Full text: Ein Dach über dem Kopf (8)

Nicht zuletztArbeit&Wirtschaft 3/2013 45
S
teigende Immobilienpreise und 
immer höhere Mieten belasten 
die Menschen in wirtschaftlich 
angespannten Zeiten immer stär-
ker. Immer mehr wird es zum Problem, 
das nötige Geld für die Miete aufzubrin-
gen, für Junge ist die erste eigene Woh-
nung immer öfter unerschwinglich.
Das unterste Einkommensviertel 
muss bereits über die Hälfte des Haus-
haltseinkommens aufbringen, damit 
ihre Familien ein Dach über dem Kopf 
haben. 
Tausende Wohnungen fehlen
Die Neubauleistung hinkt in Österreich 
dem tatsächlichen Wohnraumbedarf 
um Tausende Wohnungen jährlich 
nach. Dies ist umso alarmierender, als 
gleichzeitig auch die Arbeitslosigkeit im 
Baubereich ansteigt: Ende September 
2013 waren im Baubereich um 20,2 
Prozent mehr Menschen arbeitslos als 
im Vorjahr!
Diese hohen Arbeitslosenzahlen auf 
die Pleite der Baufirma ALPINE zu 
schieben hieße, vor der Realität die 
 Augen zu verschließen.
Es ist uns in der Gewerkschaft Bau-
Holz gelungen, in guter Zusammen-
arbeit mit dem Masseverwalter und 
den österreichischen Bauunternehmen 
beinahe alle ALPINE-Betroffenen wie-
der in Beschäftigung zu bringen. Mit 
September waren nur mehr 133 der 
4.905 Ex-ALPINE-Beschäftigten laut 
Arbeitsmarktservice zu vermitteln. Die 
Arbeitslosigkeit am Bau resultiert viel-
mehr aus der finanziellen Zurückhal-
tung öffentlicher und privater Investi-
tionen auf Grund der Finanz- und 
Wirtschafts krise.
Auch Expertinnen und Experten 
bestätigen, dass bei Investitionen in 
 Infrastruktur, Sanierung und in leist-
bares Wohnen ein großer Aufholbedarf 
besteht. Zu wenige Aufträge verur-
sachen einen noch schärferen und da-
mit unsozialen und unfairen Wettbe-
werb. Zusätzlich verdrängen auslän-
dische Firmen mit ihren Beschäftigten 
durch Dumpingpreise seriös arbeiten-
de regionale Firmen vom Markt.
Um diesen bedenklichen Entwick-
lungen entgegenzutreten, hat die von 
den Bausozialpartnern ins Leben geru-
fene Initiative UMWELT + BAUEN 
gemeinsam mit Wohnbau-, Finanz- 
und Sanierungsexpertinnen und Ex-
perten intensiv an Lösungsansätzen 
gearbeitet. Oberste Priorität war, dass 
der Budgetpfad nicht verlassen wer - 
den muss und die Lösungen nicht am 
Föderalismus in Österreich scheitern.
Die wichtigsten Eckpunkte sind 
neben einer Wiedereinführung der 
Zweckbindung der Wohnbauförde-
rung spätestens mit dem nächsten Fi-
nanzausgleich  neue Wege, um budget-
neutral Mittel für den Wohnbau zu 
erhalten, eine Forcierung des sozialen 
Wohnbaus und der urbanen Nachver-
dichtung und, wo immer rechtlich 
möglich, Auftragsvergaben an österrei-
chische Firmen. Hier muss die öffent-
liche Hand Vorbildwirkung haben. 
Die steirische Winterbauoffensive zeigt 
mit ihrer Vergabepraxis, wie es geht.
Es geht um Arbeitsplätze
Die erarbeiteten umsetzungsreifen Kon-
zepte wurden der Bundesregierung prä-
sentiert und fanden Aufnahme in die 
Programme beider Regierungsparteien. 
Ein erster wichtiger konkreter Schritt 
wurde mit dem Bau-Konjunkturpro-
gramm und einem Wohnbaupaket ge-
setzt, das die Bundesregierung im Juni 
vorstellte. 745,5 Mio. Euro sind allein 
für 2014 vorgesehen.
Nun wird es daran liegen, dass die 
neue Bundesregierung möglichst rasch 
nach ihrer Angelobung weitere Schritte 
setzt. Es wäre fahrlässig, einen so 
 wichtigen Bereich wie den Wohnbau 
hintanzustellen: Hier geht es um Tau-
sende Arbeitsplätze und darum, dass 
Menschen in Österreich keine Angst 
um ihr Dach über dem Kopf haben 
müssen. Nicht zuletzt bringen Inves-
titionen in den Wohnbau und in 
 Arbeitsplätze der öffentlichen Hand 
auch deutliche Mehreinnahmen aus 
Steuern und Sozialversicherungsbei-
trägen. Jeder inves tierte Euro kommt 
mehrfach zurück.
Wohnen in der Krise
Nicht zuletzt
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rm Josef Muchitsch
Vorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz 
und Abgeordneter zum Nationalrat
        

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