Full text: Ober sticht Unter (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2013 17Schwerpunkt
kom/IT sowie Kredit- und Versiche-
rungswesen leiden überdurchschnittlich 
oft darunter. Bei gut einem Drittel der 
Betriebe in diesen Branchen hat sich das 
Betriebsklima verschlechtert. In zumin-
dest einem Fünftel der Unternehmen ist 
die Spanne zwischen niedrigem und ho-
hem Einkommen gewachsen. Ursachen 
dafür könnten variable Entgeltsysteme, 
Leistungsprämien, MitarbeiterInnenbe-
teiligungen u. Ä. sein, von denen Besser-
verdienende meist stärker profitieren. 
Zeitdruck, schlechtes Betriebsklima und 
Einkommenspreizung sind jene Para-
meter, die negative Auswirkungen auf 
 ArbeitnehmerInnen und Betrieb haben. 
Dennoch hält mehr als die Hälfte der 
Befragten den Strukturwandel für not-
wendig oder sogar unverzichtbar. Soll 
 dieser allerdings gelingen, müssen Ar-
beitnehmerInnen Arbeitsbedingungen 
vorfinden, die ihre Gesundheit nicht 
schädigen. Dies unterstreicht das Ad-hoc-
Modul 2012 der Mikrozensus-Arbeits-
kräfte-Erhebung der Statistik Austria?. 
Für 846.500 Personen – knapp die Hälfte 
der 50- bis 69-Jährigen –, die erwerbstätig 
sind oder waren, ist ein längerer Verbleib 
im Erwerbsleben nur unter bestimmten 
Bedingungen vorstellbar. Am wichtigsten 
ist der Gesundheitszustand. Ebenfalls 
wichtig sind höheres Einkommen bzw. 
Pension, das Vorhandensein eines Arbeits-
platzes im Alter und ein besseres Arbeits-
klima. Der österreichische Arbeitsgesund-
heitsmonitor vom April 2012 der AK 
OÖ3 zeigt, dass sich ArbeitnehmerInnen 
der Bedeutung von Arbeitsbedingungen 
für ihre Gesundheit wenig bewusst sind. 
Nur etwas mehr als die Hälfte der Betrof-
fenen führt ihre Rückenschmerzen und 
-verspannungen auf die Arbeit zurück. 
Ebenso wenig rechnen ArbeitnehmerIn-
nen Verdauungsbeschwerden, Bluthoch-
druck und Rückenschmerzen, die bei 
Stress steigen, dieser zu.  
Psychische Belastungen
Psychische Belastungen haben mehr Ein-
fluss als körperliche. Häufig genannt 
 werden: Probleme mit Vorgesetzten oder 
Kolleginnen und Kollegen, Zeitdruck etc. 
Diese Belastungen hängen wie die körper-
lichen Symptome stark mit den Arbeits-
bedingungen zusammen. Trotz Krankheit 
ging knapp die Hälfte der Arbeitneh-
merInnen an durchschnittlich neun Tagen 
im letzten Halbjahr zur Arbeit – aus 
Pflichtgefühl gegenüber den Kolleginnen 
und Kollegen oder Angst vor Konsequen-
zen (ca. 200.000 Personen). Bei der Be-
triebsrätebefragung 2010 des Instituts 
für Sozial- und Wirtschaftswissenschaf-
ten4 nannten die 598 Befragten Personal-
abbau und Beschäftigungssicherung als 
wichtigste Themen der Betriebsratsarbeit. 
Bei der Frage nach dem größten Problem 
der Betriebsrats tätigkeit der letzten zwölf 
Monate zeigen sich Verschiebungen. 
 Wurde 2009 das Thema Personalabbau 
mit Abstand am häufigsten als größtes 
Problem genannt, liegt dieses 2010 gleich-
auf mit der Erhöhung des Leistungs-
drucks. Auch die  Themen Arbeitszeit und 
betriebliche Umstrukturierungen haben 
an Dringlichkeit gewonnen. Steigender 
Leistungsdruck ist keineswegs erst seit 
der Wirtschaftskrise ein Thema, doch 
scheint sich dieser durch Personalabbau 
bzw. Aufnahmestopps noch einmal ver-
stärkt zu haben. Die gleiche oder eine noch 
 höhere Arbeitsleistung muss mit einer 
 kleineren „Mannschaft“ erbracht wer - 
den. Betriebliche Umstrukturierungen 
 bedeuten zusätzlichen Stress für die 
 Beschäftigten.
Für ein gesünderes System
Knapp zwei Drittel der Betriebsrätinnen 
und -räte erkennen deutlicher als die Ar-
beitnehmerInnen selbst Zusammenhänge 
zwischen Leistungsdruck und negativen 
Folgen für die  Gesundheit der Betroffe-
nen. Sie versuchen dem entgegenzuwir-
ken: durch Beratung und Einwirkung auf 
 unmittelbare Vorgesetzte, mittels Zeit- 
und Entgeltregimen und durch Abschluss 
spezifischer Betriebsvereinbarungen. 
Zusammenfassend lassen diese Fakten 
einen Schluss zu: ArbeitnehmerInnen, 
die mit modernen variablen Entgeltsyste-
men konfrontiert sind, geht es besser, 
wenn ein Betriebsrat im Betrieb ist.
Internet:
Arbeitsklima Index: 
tinyurl.com/nm9hyr5
Der Österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor:
tinyurl.com/qh6wpz8
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an die Autorin
doris.lutz@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at 
2  Statistik Austria, Pressemitteilung 10.641-217/13 vom 23. 10. 2013
3  Der Österreichische Arbeitsgesundheitsmonitor. In: Schriftenreihe 
Österreichischer Arbeitsklima Index 2, Stand: April 2012
4  P. Gerhartinger, M. Specht, J. Braun: Ergebnisse der ISW-Betriebs-
rätebefragung 2010, Auszug aus WISO 4/2010
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Der Strukturwandelbarometer 2013 zeigt auf, dass 
in knapp zwei Dritteln der untersuchten 
 Unternehmen – insbesondere in Konzernen –  
im letzten Halbjahr der Zeitdruck gestiegen ist. 
 ArbeitnehmerInnen der Branchen Handel, 
 Telekom/IT sowie Kredit- und Versicherungswesen 
leiden überdurchschnittlich oft darunter.
        

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