Full text: Das Märchen vom Sparen (4)

11Arbeit&Wirtschaft 4/2014
angeeignet und genoss unter den linken In-
tellektuellen einiges Ansehen, er korrespon-
dierte etwa mit Karl Marx und dem Philo-
sophen Ludwig Feuerbach. Das harte Urteil 
sollte wohl auch signalisieren, dass radikale 
sozialistische Ideen in Österreich keine 
 Chance hätten. Aber Konrad Deubler ließ 
sich nicht brechen: Sobald die Diktatur ein 
wenig gelockert wurde, half er den Salinen- 
und Forstarbeiterinnen und -arbeitern bei der 
Gründung ihres Arbeitervereins. Die Grün-
dungsversammlung beschloss auch die 
 Errichtung eines mit dem Arbeiterverein 
 verbundenen Konsumvereins.
Der Konsumverein machte sich 1869 selbst-
ständig und er wurde unverzichtbar, als den 
Arbeiterinnen und Arbeitern wenige Jahre 
später ihre  Korn- und Schmalzdeputate ge-
strichen wurden – zugunsten einer mini - 
malen Lohn erhöhung, die den Verlust nie 
 ausgleichen konnte. Der Verein errichtete 
eine Bäckerei und eine Fleischerei, kaufte  drei 
Mühlen und stellte so die Versorgung der 
 ArbeiterInnen sicher. Ab 1875 versorgte er 
auch Obertraun, ab 1912 Traunkirchen und 
ab 1927 St. Wolfgang. Unter der austro-
faschistischen Diktatur wurde seine Tätigkeit 
stark eingeschränkt, die NS-Herrschaft löste 
die Konsumvereine 1943 ganz auf. In der 
Zweiten Republik entstand aus dem Orts-
verein die Konsum genossenschaft Salzkam-
mergut. Den Zu sammenschluss zum „Konsum 
Österreich“ machte die Salzkammergut- 
Genossenschaft nicht mit. Als eigenständiges 
Zwischen 1848 und 1867 herrschte in Öster-
reich eine absolute Kaiserdiktatur, die jede 
Opposition brutal niederhielt. Im Salzkam-
mergut, das als ärarischer Besitz der kaiser-
lichen Verwaltung direkt unterstand, hatten 
es  RegimegegnerInnen besonders schwer. 
1853 hob die Polizei in Goisern einen republi-
kanisch gesinnten Freundeskreis um den 
Gastwirt und Bäckereiinhaber  Konrad  Deubler 
aus. Der „Haupträdelsführer“ Deubler  wurde 
1854 nach Iglau/Jihlava gebracht und dort 
zu zwei Jahren schweren Kerkers nach 
Brünn abgeurteilt. Der Spielberg/Špiel-
berk, die Festung über Brünn/Brno, galt mit 
Recht als das brutalste Gefängnis der Mo-
narchie. Auf die zwei Jahre Kerker folgten noch 
vier Jahre Internierung  in Olmütz/Olomouc. 
Die Anklageschrift formulierte, worin der 
Hochverrat des Verurteilten bestanden hatte:
Hervorhebung des Notstandes der 
 Arbeiter und des Luxus des Hofes, das 
Drückende der Steuern, der vielen 
 Soldaten, Anpreisung der nordameri­
kanischen Republik, der Wohlfeilheit 
der dortigen Regierung und Lebens­
mittel, des freien Lebens, des leichteren 
und größeren Verdienstes der Arbeiter. 
Sein Haus ist der Versammlungsort der 
Unzufriedenen.
Der Sohn eines Salzbergmanns, gelernte 
 Müller und Gastwirt war nicht irgendwer. Er 
hatte sich im Selbststudium großes Wissen 
Wohlfeilheit und freies Leben
Der „Bauernphilosoph“ Konrad Deubler kämpfte für Arbeiterrechte und half 1868  
bei der Gründung des Arbeiter-Konsumvereins in Goisern.
Unternehmen überlebte sie dessen Ende 1995 
noch um 16 Jahre.
Konrad Deubler starb 1884. In seinem Testa-
ment stiftete er ein Kapital von 3.000 Gulden, 
deren Zinsen zur Ausgabe von Suppen 
an solche armen Schulkinder verwandt 
werden sollen, die täglich einen weiten 
Weg haben.
Ausgewählt und kommentiert 
von Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at
Historie
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„Kerntragweiber“ in Hallstatt um 1885.  
Die meisten Arbeiterfrauen im „Kammergut“ 
verdingten sich damals damit, das rohe 
 Kernsalz vom Berg zum Magazin auf der 
Seelände zu schleppen. Ihr Beitrag zum 
 Familieneinkommen war unverzichtbar.
        

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