und oft helles Holz sollten zu einer freundlichen 
 Umgebung beitragen.
        

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