Full text: Den Stier bei den Hörnern packen (3)

Arbeit&Wirtschaft 3/2014 23Schwerpunkt
sen. Dieser ist zum einen auf die hohe Er-
werbslosigkeit zurückzuführen. Zum an-
deren sichert aber selbst ein Arbeitsplatz 
kein Entrinnen aus der Armut: Wie die 
EU-Kommission in ihrer Analyse betont, 
ist ein neuer Arbeitsplatz nur für die 
Hälfte der Betroffenen auch ein Weg aus 
der Armut. Dies ist u. a. auf prekäre Ar-
beitsbedingungen in Form von geringen 
Löhnen/Gehältern, unfreiwilliger Teilzeit-
arbeit und befristeter Arbeit zurückzu-
führen. Letzteres Problem betrifft insbe-
sondere junge Menschen.3 
Arbeitslosigkeit in Rekordhöhe
Obwohl Österreich im Hinblick auf die 
Entwicklung am Arbeitsmarkt deutlich 
günstiger abschneidet als andere EU-Län-
der, besteht auch hier kein Anlass zum Ju-
beln: Einerseits erreicht die Arbeitslosig-
keit traurige Rekordhöhen – Ende Febru-
ar 2014 waren in Österreich knapp 
440.800 Menschen arbeitslos gemeldet 
(356.700) oder in Schulung (84.100) –, 
dem standen gleichzeitig knapp 24.600 
gemeldete offene Stellen gegenüber.4/5 An-
dererseits hat der österreichische Arbeits-
markt – und das zeigt der von der AK 
Wien in Kooperation mit dem WIFO 
entwickelte Arbeitsmarktmonitor ein-
drücklich – ungeachtet der vergleichswei-
se günstigen Gesamtentwicklung hartnä-
ckige Schwächen. Dazu zählen neben der 
relativ schlechten Beschäftigungsintegra-
tion von über 55-Jährigen und den deut-
lich geringeren Beschäftigungsquoten von 
Frauen auch die großen Unterschiede im 
Hinblick auf die Einkommen von Frauen 
und Männern sowie das mangelhafte An-
gebot an institutionalisierter Kinderbe-
treuung, v. a. für Kinder unter drei Jahren. 
Folglich besteht auch in Österreich 
ein weitreichender Handlungsbedarf: Er 
reicht von der Schaffung qualitativ hoch-
wertiger Arbeitsplätze über Maßnahmen 
zur Verbesserung der Vereinbarkeit von 
Beruf und Familie bis hin zur Beseiti-
gung struktureller Benachteiligung von 
Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Dazu zäh-
len aber auch Maßnahmen zur Verkür-
zung überlanger Arbeitszeiten und zur 
Eindämmung des gesundheitlichen Ver-
schleißes am Arbeitsplatz.
„Gute Arbeit“ schaffen
Den Handlungsbedarf zur Schaffung von 
„guter Arbeit“ sowohl auf Ebene der EU 
wie auch in den einzelnen Mitgliedsstaa-
ten hat das von der Forschungs- und Be-
ratungsstelle Arbeitswelt6 (FORBA) zwi-
schen 2009 und 2012 durchgeführte For-
schungsprojekt „walqing“7 gezeigt. 
Untersuchungsgegenstand des Projekts 
waren Arbeits- und Lebensbedingungen 
der Beschäftigten in wachsenden Bran-
chen im Niedriglohn- und Niedrigquali-
fikationsbereich in der EU. Dabei sind 
Fallbeispiele in fünf Branchen (Reini-
gungsgewerbe, Abfallwirtschaft, Bauwirt-
schaft, mobile Altenpflege und Catering) 
in elf europäischen Ländern8 untersucht 
worden. Die Arbeit in diesen Branchen ist 
häufig geprägt von intensivem Kosten-
wettbewerb, der sich unmittelbar u. a. in 
erhöhtem Arbeitsdruck und prekären Ar-
beitsverhältnissen niederschlägt. Das be-
deutet oft geringe Entlohnung, schwere 
körperliche Arbeit, niedrige oder nicht 
anerkannte Qualifikationen, geringe be-
rufliche Perspektiven und geringe Mög-
lichkeiten der Interessenvertretung – und 
dies ungeachtet dessen, dass die Arbeit in 
diesen Branchen von zentraler gesell-
schaftlicher Bedeutung ist. 
Das heißt nicht, dass es keinen Spiel-
raum für eine positive Ausgestaltung von 
Lohn, Arbeitsqualität und Qualifikation 
in diesen Branchen gäbe. Es erfordert al-
lerdings ein gebündeltes Handeln unter-
schiedlicher Akteure auf Ebene der Poli-
tik, der Sozialpartnerschaft und der 
Betriebe. 
Internet:
Die Dokumentation der Tagung ist in der 
 Schriftenreihe „Sozialpolitik in Diskussion“, 
Band 15, „Die Qualität der Arbeit auf dem 
 Prüfstand“ erschienen:
tinyurl.com/oocj2te
Die Print-Ausgabe kann für einen 
 Druckkostenbeitrag von zehn Euro beim  
ÖGB-Verlag bestellt werden:
fachbuchhandlung@oegbverlag.at
Schreiben Sie Ihre Meinung  
an die Autorinnen
sonja.ertl@akwien.at
ursula.filipic@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at 
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Auch die Zahl der Beschäftigten, die fürchten 
ihren Arbeitsplatz zu verlieren, hat sich signifi-
kant erhöht. Dem gegenüber steht eine parti-
elle Verbesserung der Arbeitsqualität, weil 
überlange Arbeitszeiten reduziert wurden und 
sich in einigen Bereichen die Arbeitsintensität 
verbessert hat. Diese gestiegene Autonomie am 
Arbeitsplatz dürfte aber ihren Grund im über-
durchschnittlichen Abbau von Arbeitsplätzen 
mit wenig Autonomie haben (z. B. am Bau). 
3  Press points – Employment and Social Developments in Europe 
2013; Download: tinyurl.com/nkxqdse
4  Quelle: AMS-Daten, Monatsfolder Arbeitsmarkt aktuell: tinyurl.
com/nnn543b; Download: 12.3.2014
5  In: Ertl/Filipic¡ (Hg.), Die Qualität der Arbeit auf dem Prüfstand: 
Der Einfluss der Arbeitsmarktlage auf die Arbeitsqualität 
(= Schriftenreihe Sozialpolitik in Diskussion, Band 15), S. 4; 
 Download: tinyurl.com/oocj2te; 12.3.2014
6  www.forba.at
7  Link: www.walqing.eu
8  Österreich, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Spanien, Deutschland, 
Ungarn, Italien, Litauen, Norwegen und Großbritannien
        

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