Full text: Rund um Europa (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/2014 31Schwerpunkt
EU bisher zurückgehalten hat, zumal 
die Türkei schon ihre Marine vor der 
Südküste Zyperns aufkreuzen ließ. 
Zum anderen sorgt die geopolitische 
Lage im östlichen Mittelmeer für 
Schwierigkeiten. Um das Erdgas ko-
steneffizient zu fördern, müssen alle An-
rainerstaaten zusammenarbeiten.
Fördervarianten
Seit März 2013 befindet sich Zypern 
 unter der Kontrolle der Troika bestehend 
aus dem Internationalen Währungsfonds 
(IWF), der Europäischen Kommission 
und der Europäischen Zentralbank. Das 
Defizit liegt derzeit bei 6,3 Prozent, die 
Arbeitslosigkeit bei 17,1 Prozent. Der 
IWF erwartet, dass die zypriotische 
 Wirtschaft 2013 um 8,7 Prozent und 
2014 um 3,9 Prozent schrumpfen wird. 
Angesichts der desolaten wirtschaftli - 
chen Situation der Insel hegen viele 
 Zypriotinnen und Zyprioten die Hoff-
nung, dass mögliche Gaseinnahmen das 
Land aus der wirtschaftlichen Rezession 
herausholen. 
Bei einer Flüssigerdgas-(LNG-)Anla-
ge rechnen sich Investitionen erst ab 
einem Gasvorkommen von sechs Tcf 
(trillion cubic feet). Die von der US-
Energiefirma Noble durchgeführten 
Tests lassen jedoch darauf schließen, dass 
im untersuchten Feld lediglich ca. 3,6 
bis sechs Tcf Erdgas mit einem mittleren 
Wert von zirka fünf Tcf vorhanden sind. 
Der genaue Umfang der Gasvorkom-
men kann mit Sicherheit jedoch erst in 
ein bis zwei Jahren festgestellt werden. 
Bei einer LNG-Anlage müsste sich 
Zypern nicht an das bestehende Pipe-
line-Netz, das bereits israelisches Gas in 
die Türkei liefert, anschließen und 
könnte somit unabhängig von der 
Türkei das Gas vertreiben. Auf der Insel 
würden permanente Arbeitsplätze im 
technischen und logistischen Bereich 
geschaffen. Der bankrotte zypriotische 
Staat müsste sich nach privaten Inves-
toren umsehen. Wegen der erwarteten 
Überkapazitäten auf dem weltweiten 
Gasmarkt und der damit verbundenen 
fallenden Gaspreise ist eine solche Inves-
tition in eine LNG-Anlage bei einer Fer-
tigstellung frühestens 2020 zumindest 
zum jetztigen Zeitpunkt wirtschaftlich 
fragwürdig. Eine Gasverflüssigungsanla-
ge würde sich erst rentieren, wenn sie 
zusammen mit anderen Anrainerstaaten 
betrieben würde. 
Sogenannte Floating-LNG-(FLNG-) 
Anlagen, d. h. schwimmende Anlagen, 
wären eine Alternative. Sie könnten 
schneller gebaut werden und somit 
schneller Gewinne abwerfen. Langfristig 
würden jedoch keine Arbeitsplätze für 
die Zypriotinnen und Zyprioten ge-
schaffen, obwohl für Zypern die Ein-
nahmen schneller fließen würden. Die 
Strompreise, die zu den höchs ten inner-
halb der EU zählen, dürften drastisch 
sinken und somit die Endverbrauche-
rInnen finanziell entlasten.
Lieferant für die EU
Um Gas zu exportieren, müsste sich 
 Zypern am europäischen Markt orientie-
ren. Das Land könnte als EU-Mitglieds-
land ein geografisch naher und zuverläs-
siger Lieferant für die EU sein. Zudem 
sieht die 2015 in Kraft tretende Konven-
tion der Internationalen Schifffahrtsor-
ganisation (International Maritime Or-
ganisation – IMO) für den CO2-Ausstoß 
eine drastische Reduktion vor. Das be-
deutet mittel- bis langfristig das Aus für 
schwere Treibstoffe. 
Chancen und Möglichkeiten
Zur Forcierung der Umstellung will 
Deutschland grenzüberschreitende Pilot-
projekte unterstützen und LNG als Al-
ternative zum Schweröl attraktiver ma-
chen. Hier könnte das im östlichen Mit-
telmeer geförderte Gas eine wichtige 
Rolle spielen. 
Für Zypern ergäbe die langfristige 
Umstellung in der Schifffahrt auch die 
Möglichkeit, einen sicheren Bunkerha-
fen für die im östlichen Mittelmeer ver-
kehrenden Schiffe zu errichten und Teil 
des transeuropäischen Verkehrsnetzes 
mit einer LNG-Infrastruktur im Mittel-
meer zu werden. Für die EU könnte sich 
eine nachhaltige Energiepartnerschaft 
entwickeln. Grundvoraussetzung dafür 
ist jedoch die Einigung der beiden Be-
völkerungsgruppen über eine Lösung 
des Zypernproblems.
Internet:
Gastbeitrag zum Thema von Hugh Pope 
in der „Zeit“ vom  24. September 2013:
tinyurl.com/ptz3dkc
Schreiben Sie Ihre Meinung 
an die Autorin
 boeros@cytanet.com.cy
oder die Redaktion
aw@oegb.at 
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Die Energieimporte setzten sich für das Jahr 
2010 wie folgt zusammen: Russland 35 Prozent, 
Norwegen 27 Prozent, Algerien 14 Prozent, 
 Katar acht Prozent, Libyen und Nigeria je drei 
und zehn Prozent von anderen.
        

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