Volltext: Ober sticht Unter (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2013 19Schwerpunkt In der Supervisionskultur wurde Coaching zunächst als spezifische Form der Leitungs- supervision verstanden. In den vergange- nen Jahren hat es sich zunehmend – in Ab- grenzung zu sonstigen beratenden Dienst- leistungen mit dem Etikett Coaching – zu einem eigenständigen Feld entwickelt, mit spezifischer Fokussierung, Methodik und Arbeitsstrategie. Coaching hat einen hohen Beratungsanteil, eine betont zielorientierte innere Haltung und zahlreiche Trainings- elemente. Es konzentriert sich auf The- men wie Gestaltung der Führungsrolle, Karriereplanung, Management von Verän- derungsprozessen oder von Krisensituati- onen. Zielgruppen sind Führungskräfte, Personen in beruflich verantwortungsvollen Positionen sowie Personen in berufsbezo- genen Veränderungs-, Krisen- und Neu- orientierungssituationen. „Vorgesetzte als Coach“ Führungskräften, die ihre eigene Manage- menttätigkeit angemessen reflektieren, ge- lingt es besser, auch die Reflexionsnotwen- digkeiten und -wünsche ihrer Mitarbeite- rInnen aufzugreifen und zu organisieren. Der oder die „Vorgesetzte als Coach“ ist bis zu einem gewissen Grad auch möglich und manchmal Teil einer guten Firmen- kultur. Wer als Führungskraft selbst Coa- ching für MitarbeiterInnen anbieten will, sollte sich einer spezifischen Ausbildung unterziehen, welche u. a. Elemente der ei- genen Persönlichkeitsentwicklung, Eigen- kontrolle, Gruppendynamik aber auch Methoden des Coaching umfasst. Aber das stets „offene Ohr“ der oder des Vorgesetzten ist auch eine zweischnei- dige Angelegenheit. Keinesfalls sollte es die autonom organisierte, von einem un- abhängigen Coach oder einer Superviso- rin geleitete, aber von der Firma bezahlte Reflexion ersetzen. Denn dass die Kom- munikation mit dem Chef/der Chefin ein wichtiger Punkt ist, aber diese Debatte nicht gerade von der Führungskraft selbst geleitet werden sollte, liegt auf der Hand. Führungskompetenz heißt in diesem Zu- sammenhang vor allem, auch die eigenen Grenzen zu erkennen und im Unterneh- men oder in der Organisation für Rah- menbedingungen und ein Klima des Ver- trauens und der selbstbestimmten und selbstbewussten Organisierung professio- nell begleiteter Reflexion zu sorgen. In der Vielfalt des Angebots an profes- sioneller Reflexion durch Supervision und Coaching bietet die 1994 gegründete Österreichische Vereinigung für Super- vision (ÖVS) Orientierung bezüglich der unterschiedlichen Methoden und Garan- tien hinsichtlich der Qualität. Sie versteht sich als Garant für professionelle Super- vision, qualitätsvolles Coaching bzw. neu- erdings auch Organisationsentwicklung/ Organisationsberatung und leistet im Sinne dieser Aufgabe vielschichtige fach- liche und berufspolitische Entwicklungs- arbeit. Durch die ÖVS erfolgt die Aner- kennung der qualifizierten Ausbildung ihrer mehr als 1.200 Coachs, Superviso- rInnen und BeraterInnen. Über die Mit- gliedschaft in der ANSE, der Vereinigung nationaler Verbände in Europa, ist die ÖVS den europäischen Standards ver- pflichtet. Gerade Führungskräfte bewegen sich innerhalb ihrer Konzerne, aber auch der globalen Märkte in unterschiedlichen Kulturen und damit auch Reflexionsum- gebungen. Umso bedeutungsvoller wird damit das von der EU geförderte Projekt ECVision, das von ANSE initiiert und vom Rat der Europäischen Fach- und Führungskräfte EUROCADRES unterstützt wird. Es hat das Ziel, die Vergleichbarkeit und Bewertung der Kompetenzen in Super vision und Coaching europaweit zu fördern, einen Austausch zwischen Expertinnen und Experten, Auftraggebe- rinnen und Auftraggebern, Kundin nen und Kunden mit unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergrün- den zu organisieren und den Weg zur Einführung europaweit gültiger Qualitäts- ausweise zu ebnen. Reflexion und Selbst- reflexion kann man also sowohl als innere Haltung, als Führungskompetenz, als Managementinstrument, als Management- technik begreifen. Es ist aber viel komple- xer: Reflexion und Selbstreflexion sollen noch viele andere Bereiche, Instrumente, Techniken und Methoden des Managens durchdringen und beeinflussen. So gese- hen sind diese Kompetenzen ein Kern- stück gesunden, sozialen, nachhaltigen und verantwortungsvollen Managements. Internet: Österreichische Vereinigung für Supervision: www.oevs.or.at Leonardo-Projekt A European System of Comparability and Validation of Supervisory Competences (ECVision): www.anse.eu/ecvision.html Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor gerald.musger@gpa-djp.at oder die Redaktion aw@oegb.at Aber auch hier lauern Fallstricke: Arbeit bleibt trotz Teams und gutem Arbeitsklima auch ein Ort der Konkurrenz. Vorgesetzte bleiben, auch wenn sie ihre MitarbeiterInnen in deren beruflicher Reflexion unterstützen, weiterhin Vorgesetzte mit allen Rechten und Pflichten. © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.