Full text: Ein Dach über dem Kopf (8)

Arbeit&Wirtschaft 8/201346 Man kann nicht alles wissen
Amerlinghaus: Das Biedermeierhaus im Altstadt-
Sanierungsgebiet Spittelberg in Wien-Neubau wurde 
1975 besetzt, anschließend von der Stadt Wien re-
noviert und im April 1978 als selbstverwaltetes 
Kultur- und Kommunikationszentrum eröffnet. 
Gleich mehrere Bewegungen (Alternativschulen, 
Anti-AKW-Bewegung etc.) nahmen hier ihren Aus-
gang. (Seite 34)
Arena-Bewegung: Im Sommer 1976 begann die 
 Besetzung des aufgelassenen Auslandsschlacht-
hofes in St. Marx im dritten Wiener Gemeindebezirk. 
Die BesetzerInnen, die sich selbst Arenauten nann-
ten, wollten die Gebäude erhalten und ein Kulturzen-
trum errichten. Das heutige Kultur- und Kommuni-
kationszentrum Arena entstand dann allerdings in 
kleinerem Umfang in dem benachbarten Inlands-
schlachthof. (Seite 34)
ATIB: Die Türkisch-Islamische Union für kulturelle 
und soziale Zusammenarbeit in Österreich, gegrün-
det 1990, ist der Dachverband von zahlreichen regi-
onalen Vereinen in ganz Österreich. Als Ableger der 
staatlichen Religionsbehörde in der Türkei will ATIB 
für einen gemäßigten Islam stehen, der auf gute 
Zusammenarbeit mit den Behörden setzt. ATIB ist 
der größte Verband von Muslimen in Österreich und 
betreibt mehrere Islam-Zentren sowie einen großen 
Teil der insgesamt rund 190 österreichischen 
 Moscheen. (Seite 17)
Austrian Institute of Technology (AIT): Gegründet 
1956 als Österreichische Studiengesellschaft für 
Atomenergie (SGAE) wurde das Institut nach dem 
Atomsperrgesetz 1978 in Forschungszentrum Sei-
bersdorf umbenannt, danach in Austrian Research 
Centers geändert. 2009 wurde die aktuelle Bezeich-
nung etabliert. Heute ist das AIT Österreichs größte 
außeruniversitäre Forschungseinrichtung und an 
mehreren Standorten tätig. (Seite 22)
Basel III: Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht 
hat unter diesem Titel ein umfassendes Reformpaket 
veröffentlicht, das mit strengeren globalen Regeln 
für Eigenkapital und Liquidität die Widerstandsfä-
higkeit des Bankensektors stärken soll. Die darauf 
aufbauenden Richtlinien und Verordnungen auf EU-
Ebene wurden Mitte 2013 in österreichisches Recht 
umgesetzt. Das neue Regelwerk soll ab Anfang 2014 
in der EU schrittweise in Kraft treten. Die wichtigsten 
Neuerungen sind u. a.: Erhöhung der Qualität, Kon-
sistenz und Transparenz der Eigenkapitalbasis von 
Banken, Verbesserung der Risikodeckung, Einfüh-
rung einer Verschuldungsgrenze, weniger Prozyklizi-
tät und Stärkung von antizyklischen Puffern, Reduk-
tion der übermäßigen Vernetzung systemrelevanter 
 Banken. (Seite 12)
Bertelsmann-Stiftung: wirtschaftsnahe deutsche 
Denkfabrik; 1835 gründete der Drucker und Buch-
händler Carl Bertelsmann in Gütersloh den C. Ber-
telsmann Verlag inklusive Druckerei. Nach seinem 
Sohn Heinrich übernahm 1887 dessen Schwieger-
sohn Johannes Mohn die Verlagsleitung. Heute ist die 
Bertelsmann SE & Co. KGaA ein internationaler Me-
dienkonzern (Gruner & Jahr, RTL, Random House etc.), 
allerdings nicht an der Börse. 1977 gründete Rein-
hard Mohn (1921–2009), der Enkel von Johannes 
Mohn, die Bertelsmann-Stiftung. Sie hält 77,6 Pro-
zent des Aktienkapitals des Konzerns. (Seite 42)
Europäische Investitionsbank: Bank der EU, deren 
Anteilseigner die Mitgliedsstaaten sind; Hauptsitz in 
Luxemburg, insgesamt mehr als 1.900 Mitarbeite-
rInnen weltweit. Die Vergabe von Darlehen und damit 
verbundene Beratungsleistungen machen die Haupt-
tätigkeit der Bank aus. In der Regel finanziert die EIB 
ein Drittel der Kosten eines Projekts. Ihr Beitrag kann 
jedoch bis zu 50 Prozent betragen. Den Großteil der 
für ihre Darlehen benötigten Mittel nimmt die EIB 
durch die Emission von Anleihen auf den internatio-
nalen Kapitalmärkten auf. www.eib.org (Seite 13)
Keynes, John Maynard: britischer Ökonom, Politiker 
und Mathematiker (1883–1946); seine zentrale The-
orie war, dass das marktwirtschaftliche System auch 
bei flexiblen Preisen und Löhnen nicht automatisch 
zur Vollbeschäftigung tendiert, was bedeute, dass 
der Staat zeitweise regulierend eingreifen sollte 
(Keynesianismus mit Wohlfahrtsstaat, gelenkter 
Volkswirtschaft etc.) Seine Theorien dominierten bis 
Mitte der 1970er Jahre in den meisten westeuro-
päischen Staaten. (Seite 44)
Kohorte: nach bestimmten Kriterien (Alter, Bil-
dungsgrad etc.) ausgewählte bzw. zusammenge-
stellte Gruppe. (Seite 40)
NEET: Akronym für Not in Education, Employment or 
Training = weder berufstätig noch in Ausbildung 
oder Training, in der Regel wird der Begriff in Zu-
sammenhang mit Jugendlichen zwischen 16 und 24 
verwendet. (Seite 43)
Österreichische JungArbeiterBewegung: parteipo-
litisch und konfessionell unabhängige, Generati-
onen verbindende Jugendorganisation; 1946 ge-
gründet von Dr. Bruno Buchwieser, der sich als 
Einsatzleiter beim Wiederaufbau des Stephansdoms 
auch für die Unterbringung der zahlreichen Jugend-
lichen verantwortlich fühlte, die aus ganz Österreich 
in das zerstörte Wien gekommen waren. Heute 
 betreibt die Jugend- und Heimträgerorganisation 
26 Wohnheime für Studierende, SchülerInnen, Lehr-
linge, junge ArbeitnehmerInnen, SeniorInnen und 
Flüchtlinge. (Seite 23)
Quartil: Viertel (Seite 26)
Seestadt Aspern: In Wien-Donaustadt sollen auf 
dem Gelände des 1977 aufgelassenen Flughafens 
Aspern bis 2028 insgesamt 8500 Wohnungen für 
rund 20.000 Menschen entstehen. Der in der Mitte 
gelegene See gibt dem neuen Stadtteil seinen 
 Namen. Ende 2014 sollen die ersten Wohnungen 
bezugsfertig sein. (Seite 30)
Seitz, Karl Josef: österreichischer Politiker (1869–
1950), wuchs nach dem Tod seines Vaters und wegen 
der finanziellen Not seiner Mutter ab dem 11. Le-
bensjahr im Waisenhaus auf und besuchte dann das 
Lehrerseminar. Seitz war Mitbegründer der Freien 
Lehrerstimme, 1901 sozialdemokratischer Reichs-
tagsabgeordneter, nach Victor Adlers Tod 1918 Par-
teivorsitzender. Vom 5. März 1919, dem Tag seiner 
Wahl zum Präsidenten der Konstituierenden Natio-
nalversammlung, bis zur Wahl und zur Angelobung 
des ersten Bundespräsidenten im Dezember 1920 
fungierte Seitz verfassungsgemäß auch als Staats-
oberhaupt. Seitz war außerdem 1919/20 wesentlich 
an der Trennung Wiens von Niederösterreich betei-
ligt. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister 
(1923–1934) wurde das Rote Wien zum internatio-
nalen Vorzeigeobjekt sozialdemokratischer Kommu-
nalpolitik. Seitz wurde danach mehrmals verhaftet 
und schließlich ins KZ deportiert. Von 1945 bis 
zu seinem Tod war er neuerlich NR-Abgeordneter. 
(Seite 14)
Stakeholder: Anspruchsgruppe, ökonomischer Teil-
haber; Person oder (auch nicht organisierte) Gruppe, 
die Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Projekts 
oder eines Prozesses hat. (Seite 13)
Storytelling: „Geschichtenerzählen“, etwa auch in 
Form von Anekdoten, ist eine Methode, Wissen und 
Lerninhalte sowie politische oder Werbebotschaften 
in Form von lebendig erzählten Geschichten zu trans-
portieren, da man so die Aufmerksamkeit und Kon-
zentration der Menschen leichter gewinnen kann. 
Eine der bekanntesten Storytelling-Methoden ist der 
Mitte der 90er Jahre in den USA entwickelte „Lear-
ning-Histories-Ansatz“. Dabei wird (Erfahrungs-)
Wissen von MitarbeiterInnen über bestimmte Ereig-
nisse im Unternehmen aus unterschiedlichsten Per-
spektiven der Beteiligten mittels Interviews erfasst, 
ausgewertet und in Form einer gemeinsamen Erfah-
rungsgeschichte aufbereitet. (Seite 35)
Subprime-Kredit: 1993 in den USA entstandene 
 Bezeichnung für private Hypothekarkredite, die von 
KreditnehmerInnen mit geringer Bonität bei den 
Banken für Hauskäufe aufgenommen bzw. zu denen 
sie von den Banken überredet wurden (subprime = 
zweitklassig). Die Subprime-Krise entstand dann 
unter anderem dadurch, dass Banken untereinander 
und auch international mit diesen Papieren han-
delten. (Seite 26)
Unilever-Gründe: Areal in Wien-Liesing, das sich 
zwischen dem Atzgersdorfer Zentrum und der Be-
zirksgrenze im Norden beidseits der Breitenfurter 
Straße erstreckt. (Seite 34)
Volkshilfe: parteiunabhängige, gemeinnützige Wohl-
 fahrtsvereinigung, gegründet 1947, um Hunger, 
Arbeitslosigkeit und mangelhafte Gesundheitsver-
sorgung zu bekämpfen. Heute hat die Volkshilfe mehr 
als 9.000 MitarbeiterInnen und 3.000 ehrenamtliche 
HelferInnen, die auch international im Einsatz für 
Menschen in Not sind. (Seite 20)
WUK: Das 1981 in Wien-Alsergrund in einer ehema-
ligen Lokomotivfabrik entstandene alternative Werk-
stätten- und Kulturhaus zählt heute zu den größten 
unabhängigen Kulturzentren Europas. (Seite 34)
        

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